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18.09.2014

11:47 Uhr

Abstimmung in Schottland

Referendum hält Pfund-Anleger in Atem

Zurückhaltung bei Pfund-Anlegern: Weil unklar ist, wie das Referendum über die mögliche Abspaltung Schottlands von Großbritannien ausgehen wird, halten sich die Anleger zurück. Der Kurs notierte kaum verändert.

Das Pfund, das seit Anfang September in der Spitze mehr als drei Prozent verloren hat, notierte am Donnerstag kaum verändert bei 1,6273 Dollar. dpa

Das Pfund, das seit Anfang September in der Spitze mehr als drei Prozent verloren hat, notierte am Donnerstag kaum verändert bei 1,6273 Dollar.

Frankfurt am Main.Die Unklarheit über den Ausgang des Schottland-Referendums hat unter Pfund-Anlegern am Donnerstag für Zurückhaltung gesorgt.

Angesichts der zuletzt noch beachtlichen Zahl an unentschlossenen Wählern sei völlig offen, ob die Mehrheit für eine Abspaltung von Großbritannien stimmen werde oder nicht, schrieb LBBW-Analyst Uwe Streich in einem Kommentar. Das Pfund, das seit Anfang September in der Spitze mehr als drei Prozent verloren hat, notierte am Donnerstag kaum verändert bei 1,6273 Dollar.

In Schottland sind bis zum Abend knapp 4,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, über die Zukunft der Region zu entscheiden. Laut jüngster Umfragen haben die Gegner einer Unabhängigkeit einen leichten Vorsprung – das Lager der Befürworter hatte in den vergangenen Wochen allerdings ordentlich Boden gutgemacht.

Was, wenn die Schotten unabhängig werden?

Wäre ein unabhängiges Schottland Mitglied in der EU?

Dafür gibt es kein Musterbeispiel. Die Regierung in Edinburgh argumentiert, dass sie nach Artikel 48 des Vertrags über die Europäische Union aushandeln könnte, ab März 2016 übergangslos ein selbstständiges Mitglied zu sein. London hält dagegen: Schottland müsse sich neu bewerben, wie es Artikel 49 vorsieht. So sieht es wohl auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Im Februar sagte er, ein EU-Beitritt werde „sehr schwierig, wenn nicht unmöglich“ für Schottland, weil alle Mitglieder zustimmen müssen – auch die Briten.

Rest-Britannien bliebe also EU-Mitglied?

Erst mal schon, das Referendum ändert daran nichts. Aber es könnte trotzdem den Austritt der Briten aus der Union bewirken. Denn die Schotten sind im Vergleich zu den Engländern ziemlich EU-freundlich. Sollte es 2017 eine Volksabstimmung der Briten über ihre EU-Mitgliedschaft geben, wie David Cameron das in Aussicht stellt, dann würden den Pro-Europäern die schottischen Stimmen fehlen.

Gäbe es für Europa sonst noch Folgen?

Aus verschiedenen Ecken Europas schauen Bevölkerungsgruppen gespannt nach Edinburgh, die selbst gern unabhängig wären – etwa die Katalanen in Spanien oder die Korsen in Frankreich. Nationalbewegungen könnten ordentlich Auftrieb bekommen, wenn die Schotten „Yes“ sagen zur Unabhängigkeit. Auch die Republikaner in Nordirland könnten ein Referendum fordern über die Vereinigung mit Irland. Möglich wäre sogar, dass im Nordirland-Konflikt wieder Gewalt ausbricht.

Würden die Schotten mit dem Euro bezahlen?

Das müssten sie eigentlich früher oder später, wenn sie EU-Mitglied werden. Nur für Großbritannien und Dänemark gilt offiziell eine Ausnahme. Regierungschef Alex Salmond besteht aber darauf, dass Schottland ein Recht auf das britische Pfund hat und andernfalls auch keinen Anteil der britischen Staatsschulden übernehmen würde. Die drei großen Parteien in London – Konservative, Labour und Liberale – haben einmütig erklärt, ihr Pfund nicht mit den Nachbarn teilen zu wollen. Eigene Pfundnoten dürfen drei Banken in Schottland bereits jetzt drucken. Wie viele, bestimmt aber die englische Notenbank.

Was passiert mit den britischen Atomwaffen in Schottland?

Mit Atomraketen ausgestattete U-Boote liegen in der Mündung des Flusses Clyde, nordwestlich von Glasgow. Sie haben in Schottland nichts zu suchen, findet die Regierung in Edinburgh. Einige Experten halten die Suche nach einem neuen Standort in England oder Wales und einen extrem teuren Umzug zwar für möglich. Andere sehen aber das Ende von Großbritannien als Atommacht heraufziehen. Das britische Verteidigungsministerium hat offiziell keine Pläne in der Schublade. Schottland will gern Nato-Mitglied werden – aber ohne Atomwaffen.

Wem würde das britische Öl in der Nordsee gehören?

Zu rund 90 Prozent den Schotten. Sie wollen aus den Steuereinnahmen einen Öl-Fonds speisen, der kommenden Generationen zugutekommen soll. Wie lange die Öl- und Gasvorräte in der Nordsee noch vorhalten, ist umstritten. Die Energieriesen BP und Shell sähen es lieber, wenn Schottland mit Rest-Britannien vereint bliebe.

Und was ist mit der Queen?

Ihre Königin wollen die Schotten nicht loswerden. Das unabhängige Schottland soll eine konstitutionelle Monarchie mit Elizabeth II. als Staatsoberhaupt werden – so wie zum Beispiel Kanada.

„Angesichts der gesetzlichen und wirtschaftlichen Ungewissheit, die mit einer möglichen Abspaltung von Großbritannien einhergingen, würde ein 'Ja' zur Unabhängigkeit vermutlich einen Schock für britische Finanzwerte bedeuten und zu einer deutlichen Währungsschwäche führen“, warnt Toby Nangle, Leiter des Bereiches Multi Asset bei Threadneedle, in einem Kommentar. Der Londoner Leitindex gab am Donnerstag leicht nach.

Unklar ist bislang vor allem, welche Währung Schottland im Falle einer Unabhängigkeit nutzen würde. Die Forderung der schottischen Nationalisten nach einer Pfund-Währungsunion, in der die Bank of England weiterhin die großen Richtlinien der Geldpolitik für Schottland und den Rest Großbritanniens gestaltet, lehnt London ab.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz gibt es keinen rationalen Grund, warum Schottland austreten sollte. Allein der Hinweis, Schottland würde aufgrund der umfangreichen Ölvorkommen nach einer Unabhängigkeit wirtschaftlich besser dastehen, ignoriere viele Synergieeffekte in der bisherigen Wirtschaft.

Von

rtr

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