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15.02.2016

12:56 Uhr

Robert Halver zur Zukunft der Börsen

„Wir haben uns viel zu lange an billigem Geld gelabt“

VonJürgen Röder

Kapitalmarktexperte Robert Halver erklärt im Interview, warum die Börsianer derzeit jegliches Risiko scheuen – trotz der keineswegs schlechten Lage. Und er nennt die einzige mögliche Alternative zur laxen Geldpolitik.

Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, im Handelssaal der Frankfurter Börse. dpa

Robert Halver

Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, im Handelssaal der Frankfurter Börse.

DüsseldorfRobert Halver ist ein waschechter Rheinländer und behält trotz der aktuell schwierigen Lage an den Märkten dennoch seine rheinische Frohnatur. Unabhängig von seinen amüsanten Vergleichen, liegt der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank mit seinen Prognosen oft richtig. Bereits vor einem Jahr glaubte er, das in den kommenden Monaten über eine Abschaffung des Bargeldes diskutiert werde.

Lieber Herr Halver, Ihrer Meinung nach riecht das Kapitalmarktjahr 2016 nach Finanzkrise 2008? Warum?
Es ist ja nicht nur das Thema Öl oder Konjunktur, sondern leider auch wieder die Bankenkrise. Auch die europäischen Banken haben Anleihen von US-Fracking-Unternehmen gekauft. Das ist verständlich, weil die gegenüber Staatsanleihen attraktive Renditen boten. Fracking war damals eine sinnvolle Alternative zum Opec-Öl. Jetzt stehen die Banken aber angesichts des rasant gefallenen Ölpreises vor dem Problem, dass schätzungsweise ein Drittel dieser Anleihen akut ausfallgefährdet sind. Und das ausgerechnet jetzt in einer Situation, in denen es den Banken aufgrund massiver regulatorischer Vorschriften ohnehin nicht gut geht.

Aber reicht das schon?
Wo eine Bankenkrise schwelt, ist auch der Geruch von Staatsschuldenkrise nicht weit weg. Interessanterweise stellen wir fest, dass die Flucht in Qualitätspapiere dafür sorgt, dass deutsche Staatspapiere bei der Rendite wieder in Richtung Allzeittief fallen. Aber in anderen Ländern wie Portugal und Spanien, Italien und Griechenland sieht man Staatspapiere kritischer. Eigentlich ist das absurd, da die EZB mit ihrem Programm mehr Papiere aufkauft als neue Schulden dazukommen. Daran erkennt man die augenblickliche hohe Unsicherheit. Von daher riecht es ein wenig nach 2008.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Wird dieser Ausverkauf an den Märkten eigentlich von den Konjunkturdaten untermauert?
Nein, die Lage ist besser als die Stimmung. Der Schwanz wedelt sozusagen mit dem Hund.

Wenn die Stimmung deutlich schlechter als die Lage ist: Preisen die Märkte einen Zerfall der Eurozone aufgrund der Flüchtlingsproblematik ein?
Wir leiden unter Eurosklerose. Europa funktioniert nicht. Das zeigt sich in der unsolidarischen Bewältigung der Flüchtlingskrise. De facto steht es hier 27:1 gegen Deutschland. Damit ist Europa in der größten Krise seitdem es die EU gibt. Es ist ein schlimmes Armutszeugnis, dass die EU die eigenen Außengrenzen nicht schützen kann, sondern die Hilfe der Türkei braucht.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

15.02.2016, 13:16 Uhr

WARUM DIE BÖRSEN SO ANFÄLLIG SIND
„Wir haben uns viel zu lange an billigem Geld gelabt“

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Die Europäische Union kann nicht mit Geld richtig umgehen !

Man spielt mit dem Euro innerhalb der Welt-Wirtschaftsmärkte als wenn man sich am Spieltisch im Kinderzimmer sich befinden würde !

Die Europäische Gemeinschaft ist UNFÄHIG DIE EU-ARBEITSLOSIGKEIT ZU BEENDEN oder zu mindestens zu stoppen !!!!!

Die EU in BRÜSSEL IST ZU TEUER und ZU UNRENTABEL als auch UNMORALISCH...

von 500 Millionen Menschen in Europa verlangt die EU unmögliches wozu aber die Politik in Brüssel selbst nicht bereit ist mit eigenem Guten Beispiel voran zu gehen !!!!!

DER EURO WIRD ZUM ERSATZGELD FÜR KINDER SPIELE...

weil es billiger ist echte Euros in die Spiele einzupacken als Spielgeld herzustellen.

Mit Real Wirtschaft oder mit Real Ökonomie hat es schon lange nichts mehr zu tun was Brüssel als Theatralisches Trauerspiel uns Europäer vorführt !!!!!

Dabei schafft die EU das gegenteil herbei als das was die EU herbei schaffen sollte.

Die EU ist bedacht worden um den FRIEDEN IN EUROPA SICHER ZU STELLEN...

als auch den FORTSCHRITT FÜR EUROPA HERBEI ZU BRINGEN...

ABER DIE EU SCHAFFT NUR ENTTÄUSCHUNGEN...UND STÄNDIG NEUE BÜHNEN FÜR FASCHISTEN, KOMMUNISTEN UND TERRORISMUS!


EU...WOZU DIENST DU ????

Rainer von Horn

15.02.2016, 13:17 Uhr

Ja, Wohlstand kann man nicht drucken, Wohlstand muss erarbeitet werden. Und eine laxe Geldpolitik kann die Symptome einer schwächelnden Wirtschaft eine Zeitlang übertünchen, aber nicht wirksame Wirtschaftspolitik ersetzen. Und bedenklich ist, wenn Konkurse nicht mehr zugelassen werden können, weil das dann das Gesamtsystem gefährden würde. Dann setzt die Geldpolitik durch Niedrigstzinsen falsche Anreize und es entstehen Blasen, die wieder zu Fehlallokation führen, die zu Fehlinvestments werden, die dann eigentlich bereinigt werden müssten - wenn man es noch könnte. Ausweg: Währungsreform. Soweit gebe ich herrn Halver recht.
"Nur: Deutschland hat vom Euro am meisten profitiert." Diese Aussage ist für meinen Geschmack zu allgemein. Profitiert haben in erster Linie die deutschen Konzerne und deren Eigentümer. Der im Verhältnis zur DM schwächere Euro und das in den ersten Jahren der Währungsunion gesehene Kreditfeuerwerk zur Konjunkturbelebung in der Peripherie hat zu einer Sonderkonkjunktur für die deutsche Industrie geführt - an dem die Arbeitnehmer durch die Schröder-Agenda nicht adäquat beteiligt wurden (siehe Entwicklung der deutschen Lohnstückkosten in der Währungsunion!). Und es werden wohl dieselbenmArbeitnehmer und deren Nachkommen sein, die die eingegangenen Verpflichtrungen aus Euro-Bürgschaften, Bankenrettungspaketen und Target-Salden in Zukunft aus ihren Abgaben bezahlen dürfen.
PS: Sicher, wir haben die Wechselgebühren beim Urlaub gespart. Natürlich sind das auch "horrende" Beträge :-).....

Account gelöscht!

15.02.2016, 13:21 Uhr

Was heißt denn "Billiges Geld"....das Geld kann entweder einen Wert und damit Allgemeinen Wohlstand oder das Geld wird gedruckt und dient keiner Wert Schaffung sondern nur der Umverteilung und der Vermehrung OHNE Mehrwert Schaffung = Leistung.
Was wir schon seit Jahren erleben ist eine Grün-Sozialistische Ökologie-Wirtschaftspolitik, die uns als Marktwirtschaft = Gesellschaft mit Gesetzen und Verordnung bevomundet. Die Grüne-Lobbypolitik einer CO2 freien Gesellschaft geht genau aus diesen Grund zu Lasten einer Gesellschaft und damit wird nach und nach die geschaffenen Werte einer Marktgesellschaft mit Gesetzen wie dem EEG oder der Energieeinsparverordnung und einen CO2 Verbot entwertet

In einem Grün-Sozialistsichen Umverteilungssystem einer CO2 freien Ideologiewelt gibt es eben KEINE WERTE-SCHAFFUNG. Die wirtschaftliche Wertschöpfungskette und damit unser aller Fortschritt und Wohlstand basiert nun mal auf einer CO2 WELT.
Eine CO2 freie Gesellschaft wird nur mit Subventionen einer politischen Ideologie zu haben sein. Laufen diese Subventionen aus, wird der Mangel und die Armut voll durchbrechen.
Und die Subventionen können nur noch solange gezahlt werden solange die Marktwerte einer CO2 Gesellschaft noch bestand haben.

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