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24.07.2014

09:13 Uhr

ZDF-Doku über Auskunfteien

Black Box Schufa

VonMarcel Reich

Auskunfteien wie die Schufa machen Fehler, unter denen Verbraucher leiden. Eine Fernseh-Reportage zeigt, welche Probleme ein falscher Schufa-Eintrag schafft und warum die Datenbasis anderer Anbieter dünn ist.

Geschäftsstelle der Schufa: Das ZDF bemängelt Datenqualität und Scores. dpa

Geschäftsstelle der Schufa: Das ZDF bemängelt Datenqualität und Scores.

Wer heutzutage ein Haus kaufen oder einfach nur einen Handy-Vertrag abschließen will, bekommt ohne eine saubere Schufa-Auskunft Probleme. Bei Krediten drohen höhere Zinsen, manche Verträge kommen erst gar nicht zustande. Doch wie verlässlich sind die gesammelten Daten der Auskunftei und ihrer Konkurrenten, und wie wirken sie sich auf das Leben der Betroffenen aus? In der Doku „Kredit oder Konkurs - Die fragwürdigen Methoden von Schufa & Co.“ machten die Kollegen von „ZDFzoom“ den Test.

Die Auskunfteien in Deutschland erhalten ihre Daten aus öffentlichen Registern – und von zahlenden Vertragspartnern. Doch nicht immer sind diese Informationen korrekt, geschweige denn vollständig. Das ist Schufa und Co. offenbar auch ziemlich egal, zumindest lassen es die Filmautoren so erscheinen. Auf Anfrage von „ZDFzoom“ verweist die Schufa darauf, dass sie laut Gesetz nicht zur Prüfung der an sie gemeldeten Daten verpflichtet seien, sondern die Banken und andere Vertragspartner, die die Daten übermitteln. Die Auskunfteien selbst führen nur Stichproben durch.

Wo die schlechtesten Schuldner Deutschlands leben

Platz 1

Die Schufa möchte mit dem Privatverschuldungsindex (PVI) die Gefahr einer Überschuldung darstellen. Je niedriger der Index desto besser. Basis für den Index sind verschiedene kreditrelevante Informationen, darunter etwa trotz Mahnung nicht gezahlte Rechnungen, Verbraucherinsolvenzen etc. Laut Schufa-Auswertung wohnen die schlechtesten Schuldner in Pirmasens.
Pirmasens, kreisfreie Stadt
PVI 2012: 2109 Punkte
PVI 2013: 2017 Punkte
PVI 2014: 1954 Punkte
Änderung 2013/14: - 3,12 Prozent

Platz 2

Wilhelmshaven, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1815 Punkte
PVI 2013: 1810 Punkte
PVI 2014: 1786 Punkte

Änderung 2013/14: - 1,33 Prozent

Platz 3

Bremerhaven, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1806 Punkte
PVI 2013: 1796 Punkte
PVI 2014: 1787 Punkte

Änderung 2013/14: - 0,50 Prozent

Platz 4

Mönchengladbach, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1774 Punkte
PVI 2013: 1747 Punkte
PVI 2014: 1738 Punkte

Änderung 2013/14: - 0,52 Prozent

Platz 5

Duisburg, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1715 Punkte
PVI 2013: 1719 Punkte
PVI 2014: 1716 Punkte

Änderung 2013/14: - 0,17 Prozent

Platz 6

Gelsenkirchen, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1715 Punkte
PVI 2013: 1709 Punkte
PVI 2014: 1717 Punkte

Änderung 2013/14: + 0,47 Prozent

Platz 7

Neumünster, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1708 Punkte
PVI 2013: 1692 Punkte
PVI 2014: 1658 Punkte

Änderung 2013/14: - 2,01 Prozent

Platz 8

Delmenhorst, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1676 Punkte
PVI 2013: 1665 Punkte
PVI 2014: 1650 Punkte

Änderung 2013/14: - 0,90 Prozent

Platz 9

Herne, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1630 Punkte
PVI 2013: 1637 Punkte
PVI 2014: 1657 Punkte

Änderung 2013/14: + 1,22 Prozent

Platz 10

Offenbach am Main, kreisfreie Stadt

PVI 2012: 1616 Punkte
PVI 2013: 1592 Punkte
PVI 2014: 1596 Punkte

Änderung 2013/14: - 0,25 Prozent

Die Schufa ist keine unabhängige Behörde, sondern ein gewinnorientiertes Unternehmen. Zu 87 Prozent gehört sie Banken und Sparkassen, 66,3 Millionen Deutsche sind mit einem sogenannten „Score“ erfasst: ein Prozentwert, der eine Prognose über die Zahlungsmoral aufstellt. Jeden Tag erteilt die Schufa 300.000 Auskünfte. Eine Studie des Bundesministeriums für Verbraucherschutz aus dem Jahr 2009 ergab jedoch, dass 45 Prozent des Schufa-Datensatzes entweder veraltet, unvollständig oder ganz falsch sein sollen.

Das falsche Bonitäts-Einstufungen sogar eine ganze Familie um Haus und Hof bringen kann, zeigt der Fall von Rüdiger B. Für seine Digitaldruckerei benötigte er dringend neue Maschinen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Doch der dafür nötige Kredit wurde ihm von einer Bank verwehrt – für B. nicht nachvollziehbar. Erst durch eigene Recherchen fand er heraus: Die Volksbank hatte es versäumt, eine Bürgschaft für einen Kredit seiner Frau aus dem Jahr 2006 aus den Daten der Schufa zu löschen. Obwohl der Kredit längst abbezahlt war, schlummerte der Eintrag sieben weitere Jahre munter vor sich hin.

Für B. hatte das verheerende Konsequenzen: seine Firma ging ohne die neuen Maschinen in Konkurs, sein Haus musste zwangsversteigert werden. Der vierfache Familienvater muss nun sogar darum kämpfen, für sich und seine Angehörigen eine Mietwohnung zu finden – die meisten Vermieter lehnen Bohn aufgrund seiner neuen Schufa-Einträge ab.

Kommentare (4)

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Herr Manfred Zimmer

24.07.2014, 09:46 Uhr

Wer Dritte schädigt haftet. So galt es wenigstens nach dem Gesetz. Aber was sagt ein Gesetz heute noch aus?

BGB
§ 823
Schadensersatzpflicht

(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

G. Nampf

24.07.2014, 10:27 Uhr

@ Manfred Zimmer:

"Aber was sagt ein Gesetz heute noch aus?"

Ganz einfach:

Gesetze gelten nur noch für Untertanen. Obrigkeit und Lobbyisten können machen, was sie wollen.

Herr Tom Beck

24.07.2014, 10:49 Uhr

mit der Schufa an sich kann man ja noch zu recht kommen, war ja mal die einzige Auskunft. Das lässt sich als Verbraucher noch prüfen und gegen Falscheinträge kann man vorgehen, der hier angesprochene getilgte Kredit, da könnte man mit entsprechenden Zahlungsbelegen arbeiten. Problematisch finde ich, dass es immer mehr Institutionen gibt die irgendeinen Wert herausgeben, dass lässt sich doch als Verbraucher nicht mehr alles prüfen und nachvollziehen geschweige denn, Fehleinstufungen korrigieren. Da versagt der Verbraucherschutz total.

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