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17.01.2014

16:41 Uhr

Windkraftfinanzierer

Prokon entschuldigt sich bei Anlegern

Die Windkraft-Firma Prokon entschuldigt sich für die Androhung der eigenen Insolvenz. Das Unternehmen kämpft gegen ein Finanzierungsloch, da viele Anleger ihr Geld abziehen. Der Chef will alles nicht so gemeint haben.

Anleger verlieren Vertrauen in Prokon

Video: Anleger verlieren Vertrauen in Prokon

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ItzehoeDie von Insolvenz bedrohte Windanlagen-Firma Prokon hat sich bei ihren Anlegern entschuldigt und erstmals eigene Fehler eingeräumt. „Wir bitten Sie ausdrücklich um Entschuldigung, wenn Sie sich durch unser Schreiben vom 10.01.2014 angegriffen oder gar bedroht gefühlt haben sollten“, heißt es in einem Schreiben des Geschäftsführenden Gesellschafters Carsten Rodbertus, das auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hatte am Vortag wegen dieses Schreibens eine einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt. Zudem teilte Prokon mit, die gekündigten Genussrechte seien möglicherweise nicht als fällige Forderungen gegen Prokon zu bewerten. Dann läge auch keine Insolvenz vor.

Prokon in Zahlen

Rahmendaten

Gegründet 20. Oktober 1995, beschäftigt Prokon 1306 Mitarbeiter (Stand: Oktober 2013). Zum Portfolio gehören 314 Windparks.

Genussrechtinhaber

75.115

Genussrechtkapital

Knapp 1,4 Milliarden Euro

Gezahlte Zinsen

300,4 Millionen Euro (per 31. Oktober 2013).

Verlust

209,9 Mio. Euro (per 31. Oktober 2013)

„Wir sind selbst zutiefst betroffen darüber, dass es zur jetzigen Situation gekommen ist“, schreibt Prokon weiter in einer Stellungnahme, die bereits am Donnerstagabend veröffentlicht wurde. „Wir können sehr gut verstehen, dass Sie ebenso wie viele andere Genussrechtsinhaber um Ihr Kapital fürchten und deshalb durch eine Kündigung oder sogar durch eine Klage versuchen möchten, so schnell wie möglich Ihre Genussrechte zurückgezahlt zu bekommen, bevor 'nichts mehr da ist'.“

Anlegeranwälte kritisieren den erneuten Vorstoß scharf. „Die Entschuldigung der Prokon-Unternehmensleitung bei den Anlegern ist ein weiterer Versuch, Anleger von ihrer Kündigung abzubringen, nach dem der erste Vorstoß von vielen Genussrechtsinhabern als  Erpressung empfunden wurde“, kommentiert Professor Julius Reiter, Gründungspartner der Kanzlei Baum Reiter & Collegen. „Es wirkt wie ein verzweifelter Versuch, der die bevorstehende Insolvenz nicht mehr verhindern dürfte“.

„Auf die Genussrechtsinhaber muss die Entschuldigung wie blanker Hohn wirken“, sagt Klaus Nieding, Inhaber der gleichnamigen Kanzlei. „Zunächst werden Sie angeschrieben und sollen sich zwischen Pest und Cholera entscheiden und nun rudert die Gesellschaft, zweifellos in Folge der von der Verbraucherschutzzentrale angestoßenen einstweiligen Verfügung, zurück". Die Entschuldigung wirke wie ein letzter Versuch den Anlegern das Gefühl zu geben das man sie wertschätzt. „Dies stellt eine 180 Grad Wende in der Kommunikation mit den Anlegern dar und keiner weiß, was er davon halten soll“, sagt Nieding. .„Die Transparenzlage nicht verändert, Prokon geht jetzt nur auf Kuschelkurs“.

Laut Prokon-Darstellung kann das Unternehmen in der jetzigen Situation aber keinerlei Rückzahlungen oder Zinsauszahlungen vornehmen. Getätigte Auszahlungen könnten und würden in einem Insolvenzverfahren vom Insolvenzverwalter gegebenenfalls ohnehin zurückgefordert werden, heißt es weiter.

Zudem würden in einem möglichen Insolvenzverfahren gekündigte und nicht gekündigte Genussrechte gleichrangig behandelt. Mit einer Insolvenz bestehe darüber hinaus die reale Gefahr, dass Sachwerte unter Wert verkauft werden müssten und es dadurch zu Verlusten für alle Genussrechtsinhaber kommt.

Wenn Anleger jetzt auf eine Kündigung verzichteten oder eine bereits ausgesprochene Kündigung zurücknehmen würden, entstehe diesen Investoren somit keinerlei Nachteil im Rangverhältnis gegenüber anderen Anlegern, stellt Prokon fest.

„Die Prokon-Führung versäumt es erneut in verantwortungsloser Form, Transparenz zu schaffen und Antworten auf die offenen Fragen zu geben“, sagt Reiter. Die Anleger könnten nach wie vor nicht beurteilen, wie werthaltig die Investitionen tatsächlich seien und auf welcher Basis eine Fortführung der Anlage lohne.  „Nicht einmal bei den von Prokon angegebenen Umsatzerlösen herrscht die erforderliche Klarheit, um eine so weitreichende Entscheidung als Anleger treffen zu können“, sagt Reiter. „Zurzeit bleibt die Unternehmensgruppe in großen Teilen eine Blackbox.“

Kommentare (15)

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HansMeizer

17.01.2014, 11:51 Uhr

also entweder wird das thema allgemein extrem aufgebauscht oder es ist nur ein weiterer verschwörerischer versuch der allianz aus grün-industriellem-komplex und linken gutmenschentum, um die weltwirtschaft in den abgrund zu reissen.

Warum so nüchtern handelsblatt, warum versucht ihr euren lesern vorzuenthalten das hinter der ganzen sache vermutlich ein okkultes klimatologenkabal steckt?
Andere blätter verpassen nicht die gelegenheit ihre leser auf allerlei weithergeholte zusammenhänge hin zu weisen :)

DerMedienstrich

17.01.2014, 12:03 Uhr

Mal davon abgesehen, dass Prokon ein miserables Finanzmanagement an den Tag gelegt hat, also insb. langfristige Investitionen mit kurzfristigen Mitteln zu finanzieren, muss aber auch sagen, dass die geballte Hetze der Medien es für die Anleger nicht besser macht. Die nervöseren Anleger verlieren zu erst die Nerven und kündigen Ihre Einlage, was faktisch überhaupt nichts bringt, sondern einzig und allein nur die Insolvenzgefahr erhöht. Wie gesagt, bei Prokon scheint eine gute Finanzplanung nicht im Vordergrund gestanden zu haben, aber die Medien handeln dagegen definitiv vorsätzlich - auch in dem Wissen - dass die aggressive Hetze gegen Prokon zur jetzigen Zeit allen Beteiligten nur noch größeren Schaden zufügt, Prokon selbst und vor allem seinen Geldgebern.

FrankC

17.01.2014, 12:36 Uhr

Wie hat Frau Merkel 2008 gesagt, "die Spareinlagen sind sicher".
Da hatten sich die Bankster, auch aus den Regierungsparteien verspekuliert und vorher masslos bedient. Es standen keine Werte mehr dahinter. Die Bafin ein hilfsloser Beamtenapparat. Der deutsche Staat hat allein 100 millarden € für die, auch politisch verantwortliche, Bankenrrettung allein in D ausgegeben, sonst wäre das Geldsystem in D schon damals zusammengebrochen!
Nun zu Prokon, hinter Prokon stehen Werte im Gegensatz zur Bankenkrise in D 2008.
Prokon hat ein schlechtes Geldmanagment das mag sei. Was aber die heute politisch willfährigen Medien incl. Staatsfernsehen veranstalten ist nur noch als abenteuerlich zu benennen.
Diese Medien belügen, betrügen, lassen weg, in ihren Aussagen ungeniert. Es werden Menschen, Firmen aber auch nicht ins politische Gedankengut passende Staaten fertig gemacht.
Das ganze erinnert mich mittlerweile an eine Zeit (1930) im Vergangenen Jahrhundert!!
Wann werden endlich diese "Zündler" zur Rechenschaft gezogen? Sie schaden Deutschland und seinen Bürgern.

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