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18.01.2010

14:48 Uhr

Rendite

Aktien schlagen Renten nur mit Mühe

VonFrank Wiebe

Eine systematische Auswertung der Daten seit 1968 zeigt, dass sich Aktienanleger kleine Zusatzchancen mit relativ hohen Risiken erkaufen. Nur in 18 der untersuchten 33 Abschnitte konnten Aktien Renten in der Rendite tatsächlich schlagen. Und auch den Steuervorteil haben Aktien inzwischen eingebüßt.

Risiko inbegriffen: Mit Aktien erkauft man sich eine kleine Chance auf Mehrertrag - und hohe Schwankungen. Quelle: dpa

Risiko inbegriffen: Mit Aktien erkauft man sich eine kleine Chance auf Mehrertrag - und hohe Schwankungen.

DÜSSELDORF. Alle Jahre wieder, wenn die Börse gerade abgestürzt ist oder sich erholt hat, stellt sich die Frage: Was läuft besser, Aktien oder Renten? Je nachdem, wie viele Jahre man zurückrechnet, ergibt sich ein anderes Bild. Außerdem hängt das Ergebnis davon ab, ob zum Stichtag die Aktien hoch oder niedrig bewertet sind.

Eine Möglichkeit, die Berechnung systematischer anzugehen, bieten gleitende Zehnjahresdurchschnitte. Und dabei ergibt sich: Aktien sind nur für stressresistente und spekulierfreudige Anleger ein Genuss. Wer die Geldanlage ganz rational betreibt, ist mit einem hohen Rentenanteil besser bedient.

Dax und Rex im Vergleich

Gerechnet wurde so (s. Grafik): Der Deutsche Aktienindex (Dax) dient als Maß für die deutschen Aktien, der Index Rex für deutsche Renten, also Zinspapiere. Von Vorteil ist dabei, dass beim Dax, anders als bei vielen ausländischen Aktienindizes, nicht nur die Kursgewinne zählen, sondern auch die Dividenden - nur so ist der Vergleich sinnvoll. Die Indizes lassen sich zurückrechnen bis ins Jahr 1968. Dann kann man sich insgesamt 33 Abschnitte von jeweils zehn Jahren anschauen, angefangen von 1968 bis 1977 und endend mit 2000 bis 2009.

Für jeden dieser Abschnitte lässt sich eine durchschnittliche Jahresrendite erreichen. Sie gibt ganz simpel an, wie viel ein Anleger im Schnitt verdient hat, wenn er am Anfang der zehn Jahr ein- und am Ende ausgestiegen ist - ohne Berücksichtigung der Inflation, die ja die Ergebnisse beider Anlageklassen gleichermaßen schmälert.

Erwartungsgemäß ist die Spannbreite bei den Aktien sehr groß. Der schwächste Zehn-Jahres-Abschnitt, von 1970 bis 1979, erbrachte im Schnitt jährlich einen Verlust von 2,21 Prozent - oder insgesamt 20 Prozent Minus. Die beste Dekade lohnte sich dagegen sehr: Von 1991 bis 2000 fielen im Schnitt satte 16,49 Prozent Gewinn pro Jahr an - insgesamt wuchs das Kapital in dieser Zeit auf das 3,6-fache.

Bei Renten ist die Spannbreite kleiner. Die schwächste Dekade in diesem Bereich waren die Jahre 1999 bis 2008 - sie brachten im Schnitt nur 4,67 Prozent ein. Der stärkte Abschnitt waren die Jahre 75 bis 84 mit 8,58 Prozent im Schnitt.

Als weiteres Ergebnis zeigt sich: Nur in 18 der insgesamt 33 Abschnitte haben Aktien Renten tatsächlich geschlagen.

Außerdem lässt sich noch eine Art Superdurchschnitt bilden. Er beantwortet die Frage: Wie sieht der Mittelwert aller durchschnittlichen Jahresrenditen für die gesammelten 33 Zeiträume aus? Diesen Wert (in diesem Fall als arithmetisches Mittel gerechnet) kann man als Anzeichen dafür nehmen, welche Anlage sich insgesamt durchschnittlich mehr lohnt. Dabei kommt für die Aktien nur ein geringer Vorsprung heraus: Sie lieferten seit 1968 im Schnitt in Zehnjahreszeiträumen eine Jahresrendite von 7,48 Prozent. Aber Renten kamen immerhin auf 7,19 Prozent. Ist das den Stress wert?

Steuerliche Aspekte

Nicht berücksichtigt wird bei dieser Berechnung der steuerliche Aspekt. Aktien waren lange Zeit sehr viel besser gestellt als Renten, weil bei ihnen der Anteil der Kursgewinne höher ist und dieser nicht besteuert wurde, wenn man die Papiere länger als ein Jahr behielt. Dieser Vorteil wurde aber vor gut einem Jahr für neue Käufe gestrichen. Die Steuern sprechen also nur dafür, Aktien zu behalten, die spätestens im Jahr 2008 angeschafft wurden. Alles was danach kam oder kommt, bietet in diesem Punkt keinen Vorteil mehr.

Kommentare (2)

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Jonas

18.01.2010, 23:02 Uhr

Gut aufgearbeiteter Artikel obwohl ich in der unübersichtlichen WebDarstellung länger nach der Graphik suchen musste, die auch nicht mit ausgedruckt wird.
Aber damit die Vergleichszeiträume vergleichbarer werden, sollte man auch die inflation einrechnen.

Tim Schäfer

19.01.2010, 02:49 Uhr

bei Aktien ist man viel besser vor inflation geschützt. Langfristig gibt es keine Alternative zur Aktie.

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