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07.04.2011

12:09 Uhr

Rekordrenditen

Deutsche Firmen öffnen die Kassen für Anleger

VonRalf Drescher, Ulf Sommer

Hauptversammlungszeit ist Dividendenzeit. Nachdem es 2010 kräftige Einbußen gab, können sich Anleger in diesem Jahr wieder auf deutlich höhere Ausschüttungen freuen – sowohl im Dax als auch in der zweiten Reihe.

Die Dax-Schwergewichte BASF, Siemens, Daimler und VW zahlen für 2010 allesamt deutlich höhere Dividenden. Quelle: dpa

Die Dax-Schwergewichte BASF, Siemens, Daimler und VW zahlen für 2010 allesamt deutlich höhere Dividenden.

DüsseldorfDeutschlands Aktionäre können sich in diesem Jahr auf üppige Ausschüttungen freuen. Nachdem sich viele Unternehmen 2010 mit ihren Dividenden zurückgehalten oder diese ganz gestrichen hatten, zeigen sie sich in diesem Jahr wieder deutlich spendabler. Insgesamt schütten die rund 1 100 börsennotierten deutschen Konzerne in diesem Jahr nach Handelsblatt-Berechnungen 29 Milliarden Euro aus.

Von den 160 Unternehmen in Dax, MDax, TecDax und SDax will knapp die Hälfte die Ausschüttung im Vergleich zum Vorjahr erhöhen, 20 nehmen die Zahlung in diesem Jahr wieder auf oder zahlen erstmals Dividende. Im Gegenzug schütten nur zehn Unternehmen weniger aus, drei müssen die Dividende streichen.

Die positive Entwicklung geht quer durch alle Branchen und Marktsegmente. Zufrieden sein dürften aber vor allem viele Anleger von Industrieunternehmen in der zweiten Reihe. Gerade unter den 50 MDax-Unternehmen waren viele im Jahr 2009 in die Verlustzone gerutscht und hatten im vergangenen Jahr deshalb keine Dividende gezahlt. Doch die Erholung auf breiter Front zeigt sich hier jetzt deutlich: 8 MDax-Konzerne, die im vergangenen Jahr nichts ausgeschüttet hatten, nehmen dieses Jahr die Dividendenzahlung wieder auf.

Zwei von drei Dax-Konzernen zahlen mehr

Zum Vergleich: Im Dax sind es nur drei Konzerne (Daimler, Lufthansa und Infineon), die die Dividendenzahlung wieder aufnehmen. Allerdings hatten hier auch die meisten Großkonzerne ihre Dividenden in der Krise beibehalten. Nun heben 23 der 30 Dax-Konzerne ihre Ausschüttungen an. Der Lkw-Hersteller MAN verachtfacht seine Ausschüttung gleich von 25 Cent auf zwei Euro, sieben weitere erhöhen ihre Dividende je Aktie um mehr als 100 Prozent. Leer gehen Anleger nur bei der Commerzbank aus, die wegen erhaltener staatlicher Hilfsleistungen noch keine Dividende zahlen darf.

Allein 26 Milliarden Euro entfallen auf die 30 Dax-Konzerne. Das sind sechs Milliarden Euro mehr als im Vorjahr und nur noch zwei Milliarden Euro weniger als im Rekordjahr 2007.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten im Dividenden-Boom. So zahlt die Telekom, seit Jahren einer der stabilsten Dividendenzahler in Deutschland, die Ausschüttung zusammen. Statt 78 Cent gibt es in diesem Jahr nur 70 Cent je Aktie. Und auch das kann sich der Telekommunikations-Konzern kaum leisten: Mit drei Milliarden Euro gibt die Telekom 90 Prozent ihres Nettogewinns an ihre Aktionäre weiter. Sie behält damit also wenig für künftige Investitionen übrig.

Große Zufriedenheit dürfte auch die Dividendenpolitik der beiden großen deutschen Versorger bei den Anlegern nicht hervorrufen. Zwar halten RWE und Eon die Ausschüttung mit 3,50 bzw. 2,10 Euro je Aktie im Vergleich zum Vorjahr konstant. Doch für die starken Kursverluste der vergangenen Monate ist das kein Ausgleich. Wer die Aktien vor einem Jahr gekauft hat, sitzt heute auf einem Verlust von 20 (Eon) oder 30 (RWE) Prozent. Erst schickte die milliardenschwere neue Brennelementesteuer die Aktien auf Talfahrt, dann die abrupte Kehrtwende der Bundesregierung in ihrer Atompolitik.

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