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11.06.2015

12:20 Uhr

Zwangsumtausch griechischer Staatsanleihen

Droht Athen eine Klagewelle aus Deutschland?

2012 hatte die griechische Regierung Anleger per Gesetz gezwungen, laufende Anleihen gegen neue Papiere mit schlechteren Konditionen einzutauschen. Nun entschied der EuGH: Deutsche können dagegen klagen.

Gläubiger können jetzt gehen den Zwangsumtausch griechischer Anleihen im Jahr 2012 vorgehen. dpa

Griechische Staatsanleihen

Gläubiger können jetzt gehen den Zwangsumtausch griechischer Anleihen im Jahr 2012 vorgehen.

BrüsselDie deutschen Gerichte können sich weiter mit den Klagen gegen den Zwangsumtausch griechischer Staatsanleihen von 2012 beschäftigen. Sie dürften die Klagen der Geschädigten an den griechischen Staat übermitteln, entschied der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) am Donnerstag. Es sei nicht ersichtlich, dass eine entsprechende EU-Verordnung zu Zivil- und Handelsfragen in dem Fall nicht greife, begründeten die Luxemburger Richter ihr Urteil. Die Fragen der Zuständigkeit der deutschen Gerichte und der Rechtmäßigkeit des damaligen Zwangsumtausches sind mit der EuGH-Entscheidung noch nicht beantwortet. (Az: C-226/13, C-245/13, C-247/13, C-578/13)

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Hintergrund des Rechtsstreits ist der erzwungene Umtausch griechischer Anleihen während der Schuldenkrise im März 2012. Die griechische Regierung hatte damals per Gesetz verfügt, dass die Anleger ihre Wertpapiere gegen neue Staatsanleihen mit einem erheblich niedrigeren Nominalwert tauschen mussten. Dagegen hatten mehrere Deutsche geklagt. Die Landgerichte Wiesbaden und Kiel hatten den EuGH um Klärung gebeten, ob es sich bei den Klagen um zivil- und handelsrechtliche Fragen handelt und sie die Klagen überhaupt an den griechischen Staat übermitteln dürfen.

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Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Franz Paul

11.06.2015, 13:57 Uhr

Tja, dann greift mal dem nackten Mann in die Tasche.

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