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12.09.2012

11:29 Uhr

100-Dollar-Marke

Die Zeit der hohen Ölpreise geht vorbei

VonStefan Menzel

Das Opec-Ölkartell stellt sich auf eine sinkende Nachfrage ein. Die schwächelnde Weltwirtschaft wird von den Industriestaaten auf die Schwellenländer überschwappen. Diesmal sollen Verbraucher davon profitieren können.

Der Ölpreis wird der Opec zufolge fallen. Verbraucher könnten diesmal sogar davon profitieren. dpa

Der Ölpreis wird der Opec zufolge fallen. Verbraucher könnten diesmal sogar davon profitieren.

WienDie Opec sorgt sich um die Weltwirtschaft und rechnet deshalb im nächsten Jahr mit einer schwächeren Rohölnachfrage als bislang erwartet. Ölverbraucher könnten sich deshalb schon kurzfristig wieder auf fallende Preise einstellen. Wegen der schwächeren Nachfrage könnte sich der Ölpreis wieder der 100-Dollar-Grenze annähern, auch wenn der Ölpreis heute kurzfristig steigt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent stieg um ein Prozent auf 115,79 Dollar. Vor etwa zwei Jahren lag der Barrel-Preis noch bei gut 80 Dollar.

"Die konjunkturelle Abwärtsentwicklung in den Industriestaaten könnte auch die wichtigsten Schwellenländer erreichen", warnt die Opec in ihrem gestern in Wien veröffentlichten Monatsbericht. Lücken in der Ölversorgung seien nicht zu befürchten, besonders in den USA seien die Läger reichlich gefüllt.

Für das Opec-Ölkartell steht unwiderruflich fest, dass die Nachfrage im nächsten Jahr nicht mehr so stark wie 2012 zulegen wird. In diesem Jahr wächst der tägliche Ölverbrauch um etwa 900.000 Barrel. In seiner neuesten Prognose kalkuliert das Ölkartell jetzt damit, dass dieser Zuwachs des täglichen Ölverbrauchs im kommenden Jahr auf 800.000 Barrel zurückgehen wird.

Fällt die wirtschaftliche Entwicklung in den Industrieländern noch deutlich schlechter aus, hätte das entsprechend weitergehende Konsequenzen für den Ölverbrauch und den Ölpreis. Für die zwölf Ölförderländer, die sich in der Opec zusammengeschlossen haben, gehen die größten Risiken auch im kommenden Jahr von der Euro-Zone aus. Die Opec deckt etwa 40 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ab.

Verbraucher können tendenziell gute Nachrichten auch von den Raffinerien erwarten. Den Preisverfall bei der Raffinerie-Erzeugung von Benzin und Diesel hatten die Betreiber durch die Schließung überschüssiger Kapazitäten vor allem in Europa wettzumachen versucht. Nach Ansicht der Opec kommen jetzt aber wieder neue Raffinerien in anderen Teilen der Welt dazu, so dass in der Raffinerie-Erzeugung auch auf längere Sicht nicht mit steigenden Preisen gerechnet werden müsse.

Kommentare (3)

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Torsten_Steinberg

12.09.2012, 12:21 Uhr

Die Argumentation ist nicht nachvollziehbar. Warum soll der Ölpreis fallen, wenn der weltweite Ölbedarf pro Tag im kommenden Jahr etwas langsamer ansteigt als in diesem Jahr, aber immerhin noch ansteigt!

Die Nachfrage ist außerdem nur die eine Seite der Medaille. Auf der Angebotsseite mag es wohl eine gewisse Entlastung mit sich bringen, wenn Raffineriekapazitäten ausgebaut werden. Aber wie werden sich die Fördermengen des Rohöls entwickeln? Diese Frage wird in dem Artikel überhaupt nicht angeschnitten.

Hinzu kommt, dass angesichts sich zuspitzender Spannungen im Mittleren Osten jegliche Vorsagen ohnehin auf äußerst wackeligen Füßen stehen. Die katastrophale Entwicklung in Syrien, der Atomkonflikt mit dem benachbarten Iran und der spannungsreiche, durchaus nicht als endgültig anzusehende modus vivendi zwischen irakischer Zentralregierung und autonomen Kurdengebiet werfen mehr Fragezeichen auf, als jede seriöse Prognose vertragen kann.

Zuguterletzt bleibt unberücksichtigt, dass die Prognosen der OPEC an sich mit großer Vorsicht zu genießen sind, weil sie häufigen Schwankungen allein in Abhängigkeit von politischen Interessenlagen innerhalb der OPEC ausgesetzt sind.

An Wagemut ist die vorliegende Analyse aber kaum zu übertreffen, wenn es heißt, dass die Verbraucher sich schon auf kurzfristig fallende Preise einstellen dürfen, weil der Ölbedarf im kommenden Jahr - das beginnt in 4 Monaten - etwas weniger stark steigen wird als in diesem Jahr.

Kassenwart

12.09.2012, 12:44 Uhr

Alles dummes Gequatsche, um davon abzulenken, dass wir uns mit dem iranischen Ölboykott ein riesiges Eigentor geschossen haben.

Es ist schon seltsam, dass alle möglichen Begründungen vorgetragen werden, um den Anstieg des Ölpreises zu begründen, nur der Ölboykott des Iran taucht darin nicht auf.

Plötzlich spielen die Marktregeln, dass ein verknapptes Gut höhere Preise erzeugt, offensichtlich keine Rolle mehr.

Da machen sich die Medien zu politischen Komplizen, was ich persönlich verheerend finde, weil wenn der Damm der Trennung von politischen Interessen und den Aufgaben der Presse sachlich zu berichten einmal gebrochen ist, dann wird es zukünftig mit Hinweis auf den/die Präzedenzfälle, kein Halten mehr geben.

Torsten_Steinberg

12.09.2012, 15:05 Uhr

Als vornehmstes Ziel der Presse gilt es, durch umfassende Darlegung von Sachverhalten zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen. Nach meiner Auffassung schadet es nicht, wenn die Presse dabei für die eine oder andere Seite Partei ergreift, also selber Stellung bezieht, wenn die Hauptaufgabe, die Wissensvermittlung, erst einmal in bestmöglichem Umfang erfüllt ist. Diese darf keinesfalls zu Lasten einer eventuellen Parteilichkeit gehen.

Renommierte Verlage, wie auch das Handelsblatt, verfügen über derart effiziente Rechercheapparate und umfangreiche Archive, dass sie wohl nicht die geringsten Schwierigkeiten damit haben sollten, einem Thema zugehörige Fakten vollumfänglich abzurufen. Wenn trotzdem die Faktenvermittlung - auch der Fakten-Fakten-Fakten-Markwart macht hierin keine Ausnahme - immer seltener befriedigt, mag das zum einen dem Primat der Geschwindigkeit gegenüber der Sorgfalt in der Nachrichtenvermittlung geschuldet sein, was zwangsläufig himmelschreiende Schlamperei mit sich bringt. Ich hege jedoch den Verdacht, dass auch in der Presse die Neigung überhand genommen hat, gewisse Fakten zu unterschlagen und andere zu verfälschen oder einseitig darzustellen, zum Beispiel um Vorgänge zu skandalisieren und umsatzfördernde Schlagzeilen zu erzeugen oder um die eigene Meinung stärker erscheinen zu lassen - ein Verhalten, das zwar typisch ist für das Auftreten von Politikern, aber in der Presse keinen Platz haben sollte. So gesehen muss ich Ihnen, Kassenwart, nicht nur zustimmen, sondern kann nicht umhin zu ergänzen, dass der Damm der Trennung von politischen Interessen und den Aufgaben der Presse schon auf breiter Front beängstigend brüchig und durchlässig geworden ist. Ich fürchte, selbst den als seriösest angesehenen Zeitungen und Zeitschriften dürfte es kaum möglich sein, diesen Vorwurf schlagkräftig zu widerlegen. Von ideologisch eingefärbten, am linken oder rechten politischen Rand angesiedelten Blättern wollen wir gar nicht erst anfangen zu reden.

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