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10.03.2016

19:15 Uhr

Reuters-Umfrage

Ökonomen erwarten US-Zinsanhebung bis Jahresmitte

Im Dezember kündigte die Fed Zurückhaltung bei weiteren Zinsschritten an – doch bis Juni rechnen viele Volkswirte wieder mit einer Anhebung des Leitzinses. Grund dafür ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Mitte März treffen sich die US-Notenbanker, um über weitere Schritte der Geldpolitik zu beraten. AP

Fed-Chefin

Mitte März treffen sich die US-Notenbanker, um über weitere Schritte der Geldpolitik zu beraten.

BangaloreDie US-Notenbank (Fed) wird die Zinsen nach Ansicht der meisten Volkswirte bis Ende Juni anheben. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters taxierten die befragten Ökonomen die Chancen dafür im Schnitt auf 60 Prozent. Zudem erwartetet die Mehrheit der Fachleute eine weitere Erhöhung des Schlüsselzinses auf 0,75 bis 1,00 Prozent bis zum Jahresende von derzeit 0,25 bis 0,50 Prozent. Als Hauptgrund dafür wird die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt genannt.

Die Fed hatte nach der Zinswende vom Dezember Zurückhaltung bei der weiteren geldpolitischen Straffung signalisiert. Im Januar tastete sie den Schlüsselsatz zur Versorgung des Finanzsystems mit Geld nicht an. Die Währungshüter treffen sich Mitte März zur nächsten Sitzung. Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass die Fed auch dann das Zinsniveau beibehalten wird.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte dagegen am Donnerstag alle drei Leitzinsen herunter. Erstmals überhaupt senkte sie den Schlüsselsatz für die Geldversorgung des Bankensystems auf null. Sie weitete zudem ihr in Deutschland umstrittenes Anleihen-Kaufprogramm deutlich aus.

Von

rtr

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