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14.05.2013

14:43 Uhr

Wettbewerbszentrale

Verbraucher müssen sich vor Preisschummlern hüten

Versteckte Kosten beim Handyvertrag und scheinbar reduzierte Waren im Möbelhaus: Quer durch alle Branchen wird laut Wettbewerbszentrale beim Preis getrickst. 2012 hat die Zahl der Schummeleien zugenommen.

Kundin mit Smartphone: Handyverträge sind oft intransparent. AFP

Kundin mit Smartphone: Handyverträge sind oft intransparent.

Bad HomburgBeim Preis wird immer mehr gemogelt: Bei der Wettbewerbszentrale wurden im vergangenen Jahr fast 2000 Fälle mit irreführenden oder intransparenten Preisen bearbeitet - das waren etwa 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Das geht quer durch alle Branchen“, sagte Reiner Münker, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs am Dienstag in Bad Homburg. Als Beispiele nannte er Handyverträge mit versteckten Kosten oder Werbung für Möbel, die im Preis nur scheinbar reduziert sind. Auch Banken arbeiteten nicht immer transparent.

Bei der Werbung mit Preisen werde geschummelt, indem entweder zusätzliche Kosten unterschlagen oder Ersparnisse vorgetäuscht würden, die tatsächlich nicht gegeben seien. Einige Unternehmen hätten sich auf besonders hohe Vergleichspreise bezogen, die es tatsächlich gar nicht gab.

Was tun, wenn die Mobilfunkrechnung nicht stimmt?

Nicht zahlen

Soll ein Kunde Gebühren zahlen, die ein Gericht bereits als unzulässig erklärt hat, kann er sich auf das Urteil berufen und die Zahlung verweigern oder die Lastschrift widerrufen. „Wenn Kunden die Lastschrift zurückziehen, sollten sie die reguläre Grundgebühr gleich wieder anweisen und den Mobilfunkunternehmer entsprechend informieren, sonst hat das Unternehmen das Recht, die Karte zu sperren“, sagt Astrid Auer-Reinsdorff, Fachanwältin für IT-Recht.

Die Zahlung zurückfordern

Wer eine Gebühr, die gerichtlich für unzulässig erklärt wurde, bereits bezahlt hat, kann sie mit Verweis auf das Urteil zurückfordern.

Beratung von der Verbraucherzentrale

Wenn das Unternehmen nicht nachgibt, können sich die Kunden an die Verbraucherzentrale wenden. Unter www.verbraucherzentrale.de finden sie die Beratungsstelle ihres Bundeslandes. Dort gibt es Informationen zu nahegelegenen Beratungsstellen und den Beratungskosten. Die Verbraucherzentrale versucht dann, eine außergerichtliche Einigung zu erwirken.

Meldung an die Verbraucherzentrale

Wenn es nur um einen geringen Betrag geht, scheuen viele Verbraucher die zusätzlichen Kosten für eine Beratung. Sinnvoll ist es jedoch, den Vorfall zumindest an die Verbraucherzentrale zu melden. Diese kann selbst klagen oder den Fall an den  Verbraucherzentrale Bundesverband weiterleiten.

Hingegen beschwerten sich immer weniger Verbraucher über belästigende Werbung wie unerwünschte Telefonanrufe von Firmen. Die Zahl dieser Beschwerden habe sich auf rund 100 Fälle halbiert. Etwa 400 Mal wurde verbotene E-Mail-Werbung reklamiert, diese Zahl habe sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert.

Wegen verletzter Informations- und Kennzeichnungspflichten habe es knapp 7500 Beanstandungen gegeben, was ein Plus von 4,5 Prozent bedeutet. Insgesamt hat die Selbstkontrollinstitution für fairen Wettbewerb im vergangenen Jahr 13.000 Fälle bearbeitet. Diese Zahl bleibe seit Jahren in etwa gleich. In den allermeisten Fällen akzeptierten die Unternehmen die Beanstandungen, sagte Münker. In rund 700 Fällen führte die Wettbewerbszentrale Gerichtsprozesse, weil keine außergerichtliche Einigung möglich war. Vor allem beschäftigten sich die Wettbewerbsschützer mit der Gesundheitsbranche, dem Groß- und Einzelhandel sowie den Internet-Auktionshäusern.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Sylvia

14.05.2013, 19:24 Uhr

Warum nennt unsere Presse beabsichtigte Versuche des KUNDENBETRUGS immer wieder beschönigend tricksen, mogeln, schummeln? Ein Kunde, der sich einmal so richtig fies betrogen fühlt, kauft dort u. U. nie mehr. Und gibt die Info verärgert auch an sein Umfeld weiter ...

Allerdings wird es für den Endverbraucher langsam anstrengend, diese Kunden täuschenden Marken und Lieferanten alle zu boykottieren. Zumal sich der globale, angeblich ach so freie Markt in Wirklichkeit bereits auf einige wenige Großkonzerne konzentriert. Die dann u. U. auch noch ihre (Produkt-)Namen wechseln / verschleiern, ist der Ruf erst gründlich ruiniert?

Für die effektivste Besch**** ähm -neiderei des Endkunden hat aber die EU mit der Freigabe lange bewährter Verpackungseinheiten vorgesorgt:

Weniger drin, Preis gleich. Oder deutlicher: versteckte Preiserhöhung - http://www.vzhh.de/ernaehrung/32535/Versteckte%20Preiserhoehungen.pdf

Noch weniger drin – aber immer noch Preis gleich - http://www.vzhh.de/ernaehrung/32618/2GenerationPreiserhoehung.pdf

Beispiele für neue, raffinierte Methoden - http://www.vzhh.de/ernaehrung/30221/Mogelpackung_ListeRaffinierteMethoden.pdf

War aber offiziell natürlich nur purer Zufall, dass man diese Türe für die Konzerne, rechtzeitig in der Krise im Jahre 2009 - http://www.n-tv.de/ratgeber/Chaos-im-Supermarkt-befuerchtet-article65891.html. - sooo weit zum Nachteil der Endabnehmer geöffnet hat??? Danke EU. Frau sieht daran deutlich, dass speziell Verbraucherschutz ganz, ganz gross auf Deinen Fahnen steht.

Ach ja, ich ahne schon, das ach soo schöne „Einkaufserlebnis“ wird mit derart kreativen „Dienstleistungen am Kunden“ demnächst für jeden etwas kritischeren Ausgabewilligen zum mehr als ärgerlichen Hindernislauf. Und Kunden, die gezwungenermaßen sparen müssen (im Gegensatz zu EU und Regierungen) könnten diese Versuche des „Tricksens und Täuschens“ noch erheblich nachhaltiger übel nehmen …

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