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27.08.2012

13:34 Uhr

Robert Halver im Interview

„Die Bundesbank würde den Euro in zwei Wochen zerlegen“

VonSascha Grundmann
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Robert Halver ist das Fernsehgesicht der Baader Bank. Im Interview spricht er über die Folgen der Euro-Krise, die Angst der Deutschen vor Inflation - und über verbal-erotische Bekenntnisse von mächtigen Notenbankern.

Robert Halver, das Fernsehgesicht der Baader Bank. dpa

Robert Halver, das Fernsehgesicht der Baader Bank.

Herr Halver, der Dax hat jüngst erstmals seit dem Frühling wieder einen Satz über 7.000 Punkte gemacht – und das, obwohl viele Experten das im Vorfeld für unwahrscheinlich gehalten hatten. Wie erklären Sie sich die Zuversicht der Investoren?

Robert Halver: Zunächst haben die Anleger verstanden, dass EZB-Chef Mario Draghi eine Lebensversicherung für die Eurozone abgegeben hat: Man wird die Eurozone nicht kollabieren lassen. Noch nie hat ein EZB-Präsident diese Bereitschaft so klar gemacht. Wir haben es schon lange nicht mehr mit einer bundesbank-orientierten Geldpolitik der EZB zu tun. Es mag zwar offiziell Bundesbank auf der Verpackung der EZB stehen, de facto steckt aber US-Notenbankpolitik drin. Ich würde sogar von einem Blankoscheck der EZB sprechen. Von der Fed lernen, heißt siegen lernen könnte man formulieren. Daran ändern auch die verbal-erotischen Bekenntnisses der EZB-Banker zur Stabilitätspolitik nichts. Man muss zwischen den Zeilen lesen. Die italienisierte EZB wirkt inflations- und liquiditätstreibend wie eine Streicheleinheit für Aktien. Und wenn es Brei regnet, muss der Anleger eben einen Löffel dabei haben.

Draghi äußert sich pro, Politiker aus Ländern wie den Niederlanden und Finnland aber contra Griechenland. Was kann überhaupt noch verhindern, dass diese ständig wechselnden Standpunkte aus der Unsicherheit an der Börse eine unendliche Geschichte machen?

Die griechische Frage stellt den emotionalen Fokus dar. Die Finanzmärkte fragen sich, wie die Euro-Politik mit Problemen großer Schlachtschiffe wie Spanien und Italien fertig werden will, wenn man schon für das vergleichsweise kleine Griechenland keine vernünftige Lösung findet. Diese Kakophonie der politischen Meinungen, dieses Rein-in-die-Kartoffeln-raus-den-Kartoffeln hat zu einem internationalen Vertrauensschaden hinsichtlich Euroland und seiner Lösungsfähigkeit geführt. In Amerika und Großbritannien hat man zu Beginn des Jahrtausends richtig Respekt vor der Eurozone gehabt – heute kursieren Witze über Politiker, die ich hier nicht nennen möchte.

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Der bekannte Investor ist davon überzeugt, dass die Schuldenkrise in Europa eskaliert. Aber nicht nur dort. Auch den USA drohen Ungemach, sagt Rogers. Deutschen Investoren rät er zu einer radikalen Anlagestrategie.

Was sollte also passieren?

Man sollte Nägel mit Köpfen machen. Es bringt keine substanzielle Verbesserung der politischen Situation, wenn man wie verliebte Teenager fragt: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht – bleiben die Griechen drin oder gehen sie raus. Sie sollten auch im eigenen Interesse die Eurozone verlassen können, um über Abwertung wieder wirtschaftlichen Wind unter die Flügel zu bekommen. Wir werden ohnehin weiterhin für Griechenland zahlen. Das Land braucht eine Startfinanzierung, nachdem es die Drachme wieder einführt, und es braucht Investitionen, um als Produktionsstandort wieder interessanter zu werden. Zunächst gibt es also keine finanzielle Entlastung für uns, aber unsere Mittel fallen dann auf wirtschaftlich fruchtbareren Boden. Und mit einer schwächeren Währung – der neuen Drachme – hat Griechenland zumindest die Chance, seine Hausaufgaben zu machen.

Die Politik hat allerdings in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, dass sie einen Rausschmiss Griechenlands aus dem Euro für wesentlich teurer hält als eine Rettung.

Ich bin nicht naiv und weiß natürlich, dass ein Grexit, ein Austritt Griechenlands, kein Kindergeburtstag wird. Dann werden neben den privaten auch die öffentlichen Gläubiger zur Kasse gebeten. Aber man kann argumentieren: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Kommentare (31)

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beobachter

27.08.2012, 14:00 Uhr

mich wundert, dass bei dieser analyse die konsequenzen für den steuerzahler, und dass heißt für die mehrzahl der rentner und arbeitnehmer in form steigender preise bei gleichbleibendem einkommen wenn nicht gar sinkendem einkommen ausgeblendet werden. das szenario basiert doch auf der annahme, dass auch künftig der wähler die vorhandenen parteien wählt und sich wohl damit weiter in das eigene fleisch schneidet, gerade auch vor dem hintergrund des demographischen wandels.

Account gelöscht!

27.08.2012, 14:08 Uhr

Der Redakteur, der die Überschrift verfasst hat, sollte vielleicht nochmal den Artikel lesen. Herr Halver hat schon etwas anderes formuliert.

Edelzwicker

27.08.2012, 14:13 Uhr

Solange keine Bankenkontrolle und EU-Durchgriffsrechte in Verbindung mit einer Fiskalunion unter Dach und Fach sind, kann Draghi gar nicht anders, als sich der Meinung der europäischen Regierungsschefs der Geberländer in der Tendenz anzuschließen. Dass diese Union sehr, sehr lange Zeit benötigt, falls sie überhaupt jemals zustande kommen sollte, dürfte allen Beteiligten klar sein. Also wird man jetzt gar keine andere Möglichkeit haben, als Griechenland aus der Euro-Zone zu entlassen, damit - wie oben gesagt - Schwergewichte wie Italien und Spanien nicht ins Trudeln geraten. Aber: Die Griechen müssen RAUS!

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