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26.06.2013

14:29 Uhr

Zahlungssystem

„Bei Sepa ist es kurz vor zwölf“

VonIngo Schenk

In gut sieben Monaten wird das europäische Zahlungssystem auf Sepa umgestellt. Warum Jonathan Williams von Experian, einem Anbieter weltweiter Informationsdienstleistungen, Unternehmen schon jetzt zur Eile rät.

Jonathan Williams von Experian.

Jonathan Williams von Experian.

Mit der Einführung der Single European Payments Area (Sepa) tritt eine einheitliche Zahlungsabwicklung innerhalb der Euro-Zone in Kraft. Sie warnen vor finanziellen Strafen, die durch verspätete oder verzögerte Zahlungen entstehen. Was genau droht den Unternehmen?
Die Strafen für die Nichteinhaltung der neuen Gesetzgebung werden auf Länderebene festgelegt. Auch wenn Unternehmen nachweisen können, dass sie konkrete Pläne in der Schublade haben und nur hinter ihrem Zeitplan zurückliegen, drohen saftige Geldstrafen! Unternehmen, die die Einführung von SEPA verzögern, weil sie damit rechnen, dass es zwangsläufig scheitern wird, müssen ebenfalls bei Nichteinhaltung der Frist mit erheblichen Strafen rechnen.

Welche anderen Geschäftsrisiken drohen durch verspätete Zahlungen?
Die Auswirkungen von verspäteten Zahlungen auf die betrieblichen Prozesse sind noch beunruhigender. Denn ein nicht reibungslos funktionierender Zahlungsverkehr beeinträchtigt alle Geschäftsprozesse. Und genau dieser Aspekt ist besonders besorgniserregend, denn er betrifft nicht nur das Unternehmen, das mit der Sepa-Einführung im Rückstand ist. Verzögerte Zahlungen haben sowohl einen negativen Einfluss auf Lieferanten und Kunden als auch Mitarbeiter …

Sepa-Checkliste

Vorbereitungen für die Umstellung

Das Forschungsinstitut Ibi veröffentlicht auf der Internetseite www.sepa-wissen.de eine Checkliste zur Sepa-Einführung. Folgendes sollte nach Ansicht der Forscher erledigt werden.

Sepa-Verantwortlicher

Unternehmen sollten einen Sepa-Verantwortlichen als Ansprechpartner für alle Fragen benennen.

Auslandskonten

Sind die bestehenden Konten bei ausländischen Banken auf längere Sicht noch notwendig? Unternehmen sollten prüfen, ob die Konten nach der Sepa-Umstellung noch gebraucht werden.

Meldepflicht

Trotz Sepa gibt es gemäß der Außenwirtschaftsverordnung weiterhin eine Meldepflicht für grenzüberschreitende ein- und ausgehende Zahlungen.

IT-Systeme prüfen

Unternehmen sollten prüfen, ob ihre IT-Systeme die neuen XML-Formate verarbeiten können, die etwa bei der elektronischen Rechnungsabwicklung gebraucht werden.

Tests

Mit dem Zahlungsdienstleister sollten umfangreiche technische Tests durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass bei den Lastschriften alles glatt läuft.

Unterstützung

Wie können der Software-Lieferant oder die Bank die Sepa-Einführung unterstützen? Das sollten Unternehmen in Erfahrung bringen.

Datenvolumen

Die neuen Sepa-Formate erzeugen deutlich mehr Daten, darauf müssen die IT-Systeme vorbereitet werden.

Verwendungszweck

Der Verwendungszweck hat nur noch 140 statt 378 Stellen. Zudem dürfen mindestens bis zum 4. November 2013 keine Umlaute verwendet werden.

Aber es werden am 1. Februar 2014 wohl kaum automatisch alle Systeme aufhören zu arbeiten, nur weil die Umstellung noch nicht abgeschlossen ist?
Vielleicht nicht – aber Banken können Zahlungen verweigern, die nicht im vorgeschriebenen Format sind. Dies kann gerade für Mitarbeiter verheerende Folgen haben: Denn werden sie nicht pünktlich bezahlt, können sie selbst ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

Ähnlich wäre es bei Partner-Unternehmen?
Auch sie sind schnell enttäuscht, wenn Zahlungen nicht getätigt oder Zahlungseingänge verzögert werden. Denn dann wird der Cash-Flow ernsthaft beeinträchtigt. Hat der Partner bereits erfolgreich auf die Sepa-Anforderungen umgestellt, kann er selbst nichts dafür, wenn sein operatives Geschäft beeinträchtigt wird. Je nach Rolle des Partners, kann die gesamte Lieferkette gestört werden, so dass es unmöglich wird, Kunden mit Dienstleistungen oder Waren zu beliefern.

Kommentare (14)

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Mittelstaendler

26.06.2013, 15:16 Uhr

SEPA ist mal wieder ein Beispiel dafür, daß die Politik Umstellungen völlig an der Praxis vorbei zuläßt. Für eine Umstellung der gesamten Wirtschaft bis hin zu kleinen Unternehmen und Vereinen etc... braucht es länger als 12-18 Monate. Erst im August letzten Jahres war endgültig klar, was die Fakten sind. Das ist bezogen auf den 1.2.14 deutlich zu wenig Zeit.
Ob SEPA irgendeinen volkswirtschaftlichen Nutzen hat, lasse ich mal unkommentiert.

hermann.12

26.06.2013, 15:56 Uhr

Das Sepa Verfahren ist eine Alptraum von Inkompetenz, der den bürokratischen Aufwand einer Überweisung vervielfacht.
Und das weitgehend nur deshalb, weil die Rechtsprechung die Verbraucher aus ihrer Verantwortung entlässt, wenn sie grundlegende Verhaltensregeln missachten und vor Gericht ziehen. Das zwingt zu immer neuen Formularen um nicht für die Gleichgültigkeit und Dummheit vieler haften zu müssen. Außer den Juristen gewinnt am Ende niemand etwas, im Gegenteil nimmt die Wirtschaftlichkeit der Bundesrepublik insgesamt immer weiter ab. Und das nur, weil zu viele glauben, das solcherlei Arbeitsbeschaffungsmassnahmen oder rücksichtnahmen gegenüber schlampigen und Ignorsnten Bürgern sozial wären.
So kann man jedenfalls das Leistungsniveau einer Gesellschaft auch ruinieren, da sind wir wie mit allem ziemlich gründlich.

H.

KarlNapf

26.06.2013, 16:38 Uhr

SEPA - mit Vollgas in die Insolvenz

Jeder, der in der Vergangenheit sich schon einmal mit Migrationen und deren Auswirkungen auf Geschäftsprozesse beschäftigt hat wird feststellen, dass das Umstellen von DTAUS auf XML aufgrund der Kürze der Zeit nicht erfolgreich umgesetzt werde kann. Sicherlich werden Unternehmen, die den Umstellungsprozess frühzeitig gestartet haben, rechtzeitig fertig. Anhand der Statistik der Bundesbank wird das jedoch nur ein Bruchteil der Unternehmen sein. Und was passiert mit den Unternehmen, die die Umstellung verschlafen haben?

Die reinen „Überweiser“ werden durch „Fall-Back-Lösungen“ der Banken oder Dienstleister zu höheren Kosten einen Konvertierungsservice in Anspruch nehmen. Richtig interessant wird es für die Lastschrifteinreicher. Unternehmen, die größtenteils ihrer Liquidität über Lastschriften generieren, werden in eine schwere finanzielle Schieflage geraten, bis hin zur Insolvenz.

Daher ist die Politik, die Verbände und nicht zuletzt auch die Banken gefordert, nicht nur grundsätzliches Blabla in Form von bunten Broschüren und pdf-Dokument zur Verfügung zu stellen, sondern aktiv die Unternehmen zu unterstützen. Insbesondere die Banken werden die Leidtragenden sein, denn wenn ihre Kunden pleitegehen, dann dürfen Sie den Scherbenhaufen auch in ihren Abteilungen Kreditbetreuung, Beitreibung zusammenkehren.

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