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21.01.2014

13:29 Uhr

Zukunft ungewiss

Erklärungsfrist für Prokon-Anleger abgelaufen, Behörden ermitteln

Die Erklärungsfrist für Anleger des insolvenzbedrohten Windparkfinanzierers Prokon ist abgelaufen. Das verbleibende Genussrechtkapital reicht nicht, um die Insolvenz abzuwenden. Nun ermitteln die Behörden.

Prokon beschäftigt insgesamt 1300 Mitarbeiter und ist ein wichtiger Finanzier von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie. dpa

Prokon beschäftigt insgesamt 1300 Mitarbeiter und ist ein wichtiger Finanzier von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie.

ItzehoeDer in Schieflage geratene Windkraftbetreiber Prokon hat sich bei seinen Anlegern deutlich weniger Kapital gesichert als angepeilt. Ob damit das Unternehmen in die Insolvenz schlittert, wie Geschäftsführer Carsten Rodbertus angekündigt hatte, ist aber noch offen. Statt 95 Prozent des Genussrechtskapitals von 1,4 Milliarden Euro lagen bis Dienstagmorgen (Stand 09:00 Uhr) lediglich Zusagen über 54 Prozent vor, wie Prokon auf seiner Internetseite veröffentlichte. Derweil prüft die Staatsanwaltschaft Lübeck Anzeigen gegen Prokon.

Dabei gehe es um den Anfangsverdacht des Betruges und der Insolvenzverschleppung, sagte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm. Es sei aber noch unklar, ob die Verdachtsmomente für ein Ermittlungsverfahren ausreichten.

Rodbertus hatte Mitte Januar angekündigt, sollten nicht 95 Prozent des Kapitals bis mindestens Oktober 2014 im Unternehmen bleiben, werde er eine Planinsolvenz anstreben. Er hatte den Anlegern eine Frist bis zum 20. Januar gesetzt, in der sie sich zu ihrer Kapitaleinlage erklären sollten. Verbraucherschützer warfen dem Manager Erpressung der Genussrechtsinhaber vor. Bei ihnen steht das Geschäftsmodell ohnehin seit langem in der Kritik. Anlegerschützer Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mutmaßt, dass es sich um eine Schneeballsystem handelt, bei dem Zinsen und Tilgungen mit dem Geld neuer Anleger finanziert werden. In einem Fernsehmagazin wies Rodbertus diesen Vorwurf zurück, blieb weitere Erklärungen aber schuldig. Er verweigert den Kontakt zu den Medien seit Mai 2013 nach wiederholten negativen Berichten.

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

2013 hatte Prokon schon 130 Millionen Euro an die Anleger zurückgezahlt. In den vergangenen Wochen hatten sich die Kündigungen dann gehäuft. Bis Ende vergangener Woche summierten sie sich auf über 200 Millionen Euro. Aus einer „Zwischenbilanz“ per Ende Oktober geht hervor, dass bei Prokon insgesamt 210 Millionen Euro Verluste aufgelaufen sind.

Rodbertus hatte Prokon 1995 gegründet. Das Unternehmen mit mehr als 1300 Mitarbeitern betreibt nach eigenen Angaben gut 50 Windparks mit 314 installierten Windkraftanlagen in Deutschland und Polen. Weitere seien im Bau. Zum Konzern gehört auch ein Biodiesel-Hersteller in Magdeburg. Zudem finanziert Prokon ein Sägewerk in Torgau, das Holzpaletten produziert.

Von

rtr

Kommentare (4)

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HofmannM

21.01.2014, 09:44 Uhr

Mich würde wirklich mal interessieren, warum Prokon unbedingt 95% Fremd-Eigenkapital braucht!?
Bei so einer Kapitalquote von 95% ist doch das ganze "Wirtschaftsgeschäft" Erneuerbare Energieerzeuger zu bauen bzw. darin zu investieren nicht mehr gegeben. Bei 95% Kaptialbedarf würde ich bei Prokon von einen Schneeballsystem sprechen!

Account gelöscht!

21.01.2014, 10:04 Uhr

Nein, die GR-Quote von 95% an sich ist hier nicht das Problem. Prokon hat sich eben entschieden, weder Aktien auszugeben noch in höherem Umfang Fremdkapital im engeren Sinne zu beanpruchen. Das kann man tun.
Das Problem sind hier die unrealistisch hohen Renditeversprechen, gerade angesichts der geringen Fremdkapitalquote (die macht den Unterschied zu den Ackermann'schen 25%!).
Und das allergrößte Problem ist, das Prokon eine rechtzeitige Korrektur (Aussetzung von Zinszahlungen und ggfls. Kürzung des Rückzahlungsanspruchs angesichts hoher Verluste) unterlassen hat, um noch mehr neue Anleger keilen zu können.

Grüße,
mibo (gerade nicht angemeldet)

GIER-frisst-HIRN

21.01.2014, 10:30 Uhr

Gier frisst Hirn =)
Die Kunden sehen nur 6% Rendite p.a. und legen Ihr Geld an. Das ist die Quittung.

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