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30.01.2014

10:10 Uhr

Zahlungssystem

Firmen faulenzen wieder bei Sepa

VonKatharina Schneider

ExklusivDas monatelange Warnen und Drängen hat endlich gefruchtet: Ein Großteil der Unternehmen ist fit für Sepa. Doch die verschobene Frist lädt viele Nachzügler zum Bummeln ein. Das kann gefährlich werden.

Bei der Sepa-Umstellung sollten Unternehmen jetzt nicht auf die Bremse treten. dpa

Bei der Sepa-Umstellung sollten Unternehmen jetzt nicht auf die Bremse treten.

DüsseldorfZugegeben, der Spaßfaktor ist bei der Umstellung auf das einheitliche Sepa-Zahlungssystem (Single Euro Payments Area) ziemlich gering. Und der langfristige Nutzen ist nur wenigen bewusst. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen die Kosten und den Zeiteinsatz lange vor sich hergeschoben haben. Am Ende scheinen die Warnungen vor Liquiditätsengpässen aber doch gewirkt zu haben. Laut einer Studie der Postbank wären am 1. Februar 93 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen fit für Sepa gewesen.

„Wären“? Ja, sie hätten sich beeilt, doch dann wurden sie von der EU-Kommission mit einem Aufschub überrascht. Die Übergangsfrist von den nationalen Zahlungssystemen hin zur einheitlichen Sepa-Überweisung und -Lastschrift wird um sechs Monate verlängert. Erst am 1. August 2014 verlieren die alten Systeme ihre Gültigkeit. Noch muss zwar das Europäische Parlament dem Aufschub zustimmen, dies gilt jedoch als sicher.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

Beinahe jedes sechste Unternehmen (16 Prozent) will deshalb den Umstellungsprozess verlangsamen oder gar stoppen – so das Ergebnis einer Postbank-Studie, für die zwischen dem 17. und 23. Januar 415 kleine und mittlere Unternehmen in einer Online-Umfrage befragt wurden. Von solchen Verzögerungen rät die Bundesbank jedoch entschieden ab. Unternehmen, Vereine und öffentliche Verwaltungen sollten zügig umstellen.

„Der Übergangszeitraum bis August ist nur für diejenigen gedacht, die ihre Umstellung bis zum 1. Februar 2014 unter keinen Umständen schaffen. Sepa kommt definitiv“, so ein Bundesbank-Sprecher gegenüber Handelsblatt Online.

Zahlungssystem: Die Folgen des Sepa-Aufschubs

Zahlungssystem

Die Folgen des Sepa-Aufschubs

Die Warnungen vor Zahlungsunfähigkeit oder gar Pleiten waren erschreckend. Nun wurde der Stichtag für die Sepa-Umstellung verschoben. Damit der Aufschub klappt, sollten Unternehmen mit ihrer Bank sprechen.

In der Studie gaben 60 Prozent der befragten Firmen an, den Aufwand der Umstellung unterschätzt zu haben. Jede fünfte Firma (22 Prozent) beklagt fehlende Informationen und 16 Prozent mangelnde eigene Personalkapazitäten. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen größeren und kleineren Unternehmen: So nehmen mit steigender Unternehmensgröße auch die Schwierigkeiten zu. Zudem gaben mehr große Firmen an, dass die Umstellung sehr kostenintensiv sei. Umgekehrt beklagten sich mehr kleine Firmen über fehlende Informationen.

Kommentare (4)

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G4G

30.01.2014, 10:24 Uhr

SEPA ist ein unkalkulierbares Sicherheitsleck:
Stimmt auch nur ein Komma nicht mit den Regularien, kann jede Lastsschrift 3 Jahre storniert werden (Privatkundenschutz nennt man das).
Zudem kann jeder Gauner im neuen EU-Ostblock ein SEPA-Mandat fälschen und mit einer Firmen-SEPA-Lastschrift deutsche Unternehmen mit einem Mausklick in den Ruin treiben. (Die Belastung kann nicht mehr auf dem Bankenweg storniert werden. Man muss dann in Rumänien klagen)
Zudem legt SEPA ein Netz an Informationen an, die den Geheimdiensten dieser Welt Tür und Tor für neue Wirtschaftsspionage in Deutschland öffnet.
SEPA-Verweigerer sind also nicht SEPA-faul.
SEPA muss radikal geändert oder abgeschafft werden.

Benedetto

30.01.2014, 11:13 Uhr

@G4G
naja Fehlinformationen sind auch Informationen ^^

Bevor eine Sepa-Lastschrift bei einer Firma belastet wird, muss das entsprechende Mandat der Bank vorliegen! Es wird von Seiten der Banken nicht einfach durchgebucht. Somit ist Ihr Argument falsch!!!

Bei Privatpersonen ist es so, dass das Mandat nicht vorliegen muss, aber jede 8 Wochen Zeit hat die Lastschrift zurück zu holen. Man sollte eben auch mal auf eine Kontoauszüge schauen.

SEPA wird definitiv kommen ob wir wollen oder nicht. Evtl. sollten diejenigen sich einmal mit der Materie beschäftigen und nicht immer einen Schuldigen suchen, für die eigene Unfähigkeit.

RFR

30.01.2014, 12:22 Uhr

Das stimmt nicht. Für Firmenlastschriften reicht aus, wenn das Mandant als Kopie oder Fax eingereicht wird. Dass ein Betrüger die Bankverbindung und eine Unterschrift findet, woraus er dann per Kopie ein gefälschtes, aber echt aussehendes SEPA-Mandant basteln kann, ist durchaus realitätsnah. Die nötigen Vorlagen liefern die meisten Geschäftsbriefe. Und dass da tatsächlich etwas im Busch ist, wissen alle die (meist kleineren) Betriebe, bei denen seit einigen Monaten ungewöhnlich viele Anfragen nach Angeboten oder Kostenvoranschlägen aus Rumänien und Bulgarien aber auch aus UK eingehen. Wer darauf antwortet, liefert mit hoher Wahrscheinlichkeit das von Betrügern benötigte "Material" für SEPA-Firmenlastschriften, die von den Banken auch unter Beachtung der erforderlichen Sorgfalt nicht als Fälschungen erkannt werden, so dass weder eine Rückbuchung möglich ist noch die Bank in Haftung zu nehmen sein wird.

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