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04.04.2006

14:20 Uhr

Finanzen

Ressourceneffizienz entscheidet über die Zeit, die uns bleibt

VonSusanne Bergius

Dennis Meadows vom Club of Rome, Zukunftsforscher und Mitautor von "Grenzen des Wachstums" beurteilt im Handelsblatt-Gespräch die Folgen des Wirtschaftswachstums, des Bevölkerungswachstums, des Klimawandels und der Erdölknappheit. Rückblick auf drei Jahrzehnte.

Ihr 30-Jahre-Rückblick klingt viel pessimistischer als 1972. Warum?

Weil die physischen Probleme doppelt so groß sind: Weltbevölkerung und Industrieproduktion haben sich verdoppelt, der Konsum hat viele Ressourcen zerstört, die Tragfähigkeit der Erde ist überschritten und der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen, selbst beim Wechsel auf vorindustriellen Energieverbrauch. Wir können aber – wenn wir schnell reagieren – Lösungen finden, um Nahrungsmittelknappheit, Umweltvergiftungen und Wirtschaftskrisen zu vermeiden.

Kritiker sagen, Ihre Prognosen seien nicht eingetreten und nicht realistisch.

Mich erstaunt, dass die Leute immer noch denken, wir hätten einen Kollaps prognostiziert. Das ist falsch! Wir haben nichts prognostiziert, sondern viele mögliche Szenarien aufgezeigt. In allen dauert das Wachstum bis ins 21. Jahrhunderts an. Bei unveränderter Wirtschaftsweise und materiellem Wachstum droht dann ein Zusammenbruch. Die Welt kann nicht sechs Milliarden Menschen ernähren, geschweige denn bei westlichem Konsumstandard.

Was ist zu tun? Wer hat die wichtigste Rolle: Regierungen, Unternehmen, Verbraucher?

Alle müssen einen viel längeren Zeithorizont haben und Kosten und Nutzen auf zehn, 15, 100 Jahre kalkulieren. Sie müssen entscheiden, dass es unakzeptabel ist, wenige Reiche und viele Arme zu haben – materielles Wachstum verursacht das aber. Die Zukunft bringt nicht Katastrophe oder Utopie, sondern man kann versuchen, es besser zu machen als es sonst wäre. Dafür müssen wir qualitatives Wachstum, so bei Bildung und Dienstleistungen, fördern, die Nutzung fossiler Energien drastisch reduzieren und ebenso Chemie in Lebensmitteln. Wenn wir die natürlichen Ressourcen zerstören, zerstören wir die Basis der Wirtschaft und vernichten Arbeitsplätze.

Ist Ressourceneffizienz die Lösung?

Ressourcen- und Energieeffizienz kann nicht alle Probleme lösen, aber sie ist entscheidend dafür, ob uns genug Zeit bleibt, um Lösungen für den Übergang zu anderen Wirtschaftsweisen zu finden.

Sind die vielen internationalen Initiativen keine positiven Signale?

Ja, aber das Wachstum ist so schnell, dass die Lage insgesamt schlimmer wird. Bei exponentiellem Wachstum sieht es lange Zeit so aus, als ob nichts passiert – da stehen wir noch – bis sich plötzlich die Lage drastisch wandelt. Anders als die Ölknappheit wird der Klimawandel plötzlich, binnen weniger Jahre eintreten, wie geologische Studien zeigen. Kyoto kann ihn nicht stoppen, aber ist wichtig, um die Leute dazu zu bringen, nach Lösungen zu suchen.

Was bedeuten Klimawandel und Erdölknappheit für Deutschland?

Die Konsequenzen sind enorm. Die globale Erdölproduktion wird im diesem oder kommenden Jahrzehnt ihr Maximum erreichen. Der Ölpreis wird teurer, und Energiegewinnung bindet zunehmend Kapital - zulasten andere Aktivitäten. Das setzt die deutsche Auto-orientierte Kultur unter Druck: Öl wird vor 2020 rationiert werden, denn es wäre politisch unkorrekt, wenn sich nur noch die Reichen Auto fahren leisten könnten. Andererseits steigen die Transportkosten so stark, dass es künftig wieder attraktiver sein kann, in Deutschland zu produzieren statt in China.

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