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08.01.2008

14:44 Uhr

Risikoaufschläge steigen

Bankenanleihen locken mit Rendite

VonAndrea Cünnen

Die perfekte Zeit zum Einstieg? Steigende Risikoaufschläge als Folge der Subprime-Krise machen Bankanleihen für viele Experten zu einem attraktiven Anlageobjekt. Die Meinungen sind jedoch nicht einhellig und die Anleger reagieren bisher zurückhaltend.

FRANKFURT. Die Anleihen von Banken bieten höhere Risikoprämien als während der Rezession in den Jahren 2001 und 2002. Das macht sie nach Einschätzung von Fachleuten für strategische Investoren interessant. „Es lässt sich nicht versprechen, dass jetzt ein perfekter Zeitpunkt für den Einstieg ist“, sagt Alexander Plenk, Analyst für Bankenanleihen bei Unicredit. „Für strategische Investoren, die zwischenzeitliche Kursverluste aussitzen können, sind Bankenanleihen aber attraktiv.“

Auch andere große Häuser wie Goldman Sachs, BNP Paribas oder JP Morgan raten dazu, Anleihen von Banken im Bondportfolio überzugewichten. Seit dem Sommer sind die Kurse von Bankenanleihen schwer unter Druck geraten. Im Gegenzug zogen die Renditen deutlich an, und die Risikoaufschläge haben sich im Vergleich zu sicheren Bundesanleihen verdreifacht. Herkömmliche, auf Euro lautende Bankenanleihen (Senior unsecured Bonds) bieten inzwischen im Durchschnitt 1,2 Prozentpunkte mehr Rendite als Bundesanleihen. Nachrangige Tier-1-Anleihen, die Banken auf ihr Eigenkapital anrechnen können, rentieren sogar 2,9 Prozentpunkte über sicheren Staatsbonds. Die Tier-1-Anleihen sind allerdings auch besonders riskant.

Der Auslöser für die in die Höhe schnellenden Risikoprämien waren die Folgen der Subprime-Krise um schwache private Hypothekenschuldner in den USA.

Banken haben die Subprime-Kredite über mit den Forderungen besicherte Anleihen und Geldmarktpapiere weitergereicht und mussten bislang rund 75 Mrd. Dollar auf sie abschreiben. Analysten fürchten weitere Abschreibungen über bis zu 225 Mrd. Dollar. Die Ratingagentur Moody’s warnte gestern, dass die Banken weitere Rückstellungen für die verbrieften Wertpapiere vornehmen müssten. Die Mischung aus Finanzinnovationen, Intransparenz und einem hohen Verschuldungsgrad sei „explosiv“.

„Das fundamentale Bild für die Banken bleibt düster, und die Risikoaufschläge der Bankenanleihen werden stark schwanken“, meint auch Unicredit-Analyst Plenk. Dennoch seien die Risikoprämien so hoch, dass keine nachhaltigen und wesentlichen Ausweitungen zu erwarten seien. Die Risikoaufschläge könnten nicht mehr unendlich steigen, dafür sei der Markt schlicht zu groß, und Investoren müssten früher oder später wieder einsteigen, heißt es auch bei der Royal Bank of Scotland (RBS). Banken sind nach der öffentlichen Hand die größten Schuldner im Euro-Raum und hatten Ende 2006 nach Daten der Europäischen Zentralbank Anleihen über 3 123 Mrd. Euro ausstehen. In den nächsten Monaten werden laut Analysten aber viele neue Bankenanleihen auf den Markt kommen, dies könnte zunächst die ausstehenden Papiere belasten.

„Vom Niveau her sind Bankenanleihen sicherlich attraktiv, aber viele Investoren halten sich noch zurück“, beobachtet Werner Fey, Fondsmanager bei Frankfurt Trust. Erst wenn die Banken im Februar und März ihre Jahresergebnisse vorlegen und es mehr Klarheit über die Auswirkungen der Subprime-Krise gebe, würden die Käufer zurückkommen, sagt Fey. Für strategische Investoren seien aber gerade die vorrangigen Bankenanleihen schon jetzt interessant. Auch Goldman Sachs, JP Morgan, BNP Paribas und RBS raten vor allem zu Senior Bonds.

Die Entwicklung von Tier-1-Anleihen hänge stärker an der Entwicklung der Aktienmärkte, von daher seien weitere Kursverluste wahrscheinlich, meint die RBS. Auch die Tatsache, dass Tier-1-Anleihen eine unendliche Laufzeit haben, verunsichert. Die Banken können die Anleihen zwar vorzeitig tilgen. Wenn sie dies nicht tun, erhöhen sich die Zinszahlungen. Die Tilgung lohnt sich für die Institute aber nur, wenn sie nicht für neue Bonds noch höhere Kupons als für die ausstehenden Papiere zahlen müssen. Zudem hängen die Kuponzahlungen bei Tier-1-Bonds meist davon ab, ob die Banken Bilanzgewinne ausweisen oder Dividenden zahlen.

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