Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.11.2016

10:17 Uhr

33-Milliarden-Projekt Ras Al Khair

„Ein Juwel der saudischen Industrie“

VonMathias Brüggmann

In Wien beratschlagen die Opec-Länder über Öl-Fördermengen. Das wichtigste Land krempelt derweil die heimische Wirtschaft auf die Zeit nach dem Öl um: Saudi-Arabien. Ein riesiger Umschlagplatz erhält königliche Weihen.

Das Staatsoberhaupt betrachtet auf der Eröffnungsfeier ein Modell der neuen Industriestadt Ras Al Khair. Reuters

Der saudische König Salman (im Vordergrund 2.v.l.)

Das Staatsoberhaupt betrachtet auf der Eröffnungsfeier ein Modell der neuen Industriestadt Ras Al Khair.

BerlinDie jüngste „Perle“ auf der Kette saudi-arabischer Industrieanlagen soll satte 33 Milliarden Euro kosten und hat jetzt eine offizielle Weihe erfahren: König Salman hat am Dienstag am Arabischen Golf die Projekte eingeweiht beziehungsweise Grundsteine gelegt in Ras Al Khair, der neuesten Industriestadt Saudi-Arabiens. Die Dimension ist gewaltig:

  • 10,2 Milliarden Euro hat allein die erste saudische Aluminiumhütte gekostet, an der neben Saudi-Arabiens Minengigant Maaden der US-Aluriese Alcoa 25,1 Prozent hält. Selbstredend ist das Werk mit 740.000 Tonnen Jahreskapazität die größte Aluminiumschmelze der Welt. Gebaut hat sie der US-Baukonzern Bechtel.
  • Maaden wird gleich daneben noch ein gigantisches Phosphatwerk errichten lassen für fünf Milliarden Euro – zusammen mit dem saudischen Petrochemieriesen Sabic.
  • Für Kraftwerke, eine neue Wohnstadt und gigantische Wasserentsalzungsanlagen soll die Rechnung 6,5 Milliarden Euro betragen.
  • 6,3 Milliarden Euro kostet die neue, 1400 Kilometer lange Eisenbahnstrecke, auf der Rohstoffe aus saudischen Minen zur Verarbeitung nach Ras Al Khair gebracht werden sollen sowie Waren zum Export.
  • Die 750 Millionen Euro Investitionssumme für einen ultramodernen Hafen, über den Alu, Rohstoffe und Waren verschickt werden sollen, sind im Vergleich fast ein Schnäppchen.

Das saudi-arabische Bruttoinlandsprodukt soll durch die neue gigantische Industriestadt jährlich um neun Milliarden Dollar wachsen. Getreu der Strategie von Vizekronprinz Mohammed bin Salman Al-Saud, der für den König die Strategie „Vision 2030“ ausgearbeitet hat – Saudi-Arabiens Abkehr von der Ölabhängigkeit.

Die größten Erdölproduzenten (2016)

Opec als größter Rohölproduzent

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stellt mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls bereit. Ihre 14 Mitgliedsstaaten sitzen auf mehr als 70 Prozent aller Ölreserven.

Quelle: dpa

Opec II

Laut einer Analyse des Energiekonzerns BP produzierte die Opec 2014 knapp 37 Millionen Barrel Öl und verwandte Produkte am Tag. Weltweit wurden 89 Millionen Barrel am Tag produziert. Die Größten Ölproduzenten im Überblick:

USA

12 Millionen Barrel

Saudi-Arabien

Zwölf Millionen Barrel

Russland

Elf Millionen Barrel

China

Vier Millionen Barrel

Kanada

Vier Millionen Barrel

Neue Branchen sollen gerade jetzt, da der Ölpreis wegen des Fördermengenstreits im Opec-Kartell wieder fällt, für den saudischen Staatshaushalt als neue Quellen sprudeln lassen. „Wir haben unglaublich große Rohstoffvorkommen, die meisten von ihnen völlig unerkundet. Da liegt gewaltiges Potenzial“, hatte Saudi-Arabiens Energie- und Industrieminister Khalid Al-Falih kürzlich in einem großen Handelsblatt-Interview gesagt.

Produktionsanlage für eine Zukunft nach dem Öl. Reuters

Maaden Aluminiumhütte in Ras Al Khair

Produktionsanlage für eine Zukunft nach dem Öl.

Sein Ministerium hat auch die Oberaufsicht über Ras Al Khair, „eins der Juwelen der saudischen Industrie“, wie Al-Khali die neue Industriestadt zu ihrer Eröffnung nannte. 12.000 Jobs entstehen dort direkt, mehrere Zehntausend indirekt bei Zulieferern – und ein großer Teil für Saudis, die momentan noch unter einer hohen Jugendarbeitslosigkeit leiden. Dem Königreich „droht auch ein Arabischer Frühling“, warnte Marc Lynch, Middle East-Experte aus Washington, gegenüber dem Handelsblatt am Rande des Berliner Forums Außenpolitik der Körber-Stiftung. Die Rivalität zweier Kronprinzen, von denen einer auf Militär und der andere auf Modernisierung setzt sowie eben die hohe Arbeitslosigkeit in dem jungen Land nannte Lynch als mögliche Gründe.

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

30.11.2016, 10:59 Uhr

Saudi Arabien investiert seit etwa 40 Jahren in eine Weiterverarbeitung des Erdöls um die Wertschöpfung zu erhöhen. Die im Artikel benannte Aluminiumhütte basiert auf günstiger Energie aus Erdgas? oder Schweröl? (Schade dass der Artikel derart faktenarm ist). Interessant ist auch SABIC die Herstellung von Basiskunststoffen immer weiter ausbaut. Das ist naheliegend, ein No-Brainer.

Die Arbeiter dieser Grossprojekte kommen in der Regel aus Pakistan, Indien und den Philippinen. Einige Syrer, Ägypter werden auch darunter sein, sofern diese nicht lieber Fr. M`s Gastfreundschaft geniessen (Mehr Geld für weniger Arbeit). Zu meiner Zeit gab es Saudi Quoten. Diese kamen um ca. 10:00 zur Arbeit und schwebten dann um 14:00, spätestens 15:00 nach Hause.

Was dies mit einer "Zeit nach dem Erdöl zu tun hat" wie der Journalist meint, bleibt wohl sein Geheimnis.

Herr Franz Pfaff

30.11.2016, 11:40 Uhr

Weshalb haben die dümmsten Bauern immer dir größten Kartoffeln? Der Deutsche muss ohne Rohstoffe bis zum Umfallen für die ganze Welt malochen.

Herr Holger Narrog

30.11.2016, 11:55 Uhr

Hallo Herr Pfaff, wenn es grosse Rohstoffvorkommen in Deutschland gäbe dann wäre dies angesichts der realen Deutschen "Elite" (2016) nicht hilfreich.

Im benachbarten Holland gab es gewaltige Gasvorkommen. Das Geld wurde für sozialistische Wunderwerke verprasst (holländische Krankheit).

Was glauben Sie was Fr. Merkel mit dem Geld machen würde..goldene Wasserhähne für Griechenland...schicke neue Panzer für Erdogan...Einfliegen einer neuen Bevölkerung in der ersten Klasse...

Glauben Sie dass 1 € beim Deutschen Facharbeiter/Angestellten ankommen würde?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×