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16.06.2014

15:06 Uhr

Wölbern-Strafprozess

Der lange Weg in die Katastrophe

VonGertrud Hussla

Im Strafprozess gegen den früheren Wölbern-Geschäftsführer werden neue Vorwürfe laut: Entnahmen aus den Fonds der Anleger könnten 2011 die letzte Rettung für das Fondshaus gewesen sein.

Heinrich Maria Schulte, ehemaliger Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Wölbern Invest, steht vor Gericht. dpa

Heinrich Maria Schulte, ehemaliger Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Wölbern Invest, steht vor Gericht.

DüsseldorfDas insolvente Fondshaus Wölbern Invest könnte schon ab dem Jahr 2009 in große Schwierigkeiten geraten sein. Die letzte Rettung schien 2011 ein Cashpool zu sein, der es dem Fondsmanagement erlaubte, sich an den Rücklagen der einzelnen Fonds zu bedienen. So jedenfalls schilderte es ein Zeuge, der am Freitag im Strafprozess (Az.: 630/Kls 1/14) gegen den früheren Geschäftsführer des Fondshauses, Heinrich Maria Schulte, fünf Stunden lang Rede und Antwort stand.

Der 58-jährige Lambert Adams war seit 2009 in leitender Position für die Finanzierung der Fonds zuständig. Er gab vor Gericht tiefe Einblicke in das Geschäft und die finanziellen Engpässe der Wölbern Invest. 2011 sollte Adams nach eigenen Angaben die Gründung des Cashpools mitgestalten, die Fonds sollten ihre Rücklagen in einen gemeinsamen Topf werfen.

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

Der Cashpool sollte es erlauben, dass die Fonds sich gegenseitig aus ihren Reserven Geld leihen konnten – später wurde er in „Liquiditätsmanagement“ umgetauft. Dagegen hätten Adams und andere Mitarbeiter schwere rechtliche Bedenken gehabt. Als Adams seine Bedenken gegen das System äußerte, sei er danach im Unternehmen kaltgestellt worden.

Schon 2009 gab es laut Lambert für Wölbern Invest ein Sanierungsgutachten, da das Emissionshaus damals immer größere Schwierigkeiten hatte, Anleger für neu aufgelegte Fonds zu finden. Das Fondshaus musste das fehlende Eigenkapital in zweistelliger Millionenhöhe selbst vorhalten. Diese Summen habe das Fondshaus damals gar nicht gehabt, so Adams.

Die größten Wölbern-Fonds im Überblick.

Die größten Wölbern-Fonds im Überblick.

Das Zahlenwerk von Wölbern Invest mochten Wirtschaftsprüfer ab 2008 nicht mehr testieren. Wölbern Invest habe sich dann 2009 von der Rechtsform einer AG in eine KG verwandelt, weil hier die Veröffentlichungspflichten weniger streng gewesen seien, so der Zeuge. Dafür haftete Schulte nun mit seinem persönlichen Vermögen. Das würde auch erklären, warum eine Villa von Schulte an der Hamburger Elbchaussee im Jahr 2011 kurz vor der Zwangsversteigerung stand. Das Handelsblatt hat darüber berichtet.

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