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21.07.2014

14:10 Uhr

Windenergie

Prokon-Gründer tritt nach

VonKatharina Schneider

Einen Tag vor der Gläubigerversammlung macht der Gründer des insolventen Unternehmens Prokon noch einmal Stimmung gegen den Insolvenzverwalter und will Genussrechtsinhaber auf seine Seite ziehen.

Vor einem halben Jahr traten Carsten Rodbertus (rechts) und Dietmar Penzlin noch gemeinsam vor die Anleger. Inzwischen liefern sie sich eine Schlammschlacht. dpa

Vor einem halben Jahr traten Carsten Rodbertus (rechts) und Dietmar Penzlin noch gemeinsam vor die Anleger. Inzwischen liefern sie sich eine Schlammschlacht.

DüsseldorfEs wirkt wie ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen. Kurz vor der Gläubigerversammlung am Dienstag holt der Gründer des insolventen Windenergieunternehmens Prokon noch ein Mal zum Schlag gegen den Insolvenzverwalter aus. Im Kern geht es bei der Auseinandersetzung jetzt um die Stimmen der Anleger, denn als Gläubiger dürfen sie am 22. Juli über die Zukunft des Unternehmens abstimmen. Noch bis zum Montagabend können sie ihr Stimmrecht auch einem Bevollmächtigten übertragen, der dann vor Ort in ihrem Namen abstimmt.

In einem offenen Brief wirft Prokon-Gründer Carsten Rodbertus dem Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin unter anderem vor, eine öffentliche Schlammschlacht hervorgerufen zu haben. Der Verwalter habe ihn öffentlich als Feindbild dargestellt, zugleich aber versäumt, nachhaltig mit den Gläubigern, insbesondere den Genussrechtsinhabern von Prokon zu kommunizieren. Penzlin nutze einzelne Gläubigergruppen für seine Kommunikation und bevorteile sie, indem er ihnen Informationen zukommen lasse.


75.000 Anleger hatten insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert und auf Zinsen zwischen sechs und acht Prozent gehofft. Am 1. Mai dieses Jahren war das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Prokon Regenerative Energien GmbH eröffnet worden, weil das Unternehmen nach Gerichtsangaben überschuldet und zahlungsunfähig war. Prokon hat mehr als 50 Windparks im Portfolio. Die Firma ist auch an verschiedenen anderen Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt. Zwischenzeitlich hatte sie etwa 480 Arbeitnehmer.

Mit seinem Brief reagiert Rodbertus auf ein Schreiben Penzlins, mit dem sich dieser am vergangenen Dienstag an die Anleger gewandt hatte. Der Insolvenzverwalter inzwischen zahlreiche Fürsprecher gefunden, darunter die angesehenen Anlegerschützer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch die Freunde von Prokon, die zunächst noch zum Prokon-Gründer gehalten hatten, haben sich inzwischen Penzlin anvertraut.

Die Zukunft von Prokon

Ist die Insolvenzanmeldung das Ende von Prokon?

Nein, nicht zwangsläufig. Mit dem Gang zum Gericht ist zunächst das vorläufige Insolvenzverfahren angelaufen. Das Gericht bestellt einen vorläufigen Insolvenzverwalter, dessen Aufgabe es ist, das Unternehmen zu sanieren. So soll das für die Gläubiger beste Ergebnis erzielt werden. Im Fall des Fernsehherstellers Loewe konnte beispielsweise ein neuer Investor gefunden werden, der Teile des Unternehmens weiterführt. Für die Mitarbeiter setzt sich der Insolvenzverwalter für das staatlich gezahlte Insolvenzgeld ein. Damit könnte Prokon für drei Monate die Gehälter aus Staatsmitteln auszahlen. Der Betrieb geht zunächst erst einmal weiter. Erst später wird gerichtlich entschieden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Ist mein investiertes Geld verloren?

Nicht unbedingt. Prokon gibt zwar an, zahlungsunfähig zu sein, besitzt aber mit den Windparks auch große Sachwerte, die nun im vorläufigen Insolvenzverfahren verkauft werden könnten. Wie viel Geld die Genussrechteinhaber am Ende erwarten können, ist jedoch völlig unklar. Bedeutsam ist dabei, dass Genussrechte nur nachrangig gegenüber anderen Forderungen sind. Das heißt: Bevor die Inhaber von Genussrechten aus der Insolvenzmasse ausgezahlt werden, müssen andere Forderungen wie ausstehende Mitarbeitergehälter oder Mietzahlungen abgegolten sein.

Ich habe meine Genussrechte behalten. Was muss ich tun?

Durch die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens bleibt Anlegern zunächst nur eins: abwarten. Vorerst brauchen sie ihre Forderungen noch nicht anzumelden. Dies wäre unwirksam. Erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Forderungen angemeldet werden. Der Insolvenzverwalter hat angekündigt, die Genussrechteinhaber über das weitere Vorgehen zu informieren. Eine Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt dürfte keine Auswirkungen mehr haben.

Ich habe meine Genussrechte schon gekündigt. Bekomme ich mein Geld?

Das Unternehmen wird auch die gekündigten Genussrechte zunächst nicht auszahlen. Laut Prokon werden diese gleichrangig zu den nicht gekündigten Genussrechten im Falle der Insolvenz behandelt. Somit werden die Anleger nicht früher aus der Insolvenzmasse bedient, nur weil sie gekündigt haben. Verbraucherschützer sehen dies genauso.

Kann ich mich juristisch wehren?

Mahnbescheide oder eine per Klage erwirkte Zwangsvollstreckung sind fast aussichtslos. Der Insolvenzverwalter hat das Recht, solche Zwangsvollstreckungen größtenteils zu untersagen. Eine Möglichkeit, sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, ist eine Klage zur Beseitigung des Nachrangs der Genussrechte. Im Erfolgsfall würde der Kläger vor den anderen Genussrechteinhabern und gleichrangig mit anderen Gläubigern entschädigt. Die Erfolgsaussichten sind laut Verbraucherschützern aber unsicher. Bei einer Niederlage müsste der Kläger dann auch noch Anwalts- und Gerichtskosten tragen.

Wann kann ich damit rechnen, mein Geld zurück zu bekommen?

Durch das vorläufige Insolvenzverfahren genießt das insolvente Unternehmen besonderen rechtlichen Schutz. Sollte es zum eigentlichen Insolvenzverfahren kommen, kann dieses Jahre dauern. Bis die Gläubiger Geld sehen, müssen sie also wahrscheinlich lange warten.

Kann ich Prokon mit mehr Geld helfen?

Nein, der Insolvenzverwalter hat klar gemacht, dass derzeit keine neuen Genussrechte gezeichnet werden können. Er bat darum, keine Zahlungen mehr auf Prokon-Konten vorzunehmen.

Bekomme ich weiterhin Strom von Prokon?

Die Stromkunden haben wenig zu befürchten. Der Insolvenzverwalter hat mitgeteilt, dass der Geschäftsbetrieb von Prokon vollständig fortgeführt wird. Zudem würden Kunden in die sogenannte Ersatzversorgung fallen, wenn Prokon keinen Strom mehr liefern könnte. Dann würde der örtliche Stromerzeuger die Versorgung übernehmen. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, könnten Kunden dann zu viel gezahlte Monatsabschläge anmelden und würden aus der Insolvenzmasse, soweit möglich, entschädigt.

Was macht ein vorläufiger Insolvenzverwalter?

Stellt ein Unternehmen Insolvenzantrag, übernimmt wie im Fall von Prokon meistens ein vorläufiger Insolvenzverwalter das Ruder. Die Geschäftsführung wird entmachtet. Während dieses „vorläufigen Insolvenzverfahrens“, also dem Zeitraum zwischen Antrag auf Insolvenz und Insolvenzeröffnung, wird von einem vom Gericht bestimmten Sachverständigen geprüft, ob tatsächlich ein Insolvenzgrund vorliegt. Dieser Experte ist oft zugleich der vorläufige Insolvenzverwalter. Er muss laut Insolvenzordnung prüfen, ob Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegt.

Was bedeutet Eigenverwaltung?

Das Insolvenzverfahren kann aber auch in Eigenverwaltung ablaufen. Die Geschäftsführung bleibt dann im Amt, der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur als beratender Sachwalter auf. Unter dessen Aufsicht kann die Geschäftsführung einen Sanierungsplan ausarbeiten. Ist die Sanierung nicht erfolgreich, wird das Insolvenzverfahren nach den üblichen Regeln fortgesetzt.

Was ist ein Schutzschirmverfahren?

Seit März 2012 ist auch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren möglich. Dabei wird die Eigenverwaltung mit einem Vollstreckungsstopp kombiniert: Gläubiger können ihre Forderungen an das insolvente Unternehmen maximal drei Monate lang nicht durchsetzen.


Rodbertus wirft Penzlin in dem Brief „unzulässige und unwahre Diskreditierung“ vor. So stütze sich der Verwalter lediglich auf Indizien, etwa auch bei dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Für die Version Penzlins dürfte aber sprechen, dass inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Lübeck wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und anderer möglicher Wirtschaftsdelikte gegen Rodbertus ermittelt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.07.2014, 14:26 Uhr

So oder So ist das Geld der Anleger weg. Die Erneuerbare Energie Mafia hat ihr Geschäftmodell der Abzock auf den Rücken der Bevölkerung (Investoren) aufgebaut.
Energiewende/EEG = Armut und Mangel!
Carsten Rodbertus ist und bleibt eine Person die per EEG und dieser grünen-ethischen Energiewende die Menschen abzockt.

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