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02.01.2017

11:02 Uhr

Zweitwohnungsteuer für Dauercamper

Campst du noch oder wohnst du schon?

VonConstanze Elter

Mehr als ein Wohnwagen, aber weniger als ein Ferienhaus – Mobilheime können ein guter Kompromiss sein. Sie haben aber einen steuerlichen Haken: Laut einem Urteil müssen die Bewohner Zweitwohnungsteuer zahlen.

In Neukirchen müssen Bewohner solcher Häuschen Zweitwohnungsteuer zahlen. imago/Sebastian Geisler

Mobilheim

In Neukirchen müssen Bewohner solcher Häuschen Zweitwohnungsteuer zahlen.

SchleswigCampen oder doch wohnen: Über diese Frage haben sich knapp 30 Dauercamper mit der Stadt Neukirchen gestritten. Die Gemeinde an der Ostsee hatte für Mobilheime, die auf Campingplätzen aufgebaut sind, Zweitwohnungsteuer festgesetzt. Seit den 1980-er Jahren erhebt Neukirchen eine Zweitwohnungsteuer und profitiert als Urlaubsort von den zusätzlichen Steuereinnahmen. In zwei Musterverfahren wehrten sich die Camper dagegen und verloren nun vor dem Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein.

Die Kläger hatten argumentiert, dass ein Mobilheim nicht die rechtlichen Kriterien des Wohnungsbegriffes erfüllt. Ein Mobilheim sei nicht fest verbaut, sondern ruhe allein auf dem Fahrgestell. Die Camper verwiesen auch auf ihren Pachtvertrag, der auf ein Jahr befristet sei. Nach Ende des Vertrags könnten sie ihre Mobilheime auf ein anderes Grundstück bringen. Auch dies war nach Meinung der Kläger ein klares Zeichen dafür, dass es sich nicht um eine Zweitwohnung handeln könne.

Steuertipps zum Umzug

Meldung beim neuen Finanzamt

Wenn Gewerbetreibende oder Freiberufler umziehen, müssen sie die Verlegung ihres Sitzes innerhalb eines Monats dem neuen Finanzamt melden. Privatpersonen geben einfach ihre nächste Steuererklärung beim neuen Finanzamt ab.

Meldung beim alten Finanzamt

Das alte Finanzamt muss man nicht informieren. Die Finanzämter unterrichten sich gegenseitig. Allerdings ist es sinnvoll, dem alten Finanzamt dennoch Bescheid zu geben, so können die Beamten die Akten schon an das neue Amt weiterleiten. Das kann die Wartezeit des Steuerzahlers verkürzen.

Private Umzugskosten

Wer aus privaten Gründen umzieht, hat nur geringe Möglichkeiten, die Kosten bei der Steuerklärung geltend zu machen. Wer ein Umzugsunternehmen engagiert, kann die Arbeitskosten für Möbelpacker als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen, anerkannt werden 20 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro. „Die Materialkosten, etwa für den LKW und die Umzugskartons, sind jedoch nicht steuerlich absetzbar“, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. In der Rechnung der Spedition müssen deshalb alle Kosten einzeln aufgeschlüsselt werden. Zudem sollten die Leistungen nicht bar gezahlt werden, wichtig ist immer ein Kontobeleg und eine Rechnung.

Beruflich veranlasste Umzugskosten

Wer umzieht, weil er einen neuen Job hat oder sich das Pendeln sparen will, kann die Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. „Zur Frage, wann ein Umzug beruflich veranlasst ist, gibt es viele Einzelfallentscheidungen, in der Regel wird es aber dann anerkannt, wenn die Fahrtzeit zur Arbeit durch den Umzug erheblich verkürzt wird“, sagt Steuerberater Deutsch. Als Richtwert wird oftmals eine Zeitersparnis von einer Stunde genannt.

Tatsächliche Umzugskosten

Wer wegen seines Jobs umzieht, kann die tatsächlichen Umzugskosten vollständig als Werbungskosten geltend machen. Hier wird nicht zwischen Materialkosten und Arbeitskosten unterschieden.

Sonstige Umzugskosten

Neben den tatsächlichen können pauschal auch sonstige Umzugskosten abgesetzt werden, darunter fallen beispielsweise Kosten für Zeitungsinserate, die Anmeldung des Telefonanschlusses und die Ummeldung des Autos. Für Umzüge nach dem 1. Januar 2012 beträgt die Pauschale für Ledige 657 Euro, für Ehepaare ist die doppelt so hoch und für jedes Kind kommen 289 Euro hinzu. Die einzelnen Belege muss der Steuerzahler nicht einreichen.

Wenn der Chef zahlt

Fein raus ist der Steuerzahler, wenn der Arbeitgeber seine Umzugskosten zahlt. „Sofern die Erstattung die tatsächlich entstandenen Kosten nicht übersteigt, gilt die Zahlung nicht als geldwerter Vorteil“, sagt Steuerberater Markus Deutsch. Es werden also weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. Die Rechnungen muss der Steuerzahler seinem Arbeitgeber vorlegen, damit dieser die Belege aufbewahren kann.

Doppelte Miete absetzbar

Wer berufsbedingt umzieht und vorübergehend eine zweite Wohnung am Arbeitsort anmietet, kann diese Kosten unbegrenzt als Werbungskosten geltend machen. Wenn die Familie schon einige Monate später nachzieht, gilt das auch für die Kosten einer großen Wohnung mit mehr als 60 Quadratmetern, entschied der Bundesfinanzhof (Az: VI R 2/11, vom 13. Juli 2011). Dem Urteil zufolge liegt in diesem Fall keine doppelte Haushaltsführung vor, bei der die absetzbare Wohnung maximal eine Größe von 60 Quadratmetern haben dürfte.

Kosten für die Nachhilfe

Wenn der Nachwuchs wegen des Umzugs Nachhilfe benötigt, kann der Steuerzahler auch diese Kosten bei der Steuererklärung geltend machen. Ab 2012 werden 1.657 Euro anerkannt.

Zudem entspreche ein Mobilheim in seiner Ausstattung eher einem Wohnmobil als einer Wohnung, sei nicht ganzjährig bewohnbar und eine durchgängige Funktionsfähigkeit von Bad und WC sei nicht gesichert. Wenn eine Heizung vorhanden sei, könne man damit lediglich auf eine Temperatur von 20 Grad heizen. Darüber hinaus müssten die Mobilheimbesitzer laut Pachtvertrag ihre Mobilheime spätestens ab Ende Oktober winterfest machen.

Das Gericht war ganz anderer Auffassung. In den Musterverfahren urteilten die Richter, dass Mobilheime durchaus als Wohnungen im steuerlichen Sinne eingestuft werden könnten (Az.: 2 A 179/14, 2 A 186/15). Die Ausstattung unterscheide sich nicht wesentlich von der einfacher Ferienhäuser. Die Mobilheime könnten nur mit erheblichem Aufwand – etwa einer Sattelzugmaschine – bewegt werden.

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