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12.07.2016

22:18 Uhr

Rekorde beim S&P 500

Die Bullen sind los

VonGeorgios Kokologiannis, Frank Wiebe

Der wichtigste Wall-Street-Index hat den zweiten Tag in Folge ein neues Allzeithoch markiert. Obwohl Experten vor extremen Bewertungen warnen, treibt der Renditehunger der Investoren die Kurse immer höher.

Risikofreudige Anleger tendieren zu Investitionen in den USA. Reuters

Rekorde bei den US-Börsen

Risikofreudige Anleger tendieren zu Investitionen in den USA.

Kaufrausch an der Wall Street: Das US-Aktienmarkt-Barometer S&P-500 steigt am Dienstag den zweiten Tag in Folge auf ein neues Allzeithoch. Der Leitindex schloss um 0,7 Prozent höher auf dem Rekordwert von 2.152 Zählern. Damit trotzt der wichtigste Aktienindex der Welt, der die wichtigsten 500 börsennotierten Unternehmen der USA abbildet, allen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Der Dow Jones, der noch traditionsreicher ist als der S&P, kletterte bis zum Börsenschluss ebenfalls 0,7 Prozent höher auf 18.347 Punkten und lag damit auf dem höchsten Stand seiner Geschichte.

Das Augenmerk der Investoren liege derzeit darauf, wie lange sich der Index auf diesem Niveau halten könne, sagte Marktstratege Robert Pavlik vom Vermögensverwalter Boston Private Wealth. Schub bekommen US-Aktien derzeit durch eine traumhafte Kombination, die es nicht häufig gibt: Die US-Konjunktur ist robust, und dennoch sind bis auf weiteres kaum Zinserhöhungen der US-Notenbank (Fed) zu erwarten. Das heißt für die Börse: viel Kraft und nur lose Zügel. Hinzu kommt, dass es in den beiden wichtigen Industrienationen Japan und Großbritannien wieder Aussichten auf klare politische Verhältnisse sowie auf neue Konjunkturstützen der dortigen Notenbanken gibt.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

„Investoren denken, dass sie an Bord springen müssten bevor der Zug den Bahnhof verlässt“, sagte Aktienstratege des News Yorker Brokerhauses Miller Tabak & Co gegenüber dem Nachrichtendienst Bloomberg. Die große Unsicherheit, die das Brexit-Votums gebracht habe, werde die US-Notenbank Fed davon abhalten in diesem Jahr zu handeln, was helfe Aktienverkäufe zu vermeiden.

Hintergrund: Am Freitag hatte die US-Regierung einen überraschend starken Bericht zum Arbeitsmarkt bekannt gegeben. Die Ängste, der US-Konjunktur könne die Puste ausgehen, sind damit wieder verflogen. Zugleich hat die Fed aber deutlich gemacht, dass sie nur sehr vorsichtig, wenn überhaupt, die Zinsen erhöhen wird, solange nicht klar ist, welche Auswirkungen der Brexit, der voraussichtliche Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union, haben wird.

Das hat massive Auswirkungen auf die Prognosen der Investoren zur US-Geldpolitik, zeigt eine Auswertung des US-Großbank J.P. Morgan: Sollte sich beim Stellenwachstum, der Inflation oder den Unternehmensinvestitionen nicht noch eine überraschende Wende abzeichnen, rechnen demnach die meisten Marktteilnehmer in diesem Jahr offenbar nicht mehr mit einem weiteren Zinsschritt.

Börse New York: Wall Street in Rekordlaune

Börse New York

Wall Street in Rekordlaune

Der Auftakt zur Berichtssaison in den USA ist geglückt: Der Aluminiumkonzern Alcoa erfreute die Anleger, bei Amazon dagegen ging eine Marketing-Aktion nach hinten los. Sowohl Dow als auch S&P schlossen so hoch wie nie.

„Die Aussicht darauf, dass die US-Zinsen nun sogar noch länger auf ihrem niedrigen Niveau bleiben und andere Zentralbanken eine weitere Lockerung vornehmen könnten, hat das Volumen der globalen Anleihen mit einer Rendite von unter 0 % seit der Brexit-Entscheidung um 1 Billionen US-Dollar auf über 11 Billionen US-Dollar erhöht“, erläutern die Experten von J.P. Morgan in einer aktuellen Studie.
Damit dürfte das Referendum zum Brexit die US-Börse indirekt sogar beflügeln –schließlich wurden auch die Renditen der Zinspapiere in Europa noch weiter in den Keller getrieben. Europas Anleger kaufen auf ihrer Suche nach einer besseren Alternative daher mehr US-Staatspapiere und haben deren Renditen im zehnjährigen Bereich auf ein Rekordtief von unter 1,5 Prozent getrieben.

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