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18.05.2017

06:35 Uhr

Robo-Advisor

Comdirect startet digitalen Anlage-Service

VonKatharina Schneider

Als eine der ersten Banken in Deutschland startet die Comdirect an diesem Donnerstag einen eigenen Robo-Advisor. Bei dem digitalen Angebot kann der Kunde aus drei Beratungsstufen wählen. Wirklich neu ist aber nur eine.

Am 18. Mai startet der Robo-Advisor der Direktbank. Screenshot

Comdirect-Homepage

Am 18. Mai startet der Robo-Advisor der Direktbank.

FrankfurtDie deutschen Sparer von einer Anlage in Aktien zu überzeugen, gilt als Herkulesaufgabe. Studien zeigen, dass die Unternehmensbeteiligungen hierzulande von vielen Menschen als riskante Zockerpapiere abgestempelt werden. Dennoch schießen seit ein paar Jahren sogenannte Robo-Advisors mit ihren Wertpapierdepots wie Pilze aus dem Boden.

Ihr Kalkül, sie wollen sich eine weitere typische Eigenschaft der Deutschen zunutze machen: Die Bundesbürger beschäftigen sich nur ungern mit Finanzen – Hilfe könnte also gerade recht kommen. An diesem Donnerstag startet auch die Comdirect einen digitalen Anlage-Service. „Cominvest“ gibt es in drei Varianten, vom Anlageassistent bis zur Vermögensverwaltung. Es soll ein „Angebot für jedermann“ sein und ist ab einer Anlagesumme von 3000 Euro nutzbar.

Der Trend zum Robo-Advisor kommt aus den USA. Die bekanntesten Anbieter dort heißen Betterment und Wealthfront und verwalten Vermögen in Höhe von mehr als sieben und mehr als fünf Milliarden Dollar. In Deutschland gibt es rund 20 Nachahmer, doch ihr Anlagevolumen ist noch deutlich geringer. Der Münchener Robo Scalable Capital hat kürzlich die Grenze von 200 Millionen Euro durchbrochen und dürfte damit einer der größten Anbieter sein – viele schweigen zu ihrem verwalteten Vermögen.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Die Grundidee der Online-Plattformen ist immer gleich: Sie automatisieren Prozesse, nutzen günstige Anlageprodukte wie ETFs – also Index-Fonds – und stehen so schon zu vergleichsweise niedrigen Gebühren und für eher kleine Vermögen von teils weniger als 10.000 Euro zur Verfügung.

Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der Comdirect, ist überzeugt, dass „die Zukunft der Geldanlage digital ist“. Seine Direktbank ist nun eines der ersten Geldhäuser in Deutschland mit eigenem Robo-Advisor. Wenn sich das System bewährt, soll auch die Commerzbank darauf zurückgreifen dürfen.

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