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20.01.2017

14:03 Uhr

Willi Balz

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Windreich-Gründer

Insolvenzverschleppung, Betrug, Bilanzfälschung und Insiderhandel: Die Vorwürfe gegen Windreich-Gründer Willi Balz und seine Mitarbeiter sollen gerichtlich aufgearbeitet werden. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den Windreich-Gründer erhoben. dpa

Willi Balz

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den Windreich-Gründer erhoben.

FrankfurtDie Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen acht Verantwortliche des Windpark-Projektentwicklers Windreich AG erhoben. Den Verantwortlichen - darunter Windreich-Gründer Willi Balz - wird neben Insolvenzverschleppung und Beihilfe dazu auch Betrug in Höhe von mehreren Millionen Euro vorgeworfen, wie die Behörde am Freitag in Stuttgart mitteilte. Darüber hinaus sollen sie sich laut Anklage wegen Kreditbetrugs, Bilanzfälschung, Verletzung der Berichtspflicht, Gläubigerbegünstigung und Insiderhandels vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Das muss nun über die Eröffnung des Verfahrens entscheiden.

Balz bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass er unter den Angeklagten ist. Er hält die Vorwürfe für haltlos und sieht eine Verschwörung früherer Gläubiger. Seine Firma sei nie zahlungsunfähig gewesen. Tatsächlich hatte Windreich auf Druck eines Gläubigers im März 2013 wegen hoher Schulden Insolvenz angemeldet. Das Insolvenzverfahren wurde im Dezember des gleichen Jahres eröffnet.

Laut einem Bericht der „Heilbronner Stimme“ ist auch der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring unter den Angeklagten. Döring selbst habe das der Zeitung bestätigt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft war zunächst nicht erreichbar.

Offshore: Projekte in Megadimensionen

Gewicht

Das Gesamtgewicht einer Anlage kann laut der Stiftung Offshore Windenergie schnell 1000 Tonnen übersteigen. Dabei stehen die Anlagen auf bis zu 900 Tonnen schweren Fundamenten. Allein die Gondel (Maschinenhaus) könne zwischen 300 und 400 Tonnen wiegen.

Gigantische Maße

Allein die im Testfeld Alpha Ventus installierten 5-Megawatt-Anlagen haben einen Rotordurchmesser von bis zu 125 Metern und eine Gesamthöhe von mehr als 170 Metern über dem Meeresgrund. Neuere Anlagen der Leistungsklasse von 6 Megawatt erreichen laut Stiftung Offshore Windenergie Rotordurchmesser um die 150 Meter.

Kosten

Der Bau eines Windparks auf hoher See ist um einiges komplexer als der einer Anlage auf dem Land. Doch binnen sechs Jahren konnte die Branche ihre Kosten halbieren. Beim neuen Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden liegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde bei 87 Euro.

Die Windreich AG, die inzwischen in eine GmbH übergegangen ist, plante und entwickelte Windparks, um sie dann an Investoren zu verkaufen. Das Geschäft birgt hohe finanzielle Risiken.

Im vergangenen Jahr war es dem Insolvenzverwalter gelungen, Anteile an einem Offshore-Projekt an Finanzinvestoren zu verkaufen. Dennoch müssen die Gläubiger nach seiner Einschätzung mit hohen Ausfällen rechnen. Die relevanten Forderungen bezifferte er 2016 auf rund 270 Millionen Euro. Zu verteilen gab es damals allerdings nur noch etwa 86 Millionen Euro. Nach einem Urteil könnte der Insolvenzverwalter prüfen, ob sich weitere zivilrechtliche Ansprüche ergeben.

Besonders hart dürfte es die Anleihenzeichner treffen. In den Jahren 2010 und 2011 hatte Windreich mehrere Anleihen aufgelegt, die Anleger zeichneten Papiere im Wert von knapp 130 Millionen Euro. Doch nach dem Insolvenzrecht werden sie wie Darlehensgeber nachrangig behandelt, also zuletzt ausbezahlt.

Von

rtr

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