Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.02.2014

15:13 Uhr

Regierungskreise

Claudia Buch wird Bundesbank-Vizepräsidentin

Am Mittwoch dürfte das Bundeskabinett über die Lautenschläger-Nachfolge entscheiden. Favorit für den Posten als Vize-Chef der Bundesbank ist Claudia Buch. Damit setzt sich Wolfgang Schäuble gegen Sigmar Gabriel durch.

Claudia Buch könnte Vize-Präsidenten der Bundesbank werden. dapd

Claudia Buch könnte Vize-Präsidenten der Bundesbank werden.

BerlinDie Wirtschaftsweise Claudia Buch soll Regierungskreisen zufolge neue Vizepräsidentin der Bundesbank werden. Eine mit der Personalentscheidung vertraute Person bestätigte dies am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Die 47-Jährige folgt Sabine Lautenschläger nach, die Ende Januar als Nachfolgerin für Jörg Asmussen in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) gewechselt war. Buch leitet das renommierte Wirtschaftsforschungsinstitut IWH in Halle. Weder sie noch ihr bisheriger Arbeitgeber wollten sich dazu äußern.

Die Personalie war innerhalb der großen Koalition umstritten. Während sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für Buch starkmachte, trat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel ein. Endgültig dürfte am Mittwoch das Bundeskabinett die Berufung beschließen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte Buch dem Vernehmen nach favorisiert. Zudem lag nach dem Abgang Lautenschlägers die erneute Berufung einer Frau in den sechsköpfigen Vorstand der deutschen Notenbank in der Luft. Lautenschläger hatte Asmussen im EZB-Direktorium ersetzt, der als Staatssekretär ins Bundesarbeitsministerium gewechselt ist.

Buchs fachliche Kompetenz hätten auch die Sozialdemokraten nicht bestritten, hieß es. Stattdessen hätten sie kritisiert, dass die Wirtschaftsprofessorin keine politische und keine größere Verwaltungserfahrung habe und dass mit ihr wieder ein externer Vertreter in die Spitze der Notenbank aufrücke. Der unterlegene Kontrahent Nagel ist seit Jahren Bundesbankvorstand.

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Buch ist seit 2012 Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung und leitet das renommierte Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Die Ökonomin ist außerdem Mitglied des bei der EZB angesiedelten wissenschaftlichen Beirats des Europäischen Ausschuss für Systemrisiken, der Probleme im Finanzsystem erkennen soll, bevor sie zu Krisen führen. Die gebürtige Paderbornerin hat an den Universitäten von Bonn und Wisconsin Volkswirtschaft studiert. Promoviert und habilitiert wurde sie am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Ihre Forschungsschwerpunkte waren zuletzt Finanzmärkte, Bankenregulierung und Geldpolitik.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×