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26.05.2011

11:55 Uhr

Renditeflops

Wenn Top-Anlagen zum Reinfall werden

VonHauke Reimer, Anton Riedl, Martin Gerth, Stefan Hajek, Annina Reimann
Quelle:WirtschaftsWoche

Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer: Fonds, Bauherrenmodelle oder Optionen locken Anleger. Die Modelle wechseln – nicht aber die Tricks der Verkäufer. Wie Anleger Reinfälle vermeiden können.

Nach dem Boom folgt meist der Kurssturz - und ein Loch in der Kasse tausender Anleger. Quelle: dpa

Nach dem Boom folgt meist der Kurssturz - und ein Loch in der Kasse tausender Anleger.

Frankfurt/DüsseldorfDer Mann von der IOS sagte: "Bei uns verdienen Sie in drei Monaten 50 000 Mark." Das war falsch: Nach drei Monaten hatte Jan Schneider 250 000 Mark Provision kassiert. "Die IOS hatte ganz Deutschland im Griff. Das Geschäft lief über Mundpropaganda von allein", sagt der damalige Student. Zu verdanken hat Schneider, der, weil noch im Geschäft, seinen echten Namen nicht gedruckt sehen möchte, den Reichtum dem Anlagehype um die Fondsgesellschaft Investors Overseas Services (IOS).

Deren Gründer Bernard "Bernie" Cornfeld erfand das System des Strukturvertriebs, in dem erfolgreiche Verkäufer in der Hierarchie aufsteigen und an den Abschlüssen ihrer Untergebenen mitverdienen. In den Sechzigern versprach Cornfeld mit Investmentfonds "nie unter zehn Prozent Gewinn jährlich". Ein Selbstläufer: Tausende Deutsche kauften Fonds der IOS. Die Wohlhabenden der Nation verfielen ins Anlagefieber: Ärzte, Apotheker, Anwälte, Unternehmer, auch Prominente - von Ministerpräsidenten-Gattin Marianne Strauß bis Peter Frankenfeld.

Der IOS-Boom war die erste große Anlagewelle der Nachkriegszeit - getrieben von durch Provision motivierte Verkäufer und durch Anleger, die an das Märchen von der risikolosen Rendite glaubten.

Viele weitere folgten: In den Siebzigern nutzten Verkäufer von Bauherrenmodellen die Lust am Steuersparen. Nach dem Fall der Mauer lockten Sonderabschreibungen Anleger in Ostimmobilien. 1996 bereiteten die Volksaktie Telekom und der ein Jahr darauf gegründete Neue Markt den Boden für Technologiefonds, an denen nur Banken verdienten.

Die Produkte sind unterschiedlich gestrickt und gefährlich; die Spanne der Vergehen am Anleger reicht von unfeiner Provisionsschinderei bis zum dreisten Betrug. Das Ergebnis ist gleich: Verluste für Anleger, Gewinne für Verkäufer. Was aber bringt so viele Menschen - auch intelligente und beruflich erfolgreiche - dazu, bei der Geldanlage den gesunden Menschenverstand auszuschalten?

"Anlageprodukte werden nicht gekauft, sondern verkauft", sagt Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim. Die Wurzel des Übels ist das Provisionssystem: "Die Finanzindustrie erhöht die Provision - und schon werden Produkte in der Breite an den Mann und die Frau gebracht", beobachtet der Frankfurter Anwalt Klaus Nieding.

Kommentare (4)

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priexo

26.05.2011, 13:41 Uhr

Für den (potentiellen) Anleger gibt es hier nur eins: lesen, lesen, lesen, versuchen, die Hintergründe zu verstehen. Nicht nur die Vorgänge an den Finanzmärkten sondern auch das eigene Anlegeverhalten gilt es zu durchschauen, sonst läuft man Gefahr, mal begangene Fehler wieder und wieder zu wiederholen.

Marco

31.05.2011, 15:29 Uhr

Dahinter stecken ausgebuffte Schufte, quasi wie Bankvorstände oder deren Handlanger ! Für fette Profite machen die alles, wirklich alles und betrügen sogar noch ihr eigenes Personal ! Ich freu auf diesen Richter, der diese Perversion endlich mal richtig abstraft.

Account gelöscht!

23.06.2011, 15:05 Uhr

Von Top-Anlagen profitieren garantiert die Verkäufer. Der Kunde trägt das Risiko. Die Gründer von Verkäufernetzwerken, z.B. dem AWD und der DVAG gehören heute zu den reichsten Deutschen. Deren Kunden und Mitarbeiter können eventuell profitieren, eine Garantie gibt es dafür nicht.

Das ist wie beim Goldrausch - die Verkäufer von Schaufeln wurden reich - die Goldschürfer blieben meist arm.

Schlechte Angebote kommen von allein (wenn man Glück hat auch gute) - zu wirklich guten Angeboten muss man selbst hingehen oder sie sich selbst suchen.

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