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12.03.2013

11:51 Uhr

Riskante Wette

Die Bundesbank wird zur Spielbank

VonJan Mallien

Der Bundesbank-Gewinn fällt geringer aus als geplant. Schuld sind riskante Geschäfte im Auftrag der EZB, für die die Bundesbank hohe Rückstellungen bildet. Wenn sie aufgehen, winken Gewinne. Sonst drohen hohe Verluste.

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Schuldenkrise belastet Bundesbank

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DüsseldorfWas waren das noch für Zeiten für die Bundesbank. Umgerechnet 12,1 Milliarden Euro Gewinn machte sie 1997. Das ist exakt 18,2 Mal so viel wie 2012. Auch wenn man berücksichtigt, dass etwa die Hälfte des damaligen Rekordgewinns auf eine Neubewertung der Devisenreserven zurückzuführen war: Verglichen mit 1997 sind die heutigen Zahlen erbärmlich.

Gerade mal 664 Millionen Euro überweisen Deutschlands Währungshüter in diesem Jahr nach Berlin. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte im Haushalt mit 1,5 Milliarden Euro bereits konservativ geplant, bekommt aber jetzt weniger als die Hälfte davon aus Frankfurt überwiesen.

Der Grund für den mickrigen Gewinn sind vor allem die hohen Rückstellungen in Höhe von 6,7 Milliarden Euro, mit denen sich die Bundesbank gegen mögliche Folgen der Euro-Krise wappnet. „Trotz deutlich gestiegener Zinserträge ist der Gewinn kaum gestiegen, weil die Risikovorsorge nochmals kräftig aufgestockt wurde“, erklärte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Bereits 2010 und 2011 hat die Bundesbank ihre Wagnisrückstellungen deutlich erhöht: 2009 lagen sie noch bei 1,9 Milliarden Euro – heute sind es 14,4 Milliarden Euro.

Der Instrumentenkasten der EZB

Die EZB soll's richten

Wieder einmal blicken alle in der Euro-Schuldenkrise gebannt nach Frankfurt: die Europäische Zentralbank (EZB) soll es im schlimmsten Fall richten, mit ihrem Waffenarsenal intervenieren und so die Märkte beruhigen.

Die Mittel der EZB

Zwar streiten sich Fachleute und auch die Notenbanker darüber, wie effektiv, nachhaltig und sinnvoll weitere Eingriffe der Geldpolitik sein könnten. Fest steht aber: die EZB verfügt als einzige Institution über einen gut gefüllten und theoretisch sofort verfügbaren Instrumentenkasten, um angeschlagenen Banken unter die Arme zu greifen, Institute im Falle eines Bank-Runs mit neuem Geld zu schützen und durch ihre Finanz-Feuerkraft wenigsten für eine begrenzte Zeit wieder für Ruhe an den Börsen zu sorgen.

Liquiditätssalven für das Finanzsystem

Vor dem Wahlsonntag in Athen verdichten sich die Hinweise, dass die großen Notenbanken der Welt gemeinsame Sache machen und die Märkte mit Geld fluten könnten. Eine solche konzertierte Aktion der Zentralbanken gab es schon einmal - Anfang Oktober 2008, kurz nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers, als weltweit die Finanzströme zu versiegen drohten.
In der aktuellen Krise rund um die Überschuldung Griechenlands und anderer südeuropäischer Länder hat bislang nur die britische Notenbank angekündigt, dass sie gemeinsam mit dem Finanzminister in London ihren Bankensektor zum Schutz vor aus Griechenland überschwappenden Problemen mit 100 Milliarden Pfund fluten will. Am Freitag sorgte die Aussicht auf eine gemeinsame Intervention der Zentralbanken zunächst für bessere Stimmung an den Märkten.

Senkung des Leitzinses unter 0,75 Prozent

Aktuell steht der Leitzins der EZB bei 0,75 Prozent. Die Notenbank kann natürlich jederzeit an dieser in normalen Zeiten wichtigsten Stellschraube drehen. Es wäre ein historischer Schritt: Noch nie seit Bestehen der Währungsunion lag der Schlüsselzins für die Versorgung des Finanzsystems mit frischer Liquidität niedriger.
Allerdings nimmt der Spielraum der EZB mit jeder weiteren Leitzinssenkung ab - schließlich rückt damit die Nulllinie unausweichlich immer näher. Fachleute erwarten, dass die Zentralbank mit weiteren Zinssenkungen so lange wartet wie nur möglich, um für den Fall echter Verwerfungen an den Finanzmärkten, wie sie etwa bei einem Austritt der Griechen aus der Euro-Zone drohen würden, noch Munition zu haben.

Absenken des Einlagezinssatzes auf Null

Um den Geldmarkt wiederzubeleben und die Banken zu ermuntern mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben, könnte die EZB den sogenannten Einlagezinssatz auf null Prozent kappen. Dieser Zins liegt aktuell bei 0,25 Prozent. Das bedeutet, dass Banken, die keiner anderen Bank mehr trauen, immerhin noch Geld dafür bekommen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Bei einem Einlagezinssatz von einem Prozent entfiele der Anreiz dies zu tun. Doch ob die Banken der EZB den Gefallen tun oder das Geld dann lieber horten, ist fraglich. Aktuell parken sie jedenfalls knapp 800 Milliarden Euro in Frankfurt.

Weitere Langfrist-Refinanzierung der Banken

Im Dezember und im Februar ist es der EZB gelungen, mit zwei jeweils drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäften die Gemüter der Banker wenigstens für eine Zeit lang zu beruhigen. Damals sicherten sich die Geldhäuser insgesamt rund eine Billion Euro bei der Zentralbank zum Billigtarif von nur einem Prozent.
Einige Experten glauben, dass weitere langlaufende Geschäfte dieser Art das durch die Unsicherheit über die Zukunft der Euro-Zone untergrabene Vertrauen wieder zurückbringen könnten. Die Banken, die sich um den Jahreswechsel bei der EZB bedient haben, sind allerdings ohnehin bis mindestens Ende 2014 abgesichert. Außerdem kann jede Bank darüber hinaus bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften der Notenbank aus dem Vollen schöpfen.

Weitere Erleichterungen für das Bankensystem

Damit den Banken die Sicherheiten nicht ausgehen, die diese als Pfand bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank stellen müssen, kann die EZB weitere Erleichterungen bei den Anforderungen beschließen. Sie kann dabei auch selektiv nach Ländern vorgehen, um gezielter zu helfen. Allerdings sind Erleichterungen bei den Sicherheiten immer auch ein Politikum, weil dadurch die Risiken steigen, die die Zentralbank durch die Refinanzierung in ihrer Bilanz ansammelt. Im Fall der Fälle müssten diese von den Steuerzahlern der Mitgliedsländer getragen werden.

Erneuter Start der Staatsanleihenkäufe

Die EZB hat seit Mai 2010 Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder für mehr als 200 Milliarden Euro gekauft. Das im Fachjargon SMP (Securities Markets Programme) genannte Programm ist wegen seiner möglichen Nebenwirkungen in Deutschland und einigen anderen nord- und mitteleuropäischen Ländern umstritten. Es ruht derzeit, kann allerdings jederzeit wieder vom EZB-Rat in Kraft gesetzt werden.
Ob es allerdings noch seine erhofften positiven Wirkungen am Bondmarkt entfalten kann, ist unklar. Wegen der Erfahrungen bei der Umschuldung Griechenlands im Frühjahr dürften wenige private Investoren wie Banken oder Versicherungen der EZB folgen und wieder in den Markt gehen, weil sie fürchten, dass die Zentralbank erneut einen Sonderstatus als Gläubiger durchsetzen könnte, wie sie es im Fall Griechenland getan hat.

Zusätzlicher Kauf anderer Wertpapiere

Theoretisch kann die EZB neben Staatsanleihen auch andere Arten von Wertpapieren kaufen und auf diese Weise Geld schaffen: zum Beispiel Bankschuldverschreibungen, Aktien und Unternehmensanleihen. Während der Ankauf von Bank Bonds eine durchaus denkbare Möglichkeit wäre, Liquidität bei den Banken zu schaffen, scheinen andere Wege wenig erfolgversprechend. So könnte die EZB wohl schlecht erklären, warum sie etwa Aktien von Banken kauft, nicht aber von Auto- oder Chemiekonzernen. Oder sie setzt sich dem Verdacht aus, der einen Bank mehr Aktien abzukaufen als anderen oder zum Beispiel spanische Institute deutschen oder österreichischen Banken vorzuziehen.

Weitere Reduzierung der Mindestreserveanforderung

Theoretisch kann die EZB auch ihre Anforderungen an die Mindestreserve der Banken, die diese bei ihr halten müssen, absenken. Sie hat dies um den Jahreswechsel bereits getan und den Satz ihrer gesamten Einlagen, den jede Geschäftsbank bei ihr parken muss, von zwei auf ein Prozent halbiert. Dadurch hatte sie damals eine Summe von rund 100 Milliarden Euro für die Banken freigemacht. Ein solcher Schritt würde es für Banken in Südeuropa, die wohl am ehesten unter einer Kapitalflucht leiden würden, leichter machen, Mittel flüssig zu halten.

Die Bundesbank bildet die hohen Rückstellungen, weil sie in der Euro-Krise unfreiwillig zur Spielbank geworden ist. Sie musste im Auftrag der EZB Anleihen der Euro-Krisenländer kaufen. Insgesamt ließ die EZB über ihr Anleihekaufprogramm SMP bis Mai 2012 Anleihen der Euro-Krisenländer in Höhe von 214 Milliarden Euro kaufen. Die Bundesbank beteiligte sich daran in etwa entsprechend ihres EZB-Kapitalanteils von 27,1 Prozent. Außerdem hat die EZB ihre Sicherheitsanforderungen für Kredite an Banken aus dem Euroraum heruntergeschraubt. Um Geld von der Zentralbank zu bekommen, müssen die Banken nur noch sehr geringe Sicherheiten hinterlegen. Beides sind riskante Wetten.

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Kommentare (13)

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Account gelöscht!

12.03.2013, 12:24 Uhr

Die Rücklagen sollten besser in Pfeifentabak angelegt und geraucht werden.
Da die EZB entweder zahlungsunfähig wird oder wertloses Geld druckt, sind die Rücklagen in jedem Falle weg, wenn die Forderungen an die EZB sich in Luft oder in Inflationsgeld auflösen.

Pequod

12.03.2013, 12:32 Uhr

Jahresabschluß EZB 2012
------------------------
Im Rahmen eines standardisierten Wertpapierleihprogramms
abgewickelten befristeten Transaktion und Wertpapierleih-
geschäftes sind nur dann bilanzwirksam, wenn Banksicher-
heiten auf einem Konto der EZB hinterlegt werden. Dies
war im Jahr 2012 bei keiner derartigen Transaktion der
Fall!
In welcher Billionenhöhe spielt sich inzwischen der
nicht bilanzierte Ankauf von faulen Staatsanlehen der
EZB ab? So dürfte der Verdacht nahe liegen, da keine
Revision in dieser Richtung vorliegt, daß sich die EZB
bereits im Stadium der Insolvenz befindet, da diese
Summen bereits das Eigenkapital der EZB weit über-
schreiten dürften!

A_H

12.03.2013, 12:57 Uhr

Die Politik spekuliert mit dem Wohl des Volkes. Sch... Spekulanten!!!

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