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26.08.2015

19:39 Uhr

Risiken bei der Geldanlage

Wie Eis in der Sonne

VonIngo Narat

Tiefe Zinsen sind gefährlich für das Vermögen. Deshalb warnt die Deutsche Bank mit einem Koloss aus Eis vor der schleichenden Enteignung. Wie die Geldmanager deutsche Sparer bekehren und diese ihre Altersvorsorge retten.

Die Ziffern aus Eis sollen Zinssparern das reale Abschmelzen ihres Vermögens visualisieren. PR

Schmelzendes Eis

Die Ziffern aus Eis sollen Zinssparern das reale Abschmelzen ihres Vermögens visualisieren.

FrankfurtMittwoch, 10 Uhr früh, Frankfurt-Innenstadt, Rossmarkt. Eine Ortsbegehung. Die Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank hat ein Spektakel angekündigt. Und da steht er tatsächlich, das Objekt der Neugierde.

Siebeneinhalb Tonnen wiegt der Block. Es ist eine zehn Meter lange und zwei Meter hohe Ziffernfolge: 2.016.000.000.000. So viel Euro haben die Deutschen an Zinsanlagen, etwa auf Girokonten, in Festgeldern und auf Sparbüchern. Die Deutsche Asset & Wealth Management, so der sperrige Name des Vermögensverwalters, hat sich das kalte Spektakel ausgedacht: die Ziffern und der Fußblock des Kolosses sind aus Eis.

„Like Ice in the Sunshine“, titeln die Anlageexperten dazu. Es soll anschaulich werden, wie das Kapital fast unmerklich verschwindet, wenn der Zins praktisch abgeschafft ist und die Inflation zusätzlich am Wert nagt. Das dauert Jahre. Mit den Eisziffern geht es schneller. Die beginnen auf dem Rossmarkt bei klarem Himmel und Sonnenschein sofort zu tropfen. Ein Security-Mann in Anzug und Sonnenbrille wacht darüber, dass niemand das gefrorene Werk mit den Händen berührt. Doch die Normalbürger gehen ohnehin wenig interessiert an der Skulptur vorbei.

Ähnlich ist es auch in der Wirklichkeit. Wir Deutsche reagieren bisher kaum auf die neue Welt der Nullzinsen. Vielleicht ändert sich das bald, wenn immer mehr begreifen was passiert. Denn das Vermögen wird noch lange schmelzen. Die Deutsche-Bank-Geldverwalter erwarten bis zu drei weitere Jahre tiefe Zinsen. Die Experten des Finanzhauses Main First lehnen sich sogar sehr weit aus dem Fenster und wagen die Prognose: Es dauert noch zwei Jahrzehnte – japanische Verhältnisse nennt man das in der Finanzbranche.

Wer klassisch fürs Alter anspart, der wird demnach scheitern. Ohne Zins kein Zinseszins, keine Geldvermehrung. Viele dürften am Lebensabend zu wenig in der Hinterhand haben. Altersarmut ist das Schreckenswort. Soweit darf es nicht kommen. Die Strategen der Deutsche-Bank-Anlagesparte propagieren deshalb auf dem Rossmarkt wie viele ihrer Konkurrenten: Bitte mehr Geld höher rentierlich anlegen. Im Mittelpunkt steht dann die Aktie.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Auf den ersten Blick scheint der Tag für so eine Werbeaktion schlecht gewählt zu sein. Allen steckt noch der Börsencrash vom Montag in den Knochen. Doch das ist nur ein winziger Zeitausschnitt. Man spart schließlich über viele Jahre und Jahrzehnte fürs Alter. Da fällt ein miserabler Tag oder eine schlechte Börsenphase nicht ins Gewicht.

Kommentare (11)

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Frau Ich Kritisch

26.08.2015, 19:59 Uhr

allem Anschein nach braucht man ganz dringend Käufer für doe aktien , bevor der große crash kommt.

Herr Roland Magiera

27.08.2015, 08:48 Uhr

Bei der gegenwärtigen Unpolitik der unfassbar inkompetenten und in wahrhaft allen Bereichen, außer der Selbstbereicherung, überforderten Bundesregierung, die nur noch ausgesucht dümmliche und realitätsfremde Phrasen drischt, ist die allerbeste Altersvorsorge eine Kapsel Zyankali.

Frau Ich Kritisch

27.08.2015, 09:18 Uhr

och nö.

Die beste Altersvorsorge besteht in einem Acker.
Wer dazu noch gute Kontakte zu nicht qualifizierten Menschen aufbaut, der wird im Alter sicherlich eine Arbeitskraft finden die den Acker umgräbt.

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