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22.01.2007

11:18 Uhr

Rekordstand bei verwalteten Geldern

Die Schweiz zieht ausländisches Vermögen an

VonOliver Stock

Kaum ein Land verwaltet mehr Vermögen als die Schweiz – bei Beträgen aus dem Ausland liegen die Eidgenossen sogar weit vorne. Dabei scheint die bloße „Diskretion“ der legendären Schweizer Nummernkonten bei weitem nicht das ausschlaggebendste Argument zu sein.

Starke Schweiz. Marktanteil bei der Verwaltung ausländischen Vermögens 2005, in Prozent (Quelle: Boston Consulting Group, SBA Research)

Starke Schweiz. Marktanteil bei der Verwaltung ausländischen Vermögens 2005, in Prozent (Quelle: Boston Consulting Group, SBA Research)

ZÜRICH. Die Schweizer Banken und Vermögensverwalter haben nach einer aktuellen Schätzung der Schweizerischen Bankiervereinigung Ende 2005 Vermögen in der Höhe von 6,9 Billionen Franken (4,6 Bill Euro) betreut. Unterstützt von der günstigen Entwicklung der Finanzmärkte, dürfte diese Summe im Jahr 2006 deutlich über die Marke von sieben Bill. Franken gestiegen sein. Damit ist die Schweiz nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Vermögensverwalter, dicht gefolgt von Japan, Deutschland und Frankreich. Beim grenzüberschreitend platzierten Privatvermögen – ausländischen Geld also, das verwaltet wird – liegt die Schweiz sogar mit großem Abstand weltweit an der Spitze. (Siehe Grafik)

Mit der UBS führt auch eine Schweizer Bank die Liste der weltweit größten Vermögensverwalter an und liegt damit vor der britischen Barclays Global Investors und der deutschen Allianz-Gruppe. Auf Platz acht findet sich mit der Credit Suisse ein zweites Schweizer Institut unter den ersten Zehn.

Während außerhalb der Schweiz vor allem das Bankgeheimnis, das ausländische Steuerhinterzieher vor strafrechtlicher Verfolgung in der Schweiz schützt, für diese Entwicklung verantwortlich gemacht wird, wollen die Schweizer Bankiers das so nicht auf sich sitzen lassen und weisen auch auf andere Qualitäten hin. Einer früheren Studie der Bankievereinigung zufolge schätzen die Kunden neben der „Diskretion“ der Schweizer Kreditinstitute vor allem auch das „stabile regulatorische Umfeld“, die „Internationalität“ der Berater und die „Kompetenz“ der Institute.

Gleichzeitig mit den jüngsten Berechnungen zur Vermögensverwaltung hat der zweite einflussreiche Schweizer Bankenverband, der der Privatbankiers, vor aus seiner Sicht übertriebenen Bemühungen zur Bekämpfung der Geldwäsche gewarnt. Die Privatbankiers halten es für falsch, den Katalog der Geldwäsche-Tatbestände um Insiderdelikte und Kursmanipulationen zu erweitern. Entsprechende Empfehlungen der Internationalen Arbeitsgruppe gegen Geldwäsche (FATF) waren bereits vor anderthalb Jahren vom Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz gestoppt worden, kommen aber in einem neuen Gesetzgebungsverfahren in diesem Jahr wieder auf den Tisch.

Pierre Darier, Teilhaber der Genfer Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch & Cie und Präsident der Privartbankier-Vereinigung, warnt nun vor „vorauseilenden Gehorsam“, der dazu führte, dass Insidergeschäfte und Kursmanipulationen nicht mehr als Delikte, sondern als Verbrechen qualifiziert würde. Damit würde beides auf die gleiche Ebene gehoben wie Drogenhandel oder organisierte Kriminalität. Hinzu kommt laut Darier, dass die Kriminalisierung dieser Delikte den Banken neue Sorgfaltspflichten und damit auch neue Kosten auferlegte – eine Folge, die auch die Schweizerische Bankiervereinigung kommen sieht und von der sie ebenfalls nicht begeistert ist: „Wir können nicht alle potenziellen Insider unter Beobachtung stellen“, sagte ein Sprecher der Bankiervereinigung. Der Aufwand übersteige den Nutzen bei weitem.

Darier fordert deswegen die Bundesverwaltung in Bern dazu auf, die „Denkpause“ zu verlängern. Allenfalls schwerwiegende Fälle von Insiderdelikten und Kursmanipulationen dürften als Verbrechen beurteilt werden. Vor allem aber müsse gesetzlich geregelt sein, dass ein solcher Schritt nicht zu zusätzlichen Sorgfaltspflichten der Banken führen darf.

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