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05.06.2017

11:37 Uhr

Abschaffung des Kleingelds

Kleves Pilotprojekt steht vor dem Aus

In den Niederlanden gibt es längst keine kleinen 1- und 2-Cent-Münzen mehr, auch Italien denkt darüber nach. In Deutschland ist Kleve Vorreiter bei der Kleinstgeldabschaffung – doch die Initiative ist nun bedroht.

In der Stadt Kleve steht das Bargeld-Experiment mangels Unterstützung vor dem Ende. dpa

Kampf gegen Kleinstgeld

In der Stadt Kleve steht das Bargeld-Experiment mangels Unterstützung vor dem Ende.

KleveWährend in Italien die 1- und 2-Cent-Münzen abgeschafft werden sollen, kommt der Kampf gegen das Kleingeld in Deutschland nicht in Schwung. Knapp eineinhalb Jahre nach dem Start einer Initiative zur Abschaffung des Kleingelds steht das Projekt in Kleve am Niederrhein möglicherweise bereits wieder vor dem Aus. Voraussichtlich in den kommenden Tagen werde bei einer Sitzung über die Zukunft des Projekts beraten, kündigte Klaus Fischer, Chef eines Klever Modegeschäfts und Mitinitiator der Rundungsaktion an. Die Initiative in der Stadt mit 50 000 Einwohnern hatte nach dem Start Anfang Februar 2016 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

„Wir müssen jetzt noch einmal trommeln oder wir lassen es einschlafen“, sagte Fischer. Nach dem Start der Aktion habe es viele Anfragen gegeben, Nachahmer hätten sich bislang seines Wissens nach jedoch nicht gefunden. „In Deutschland scheinen viele Dinge nicht einfach umsetzbar zu sein“, so Fischer.

Mit dem Slogan „Geehrte Kunden, wir RUNDEN“, waren in Kleve zunächst rund 80 Kaufleute an den Start gegangen. Krumme Rechnungsbeträge sollten dabei mit dem Einverständnis der Kunden auf 5 Cent auf- oder abgerundet werden. Nach einer Umfrage der Hochschule Rhein-Waal sei die Aktion bei rund 80 Prozent der Kunden auf Zustimmung gestoßen, sagte Fischer.

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Italien will keine Ein- und Zwei-Cent-Stücke mehr prägen. Die vorhandenen Münzen bleiben allerdings in Umlauf. Andere Länder könnten diesem Schritt folgen. Verbraucherschützer warnen: Sie fürchten höhere Preise.

Angesichts des immer wiederkehrenden Erklärungsbedarfs bei den Kunden hätten einige Händler nun jedoch eine negative Bilanz gezogen. „Denen ist das zu aufwendig. Das hält zu lange auf“, sagte er. Betroffen davon seien etwa Geschäftsleute, in deren Läden viele krumme Summen kassiert werden müssten, wie etwa Bäcker.

Mittlerweile habe sich die Zahl der teilnehmenden Läden bereits verringert, berichtete Petra Hendricks vom Klever City Netzwerk. „Wir haben es versucht, kommen aber nicht durch.“ Fischer sagte, selbstverständlich könne jeder Händler auch nach dem möglichen Aus für die Initiative frei entscheiden, ob er weiterhin kleine Münzen aus seiner Kasse verbannen wolle.

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Generell gibt es in Deutschland nach Angaben der Bundesfinanzministeriums derzeit keine Überlegungen, nationale Rundungsregeln einzuführen. Das BMF ist zuständig für die Ausgabe der Münzen.

Der Leiter des Zentralbereichs Bargeld der Deutschen Bundesbank, Stefan Hardt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Obwohl Italien aktuell plant, 1- und 2-Cent-Münzen nicht mehr in Umlauf zu geben, sind die Kleinmünzen in vielen Ländern bei der Bevölkerung weiterhin beliebt.“ Der Umlauf des Kleingeldes steigt, obwohl Belgien, Finnland, Irland und die Niederlande bereits Rundungsregeln für den nationalen Bargeldverkehr eingeführt haben.

„Die Münzen werden zum Beispiel in Gläsern oder anderen Behältnissen gelagert oder gehen anderweitig verloren“, erläuterte Hardt. Daher müssten 1- und 2-Cent-Stücke ständig nachgeprägt werden - „wodurch deren Umlauf rechnerisch kontinuierlich steigt“.

Von

dpa

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