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21.05.2013

14:08 Uhr

Zahlungsverkehr

Der Fluch des Bargelds

VonDana Heide, Katharina Schneider

Deutsche lieben Bargeld. Die Banken könnten auch ohne, denn sie kostet die Bargeldversorgung vor allem Geld. Kreditkartenanbieter setzen auf ihre Produkte. Händler stöhnen über Gebühren - alles über den „Schein-Kampf“.

Der neue Fünf-Euro-Schein verursacht noch Probleme. AFP

Der neue Fünf-Euro-Schein verursacht noch Probleme.

DüsseldorfAls Jens Neumann vergangene Woche im Supermarkt einen 5-Euro-Schein als Wechselgeld erhielt, stutzte er. Das sollte ein echter Schein sein? Die Kassiererin nickte, das knickfreie Exemplar war quasi direkt aus der Druckmaschine in die Kassenschublade geliefert worden.

Nur wenig später machte der 26-jährige Düsseldorfer schlechte Erfahrungen mit der Banknote: Der Zigarettenautomat vor der Haustür spuckte den Schein wieder aus. Auch 100 Meter weiter klappte es nicht. Und selbst an der Tankstelle nochmal 250 Meter weiter rümpfte der Kassierer zunächst die Nase.

Die Last mit dem Bargeld trifft viele Tausend Deutsche, die in diesen Tagen mit dem neuen Fünfer an Fahrkarten- oder Parkhausautomaten zahlen wollen. Das drückt die Umsätze vieler Automatenaufsteller, die wegen des frischen Scheins in ein Update für die Lesesoftware ihrer Geräte investieren müssen – denn manch einer hat die Umrüstung nicht rechtzeitig geschafft.

Kosten des Bargelds für den Einzelhandel

Wechselgeld

Die Bereitstellung von Wechselgeld im Einzelhandel umfasst mehrere Schritte: Anlieferung, Zentrale Prüfung/Lagerung und Auffüllen der Kassen

Dabei fallen Kosten an für den Geldtransport, das Zahlungsbüro und die Arbeitszeit zur Vorbereitung des Wechselgelds.

Zahlungsvorgang

Steht der Kunde an der Kasse, verursacht das Annehmen und Herausgeben von Bargeldkosten in Form von Arbeitszeit der Kassierer. Außerdem besteht die Gefahr, Falschgeld aufzusitzen und auch Wechselfehler können passieren.

Kassenleerung

Geschäfte müssen das Geld zählen, sicher lagern und für die Abholung vorbereiten. Dabei entstehen unter anderem Kosten für die nötigen Versicherungen.

Transport

Das eingenommene Bargeld wird per Geldtransport-Unternehmen zu einer Bank gebracht, die Gebühren für die Bearbeitung nimmt. Auch der Transport an sich verursacht natürlich Kosten.

Doch selbst wenn Bargeld problemlos an Automaten und Kassen angenommen wird, verursacht es hohe Kosten. Eine Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin, die am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde, zeigt, dass Händler und Dienstleister jährlich rund 6,7 Milliarden Euro ausgeben, um Bargeldzahlungen zu ermöglichen. Die wesentlichen Kostentreiber sind dabei die Personalkosten, die durch Mehrfachzählungen und das Vier-Augen-Prinzip zur Kontrolle der Bestände entstehen.

Hinzu kommen in diesen Tagen noch Kosten für die Automatenumstellung auf den neuen 5-Euro-Schein. Bei der Deutschen Bahn etwa hat einer der Automatenhersteller das Update für die neuen Scheine nicht mehr pünktlich zur Einführung der Banknoten installiert. Die Folge: Zum Start der neuen Scheine waren laut Deutscher Bahn „deutlich unter 1000“ der insgesamt 7000 Fahrkartenautomaten nicht umgerüstet – die Kunden konnten an diesen Automaten nicht mit ihren neuen Scheinen bezahlen.

Kommentare (67)

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Account gelöscht!

21.05.2013, 14:41 Uhr

Um die Überwachung zu komplettieren,wäre eine bargeldlose
Welt natürlich der Traum aller Schnüffler.
Um es mit Ray Manzarek zu sagen:
"Die Gegenwart ist doch schrecklich.Wir leben in genau dem
zynischen Alptraum,vor dem wir in den Sechzigern immer gewarnt haben."

mx1

21.05.2013, 14:42 Uhr

"Dadurch entgehen ihnen jährlich mehr als 1,3 Milliarden Euro Zinseinnahmen."

So ein Blödsinn. Man würde Zinsen bekommen, wenn das Geld auf entsprechenden Konten liegen würde. Da dieses Geld aber größtenteils auf Girokonten liegen würde, würde es da nichts geben, 0 Euro Zinsen.
Oder gibts eine Bank, die bei den jetzigen Zinssätzen Zinsen aufs Girokonto zahlt.

Es geht einzig und allein darum, die Kreditkartenfirmen reicher zu machen, um sonst nichts. Und es würden wieder Arbeitspätze vernichtet. Denn so muss jemand sich um das Geld kümmern, sonst nicht.

Solange man mit Bargeld bezahlt bekommt man auch ein Gefühl, wie schnell man Geld ausgibt. Fällt das weg, dann dürfte die Ver- und Überschuldungsquote deutlich ansteigen, weil die Leute das dann irgendwann nicht mehr im Griff haben.
Amerika läßt grüßen!

NurBaresIstWahres

21.05.2013, 14:48 Uhr

Nun ist es mir schon klar, warum die Bankenwirtschaft die Abschaffung des Bargeldes will (Schweden ist hier ein Präzedenzfall):
- Gelddruckmaschine für Banken über die Gebühren (The Winner is the Bank)
- Für die Privatperson eine unübersichtliche Ausgabenkontrolle, welche für mehr Konsum und zu mehr Schulden führt (The Winner is the Bank)
- Transparenz über das individuelle Konsumverhalten. Diese Informationen lassen sich gewinnbringend verkaufen. (The Winner is the Bank)
- Marketing und Werbestrategien der Wirtschaft lassen sich individuell gestalten. (The Winner is the Economy)
- Der Orwell'sche Überblick des Finanzamtes über die Ausgaben und Vermögensverhältnisse. (The Winner is the Government)
- Vermögensabgaben zugunsten der EU und der internationalen Bankenmafia lassen sich einfach "gestalten". (The Winner is the Bank and the Government)
- und letztendlich lassen sich EU Kritikern auf einfachste Weise die Lebensgrundlagen entziehen. (tbd. kommt noch)

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