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03.05.2013

07:24 Uhr

Rezension

Fürchtet Euch nicht vor Inflation

VonKatharina Schneider

Die Angst der Deutschen vor Inflation ist größtenteils irrational. Mark Schieritz räumt mit Mythen auf und erklärt, vor welchen „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ sich Anleger schützen müssen.

Viele Deutsche geraten beim Thema Inflation regelrecht in Panik. Getty Images

Viele Deutsche geraten beim Thema Inflation regelrecht in Panik.

DüsseldorfDie Angst der Deutschen vor der Inflation sitzt tief. Und sie ist beinahe so berühmt wie die oft beschriebene deutsche Gründlichkeit. Doch diese Angst ist nichts, womit man sich brüsten kann. Am Ende könnte sie genau das bewirken, was alle so sehr fürchten: den Verlust des eigenen Vermögens.

Dass die Menschen hierzulande eine besonders große Inflationsangst haben, lässt sich zum Teil mit der deutschen Geschichte erklären. Auf den ersten Weltkrieg folgte eine Hyperinflation. Zeitweise bekam man für eine Schubkarrenladung Geldscheine gerade mal ein Brot. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dann die Währungsreform.

Die Inflationslüge – der Autor

Aktuelle Tätigkeit

Mark Schieritz ist wirtschaftspolitischer Korrespondent der „Zeit“ in Berlin und beobachtet seit mehr als zehn Jahren das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten.

Ausbildung

Schieritz studierte ab der London School of Economics.

Werdegang

Nach dem Studium arbeitete er zunächst sieben Jahre bei der „Financial Times Deutschland“.

Preise

Schieritz wurde mit dem Ernst-Schneider-Preis der Industrie- und Handelskammer und dem Medienpreis der Keynes-Gesellschaft ausgezeichnet.

Wirtschaftsjournalist des Jahres

2011 wurde er von der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ für seine Berichterstattung über die Euro-Krise zu einem der Wirtschaftsjournalisten des Jahres gekürt.

Die Angst ums Geld, die viele Bürger aktuell umtreibt, ist jedoch übertrieben und basiert zum Teil auf weit verbreiteten Mythen. Das erklärt Wirtschaftsjournalist Mark Schieritz in seinem gerade veröffentlichten Buch „Die Inflationslüge – Wie uns die Angst ums Geld ruiniert und wer daran verdient“. Er räumt mit diesen Mythen auf. Sein Ziel: Nach der Lektüre soll der Leser zwischen einer echten und einer vermeintlichen Inflationsgefahr unterscheiden können.

Es gibt Aussagen, die hat jeder schon oft gehört, doch sie müssen deshalb nicht zwangsläufig richtig sein: Die Staaten fördern Inflation, um ihre Schulden abzubauen. Wenn die Notenbanken Geld drucken, steigen automatisch die Preise. Und hohe Preise gefährden den Wohlstand. Nein, sagt Schieritz, und er erklärt auch, warum. Dafür holt er zunächst ein bisschen aus und beschreibt kurz die Entstehungsgeschichte des Papiergeldes und der Notenbanken.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Was mit dem Geld passiert, das Notenbanken drucken, ist schnell erklärt: Dieses Geld können sich Banken bei der Zentralbank leihen. Sie müssen dafür mindestens den Leitzins zahlen. Und nach einer bestimmten Zeit müssen sie es wieder zurückzahlen.

Die Banken sichern damit beispielsweise Kundeneinlagen ab oder tauschen das Zentralbankgeld in Bargeld um, um dieses an ihre Kunden weiterzugeben. Diese Umwandlung betrifft aber nur einen Teil des Geldes. Deshalb sei es ein Mythos, dass die Zentralbank die Märkte unmittelbar mit Geld flutet.

Kommentare (132)

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Norbert

03.05.2013, 07:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

03.05.2013, 07:42 Uhr

Zu Brünings Zeiten war die große Nachfrage Auslöser der Inflation.Genau so war es.
Wir in Deutschland werden keine Inflation haben.Die Geldscheine mit einem X sich Deutsch.Die werden nicht inflationiert.Was mit dem Rest des Geldes passiert,kann uns egal sein.

DeutscherMichel

03.05.2013, 07:46 Uhr

wir Deutsche leben z.Z. wie Gott in Frankreich und z.T. auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit dank unseres Leistungsbilanzüberschusses exportieren (16 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit circa 17 Jahren)
2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
3. Den meisten Deutsche geht es besser als anderen EU-Bürger, außerdem ist es egal wie es den anderen EU-Ländern geht, und wenn in Griechenland, Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herrn Weidmann, Sarrazin, Stark bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
4. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wurde in den EU-Verträge nie vereinbart, also sollen die arme Länder immer ärmer werden und die reiche immer reicher. So verstehe ich die von der deutsch-französische Achse diktierte EU-Verträge.
5. Sollte uns etwa nicht passen dann können wir aus der EU und EURO austreten, wir werden nicht unbedingt gebraucht. Zur Zeit des Römischen Reiches hat Germanien auch nicht zu Europa gehört!

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