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23.10.2012

17:16 Uhr

Reserven der Bundesbank

Der Kampf ums deutsche Gold

VonJörg Hackhausen

Ist er wirklich noch da? Der deutsche Goldschatz liegt im Ausland, doch gesehen hat ihn schon lange keiner mehr. Auf Druck des Rechnungshofs wird die Bundesbank nun nachprüfen - doch die Skepsis der Kritiker bleibt.

Gold in Barren zu verschiedenen Größen: Das Misstrauen geht tief. dpa

Gold in Barren zu verschiedenen Größen: Das Misstrauen geht tief.

DüsseldorfVertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das Sprichwort dürfte jedermann geläufig sein. Nur bei der deutschen Bundesbank wollte man lange nichts davon wissen. Jeder Versuch von Bürgern oder Bundestagsabgeordneten, Auskünfte über die deutschen Goldreserven zu erhalten, blockten die Währungshüter ab – und erhitzen damit erst recht die Gemüter. Warum lagert ein großer Teil des deutschen Goldes im Ausland? Und wo genau liegt es überhaupt? Entweder wollten oder konnten die Währungshüter die Fragen der Skeptiker nicht beantworten. Bis jetzt.

Auf Druck des Bundesrechnungshofes und einzelner Politiker wird die Bundesbank einen Teil des Goldes nach Deutschland holen. Hier sollen die Barren eingeschmolzen werden, um die Menge und Echtheit des Edelmetalls zu überprüfen, sagte ein Bundesbanksprecher der Nachrichtenagentur „dapd“. Die Bundesbank ließ zunächst offen, wann und in welchem Umfang die Prüfung der Bestände stattfinden soll. Zugleich brachten die Währungshüter ihren Unmut zum Ausdruck, indem sie wissen ließen, der vom Rechnungshof gewünschte Prüfumfang entspreche „nicht den Usancen zwischen Notenbanken“.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Das Gold der Deutschen ist rund 144 Milliarden Euro wert und wiegt 3.396 Tonnen. Damit ist es so schwer wie rund 2600 Autos des Modells VW Golf. Weltweit verfügen nur die USA über größere Bestände. Nur ein kleiner Teil des Edelmetalls befindet sich in Deutschland, etwa 30 Prozent. Nach Angaben der Bundesbank lagert der Großteil des deutschen Schatzes in New York, bei der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed). Die Notenbanken Großbritanniens und Frankreichs verwahren ebenfalls kleinere Bestände davon. Doch nachgesehen, wie es wirklich um die Bestände bestellt ist, hat seit Jahren niemand mehr.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler würde nur zu gern nachsehen. Er hat bereits mehrfach über parlamentarische Anfragen und ein Rechtsgutachten mehr Aufklärung angemahnt. Ende 2010 fragte er bei der Bundesregierung nach, in welchen Abständen die Goldreserven „in Augenschein“ genommen würden und wann dies zum letzten Mal passiert sei. Die Bundesregierung antwortete, dass zuletzt am 11. Juni 2007 Bundesbankmitarbeiter bei der Fed in New York „die Tresoranlagen betreten und besichtigt“ hätten.

Im System der Papierwährungen, das seit den 1970er-Jahren besteht, ist Gold eigentlich überflüssig - schließlich kann die Zentralbank so viel Geld drucken, wie sie für nötig hält. Doch genau das ist das Problem. Die führenden Notenbanken haben in den vergangenen Jahren viel Geld gedruckt, um die Finanz- und Schuldenkrise einzudämmen. Mit jedem Dollar, Euro oder Yen, der in Umlauf kommt, wächst die Skepsis. Das Vertrauen in die Papierwährungen ist angekratzt.

Kommentare (54)

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Numismatiker

23.10.2012, 17:36 Uhr

Sag mir wo die Barren sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Barren sind,
was ist gescheh'n?
Sag mir wo die Barren sind,
die Amis stahlen sie geschwind.

Wann wird man je versteh'n?
Wann wird man je versteh'n?

(Frei nach einem Song der Friedensbewegung)

Gast

23.10.2012, 17:46 Uhr

Wahrscheinlich ist das Gold sicherer im Ausland als in der Nähe vom Steinbrück.

Account gelöscht!

23.10.2012, 17:46 Uhr

Es gab 2 Gründe warum das Gold ins Ausland geschafft worden ist. Als erstes, die Angst, dass man das Gold rauben kann, falls es zu einer militärischen Auseinandersetzung zur Zeiten des Kalten Kriegs kommen sollte(D wäre ja das Hauptkriegsfeld). Also schickte man es nach New York, London und Paris-bei den westlichen Verbündeten soll es angeblich sicher sein. Der zweite Grund war das Bretton Woods System-deswegen war es notwendig Gold ständig in den USA zu haben. Die USA haben Bretton Woods jedoch schon in den 70er aufgekündigt-somit gibt es keinen Währungspolitischen Grund die Goldreserven der BRD in New York zu lagern. Wenn man auch berücksichtigt, dass die jeweiligen Notenbanken und besonders die Fed es verbietet ihre Tresorräume für Besichtigung zu öffnen ist es dringend notwendig das Gold nach D zu holen. Sollte der Euro trotz alle Rettungsversuche implodieren, ist das Gold das einzige was hinter der neuen DM am Anfang stehen wird. Ich habe keine Ahnung ob es kriminell ist Staatsnleihen zu kaufen aber, dass die Bundesbank sich gegen eine Kontrole der Goldreserven setzt ist sehr, sehr fragwürdig.

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