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29.01.2014

13:32 Uhr

Zahlungssystem

Die Folgen des Sepa-Aufschubs

VonKatharina Schneider, Dörte Jochims

Die Warnungen vor Zahlungsunfähigkeit oder gar Pleiten waren erschreckend. Nun wurde der Stichtag für die Sepa-Umstellung verschoben. Damit der Aufschub klappt, sollten Unternehmen mit ihrer Bank sprechen.

SEPA-Aufschub belastet Musterknaben

Video: SEPA-Aufschub belastet Musterknaben

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DüsseldorfDer erste Februar 2014 - seit Jahren haben Unternehmen diesem Datum sorgenvoll entgegengesehen. Nun wird die endgültige Umstellung auf das einheitliche europäische Zahlungssystem Sepa (Single Euro Payments Area) noch einmal verschoben. Unternehmen und Vereine sollen die nationalen Überweisungs- und Lastschriftverfahren bis Ende Juli nutzen dürfen. Der Jubel bleibt trotzdem aus. Denn um die Details des Aufschubs herrscht noch Verwirrung.

Trotz der Warnungen von Banken und Zentralbanken, insgeheim hatten viele Unternehmen wohl lange darauf gehofft, dass Sepa niemals vollständig umgesetzt wird. Viele haben erst in letzter Minute mit der Umstellung ihrer IT-Systeme begonnen und lieber weiter das alte Zahlungssystem genutzt. Dabei ist die neue 22-stellige Kontonummer für sie das geringste Problem. Kompliziert wird es bei der neuen Lastschrift.

Überraschend schlug die EU-Kommission im Januar vor, dass Firmen und Vereine mehr Zeit für die Umstellung auf das neue Zahlungssystem bekommen sollen. Die Frist solle um ein halbes Jahr bis zum 1. August verlängert werden. Jetzt stimmte auch der EU-Ministerrat zu. Der Aufschub ist beschlossene Sache, denn auch das Europaparlament hat seine Zustimmung bereits jetzt für eine Sitzung im Februar signalisiert. Die Regelung solle dann rückwirkend gelten. Ein Zurück vom Zurück ist demnach sehr unwahrscheinlich.

 

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

„Ich bedauere das, aber diese Maßnahme ist erforderlich, um mögliche Risiken einer Störung des Zahlungsverkehrs zu verhindern, die besonders für Verbraucher und kleine und mittelgroße Unternehmen Folgen haben könnten“, sagte Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Zu viele Firmen hätten ihre Systeme bisher noch nicht auf das EU-weite Verfahren umgestellt.

Banken und Unternehmen in Deutschland  zeigten sich jedoch verwundert über den Vorstoß aus Brüssel. Zwar hätte auch in Deutschland bis zum 1. Februar noch einiges getan werden müssen, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. „Trotzdem waren wir zuversichtlich, dass das gesteckte Ziel erreicht werden kann.“ Die deutschen Geldhäuser seien bereits seit Jahren vorbereitet, erklärte der Dachverband Deutsche Kreditwirtschaft.

Kommentare (3)

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Separat

29.01.2014, 13:47 Uhr

Ich muss schon die Qualität beim Handelsblatt in Frage stellen, Informationen werden seit Wochen nicht korrekt wieder gegeben:
Zu den Fakten: Das Gesetz tritt planmäßig zum 01.01.2014 in Kraft, das stand auch nie zur Debatte!
Mit den Beschlüssen der EU wurde den Banken lediglich die MÖGLICHKEIT angeboten, die Übergangsfrist für Firmenkunden zu verlängern. Das heißt ganz konkret: Keine Bank ist dazu verpflichtet, dies ihren Kunden die Dienste auch bis 31.07.2014 anzubieten. Liebes Handelsblatt, bitte gebt das so weiter! Die BaFin hat ihrerseits angekündigt auf Sanktionen zu verzichtetn, sollte eine Bank GEGEN DAS GELTENDE GESETZ verstoßen und ihren Kunden die Dienste bis August offen zu halten.
Lediglich der sofortige Tot des Abbuchungsverfahrens ist richtig wieder gegeben, dieses Verfahren wird zum 31.01.2013 letztmalig ausgeführt.

Für Privatkunden ändert sich sowieso nichts, da diese bis 2016 von der Übergangsfrist profitieren!

smithie653307034@arcor.de

29.01.2014, 19:01 Uhr

Ich hätte gesagt: Termin 01.02. Friss oder Stirb. Wer das nicht auf die Reihe bekommt - da seit Monaten groß angekündigt - der sollte sich überlegen einen Betreuer zu nehmen oder nur Barzahlung anbieten. Im Tierreich wurde geforscht und herausgefunden, dass selbst Menschenaffen sich 10 Zahlen merken können. Warum können Durchschnittsbürger sich sowas nicht merken ?

RumpelstilzchenA

30.01.2014, 09:29 Uhr

Nun wird doch politisch ALLES für die Arbeitgeberklasse getan und da versagt diese Klasse auf der ganzen Linie!

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