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30.12.2011

11:27 Uhr

10 Jahre Euro-Bargeld

Totgesagte leben länger

VonAnnika Williamson

Der Euro wird zehn Jahre alt. Trotz Schuldenkrise ist der Euro heute stärker als bei seiner Einführung, die Furcht vor dem Teuro war weitgehend unbegründet. Und trotzdem melden sich die Kritiker immer wieder zu Wort.

Tschüss D-Mark: Am 1. Januar 2002 wurde der Euro auch als Bargeld eingeführt. dpa

Tschüss D-Mark: Am 1. Januar 2002 wurde der Euro auch als Bargeld eingeführt.

DüsseldorfWährend die einen in der Neujahrsnacht 2002 noch Raketen zünden, stehen andere am Geldautomat bis auf die Straße Schlange. Nicht, dass es am 1. Januar groß Gelegenheit gäbe, Geld auszugeben. Doch alle hoffen, dass der Automat anstatt D-Mark-Scheinen schon die neuen bunten Euronoten ausspuckt. Die meisten haben Glück: Acht von zehn Bankautomaten haben laut EU-Kommission den Wechsel zum neuen Bargeld schon am ersten Tag geschafft.

Das ist jetzt zehn Jahre her. Seinen Geburtstag feiert der Euro nicht in bester Verfassung. Nicht nur Griechenland, sondern auch größere Schuldenstaaten belasten die Währungsunion. Viele Anleger ergreifen die Flucht. Zum japanischen Yen notiert der Euro auf einem Zehn-Jahrestief, zum US-Dollar so tief wie seit 15 Monaten nicht.

Der Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, zieht eine ernüchternde Bilanz: „Das Euro-Experiment ist ziemlich schiefgegangen. Die Befürchtungen, die die Euro-Gegner - zu denen ich nicht gehörte - hatten, haben sich in einer Schärfe und Intensität bewahrheitet, die ich nicht für möglich gehalten hätte“, sagte Sinn dem „Münchner Merkur“.

Offenbar haben viele befürchtet, dass Europa noch nicht bereit war für das Projekt Gemeinschaftswährung. „Der Euro ist wie ein ungeborenes Kind: Niemand weiß, ob es ein Genie oder ein Dummkopf wird“, sagte der mittlerweile verstorbene Börsenguru André Kostolany. Ein ähnliches Bild wählt Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder im Wahlkampf 1998: „Der Euro ist eine kränkelnde Frühgeburt.“

Die Chronologie des Euro

1. Juli 1987

Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.

7. Februar 1992

Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.

1. November 1993

Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU). Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.

16. und 17. Juni 1997

Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die „europäische Seite“ für die Münzen.

25. März 1998

Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.

1. bis 3. Mai 1998

Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.

31. Dezember 1998

Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.

1. Januar 1999

Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.

4. Januar 1999

Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.

Juli 1999

Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.

1. Januar 2001

Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.

1. September 2001

Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.

1. Januar 2002

Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.

1. März 2002

Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.

1. Mai 2004

Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

1. Januar 2007

Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.

1. Januar 2008

Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.

1. Januar 2009

Die Slowakei führt den Euro ein.

Frühjahr 2010

Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.

1. Januar 2011

Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.

April 2011

Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

Sommer 2011

Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

Herbst 2011

Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken.

Frühjahr 2012

Die Eurogruppe einigt sich auf eine Stärkung ihrer Rettungsschirme auf maximal 800 Milliarden Euro. Die spanische Regierung beschließt das größte Sparpaket seit Wiedereinführung der Demokratie im Jahr 1977 in Höhe von 27 Milliarden Euro.

Sommer 2012

Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

1. Januar 2017

Der Euro wird 15 Jahre alt. Doch es gibt wenig zu feiert. In der großen Koalition wächst die Sorge vor einer neuen Euro-Krise - und das ausgerechnet im Wahljahr 2017. Die Krisenherde: Italien, Griechenland, Portugal und Frankreich. Die gute Lage in Deutschland gilt dagegen unter Experten als Sonderfall.

Immer wieder haben sich auch Skeptiker zu Wort gemeldet, die das Ende der gemeinsamen Währung prophezeiten. Besonders die Briten, die bei ihrem Pfund geblieben sind, geben hämische Bemerkungen zum Besten. „Bitte genießen Sie den zehnten Geburtstag des Euros, denn ich bezweifle sehr, dass Sie auch den zwanzigsten feiern werden“, sagte Nigel Farage, Parteichef der britischen United Kingdom Independence Party, bereits vor zwei Jahren zum zehnten Jahrestag der (bargeldlosen) Einführung der Gemeinschaftswährung.

Der Euro ist in den vergangenen zehn Jahren immer wieder totgesagt worden, immer wieder gab es Pannen – und doch hat der Euro überlebt. Immerhin, er ist heute in aller Munde. 2001 war das noch nicht so: Zehn Monate vor Einführung des Euro-Bargeldes (aber schon lange nachdem der Euro zum ersten Mal am Devisenmarkt gehandelt wurde) wussten laut Forschungsinstitut Emnid gerade einmal die Hälfte der Bürger, dass der Euro Anfang 2002 kommen würde.

Kommentare (37)

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Account gelöscht!

30.12.2011, 11:51 Uhr

Ja, ich befuerchte auch der Euro wird uns alle ueberleben.

karstenberwanger

30.12.2011, 11:56 Uhr

Wenn ich das Geschreibsel der MEdien momentan sehe wie alles um den Euro hochgejubelt wird, während die realen Zustände vor der Tür erschreckend negativ im Zusammenhang mit dieser Idiotenwährung zunimmt, so muss ich stark ans 3. Reich und die Propaganda denken. Die Situation konnte schlimmer nicht werden und im Radio spielte man die PArolen vom Sieg! Was ich hier und in den Medien derzeit lese, lässt bei mir sämtliche Alarmsirenen aufheulen.

soscho

30.12.2011, 11:59 Uhr

Es geht doch nicht darum, dass, wie auch oft behauptet, der "EURO stabiler als die DM" ist, es geht doch darum, dass D für die Schulden der ganzen EURO-Zone haftet bzw. haften soll und das über die BuBa im TARGET-System den anderen EURO-Ländern zwischenzeitlich 450 Mrd. € unfreiwillig Kredit eingeräumt wurde. DAS wäre mit der DM sicher nicht so passiert....

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