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21.03.2013

18:33 Uhr

Abwärtstrend

Euro wird sinken, doch nicht wegen Zypern

Der Euro wird nachgeben - allerdings nicht wegen Zypern, sagen die Strategen der US-Großbank Morgan Stanley. Ihnen zufolge sind größere globale Kräfte Schuld an der Abwärtsbewegung des Euros.

Zypern setzt den Euro unter Druck – aber nur kurzfristig, so die Strategen von Morgan Stanley. ap

Zypern setzt den Euro unter Druck – aber nur kurzfristig, so die Strategen von Morgan Stanley.

Dass Zypern finanziell auf die Kippe steht, war eigentlich schon vor Jahren bekannt. Dennoch kamen die Meldungen über Zwangsabgaben auf Bankguthaben von Kunden zyprischer Banken für einige Finanzmarktteilnehmer scheinbar wie aus heiterem Himmel. Die Börsen weltweit rutschten ins Minus, der Dax unterbrach für zwei Tage seine Rekordrally. Unmittelbar traf es auch den Euro. In dieser Woche hat die europäische Gemeinschaftswährung 1,3 Prozent zum Dollar verloren, nachdem das Parlament in Zypern die geplante Abgabe auf Bankguthaben ablehnte.

Für die Strategen von Morgan Stanley ist die Entwicklung allerdings nur eine sehr kurzfristige Korrektur des Euros. Sie rechnen nicht damit, dass die Unruhen in Zypern den Euro unter die Marke von 1,27 Dollar fallen lassen werden. Allerdings sehen sie langfristig und unabhängig von der Entwicklung im kleinen südeuropäischen Euroland bei der Währung einen klar negativen Trend. Ihren Prognosen zufolge wird der Euro in den nächsten Monaten auf 1,17 Dollar zurückfallen.

„Die Nebenwirkungen sind recht begrenzt“, sagt Ian Stannard, Chef für europäische Währungsstrategie bei Morgan Stanley in London, mit Blick auf Zypern. Er ist Bloomberg-Daten zufolge einer der zehn akkuratesten Devisen-Prognostiker. „Es gibt größere globale Kräfte, die den Devisenmarkt antreiben.“

Die wichtigsten Frage und Antworten zu Zypern

Wie viel Geld wird Zypern erhalten?

Bis zu zehn Milliarden Euro will die Euro-Gruppe überweisen. Ursprünglich war eine Summe von 17,5 Milliarden Euro genannt worden.

Woher kommt das Geld?

Aus dem Euro-Krisenfonds ESM. Im Gegenzug muss Zypern Auflagen einhalten. Wie bei früheren Rettungsaktionen beteiligt sich auch der Internationale Währungsfonds IWF. „Der genaue Betrag steht noch nicht fest“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei dem Sondertreffen in Brüssel. Bislang hat der IWF meist ein Drittel gestemmt.

Welche Rolle spielt Russland?

Das Land macht erstmals bei einer internationalen Rettungsaktion für ein Euro-Land mit. Dabei geht es um einen Kredit von 2,5 Milliarden Euro, den Moskau Zypern 2011 gewährt hatte. „Die russische Regierung ist bereit, die Laufzeit des Darlehens zu verlängern und die Zinsen zu senken“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Über genaue Zahlen werde noch gesprochen. „Der Beitrag wird nicht sehr hoch sein, wir müssen realistisch sein, aber es wird ihn geben“, sagte Dijsselbloem. Der Grund für das russische Interesse: Die Insel im Mittelmeer ist bei reichen Russen beliebt. Russische Oligarchen haben Milliardensummen auf Konten im aufgeblähten Bankensektor Zyperns gebracht.

Welche Auflagen muss Zypern erfüllen?

Seit langem halten sich Vorwürfe, Zypern locke mit niedrigen Firmensteuern und einer lockeren Finanzaufsicht Schwarzgeld an. Zypern bestreitet dies. Doch die Bundesregierung hatte ihre Beteiligung an der Hilfe von Maßnahmen gegen Geldwäsche abhängig gemacht. Nun hat man sich geeinigt, dass ein privates Unternehmen die Einhaltung der Anti-Geldwäsche-Maßnahmen überprüft - dies ist bereits angelaufen. Außerdem hat sich Zypern zu Reformen verpflichtet: Die niedrige Körperschaftsteuer soll von 10 auf 12,5 Prozent steigen. Die zyprische Regierung muss Staatsfirmen privatisieren. Zudem muss der völlig überdimensionierte Bankensektor schrumpfen.

Werden auch private Kontoinhaber herangezogen?

Ja. „Wir fanden es gerechtfertigt, um die Lasten zu teilen“, sagt der Eurogruppen-Chef. EU-Kommissar Rehn betonte: „Diese Gebühr gilt für ansässige wie auch für ausländische Kontoinhaber.“ Nun sollen Sparer mit Einlagen von mehr als 100 000 Euro eine einmalige Abgabe von 9,9 Prozent zahlen. Unterhalb dieser Schwelle fallen 6,75 Prozent an. Insgesamt soll allein diese Abgabe nach Dijsselbloems Worten 5,8 Milliarden Euro einbringen. Die Forderung nach einer Abgabe auf große Sparguthaben kam vor allem aus Deutschland.

Wie wird das in der Praxis funktionieren?

Der Betrag der Abgabe werde ab sofort auf den Konten eingefroren, erläuterte Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank. Am Montag sind die Banken auf Zypern wegen eines Feiertages geschlossen. Bis Dienstag steht der Zahlungsverkehr weitgehend still. Noch an diesem Wochenende soll das zyprische Parlament ein Gesetz erlassen. „Ich nehme an, (..) dass die Abgabe aufgelegt werden kann, bevor die Banken am Dienstag normal wieder öffnen“, sagte Asmussen.

Was wird von der Regierung Zyperns erwartet?

Nikosia muss die Kredite zurückzahlen – der Zinssatz ist noch offen. Dieser dürfte ähnlich günstig sein wie für die anderen Hilfsempfänger Griechenland, Irland und Portugal sowie die spanischen Banken. Details werden im April festgelegt. Die Regierung trägt die Verantwortung dafür und muss eine Vereinbarung („Memorandum of Understanding“) unterzeichnen, die die Summe, Konditionen und Auflagen festlegt. Der Bundestag sowie mehrere andere nationale Parlamente müssen das Hilfspaket billigen.

Was bedeutet das für den deutschen Steuerzahler?

Erst einmal gar nichts. Zypern erhält keinen Zuschuss, sondern Kredite aus dem bestehen Krisenfonds ESM, die das Land zurückzahlen muss. Erst wenn Nikosia zahlungsunfähig würde und seine Kredite nicht mehr bedienen könnte, würden die deutschen Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Das weltweit schleppende Wachstum hat zur Folge, dass die Notenbanken ihre bereits seit fünf Jahren andauernde lockere Geldpolitik voraussichtlich fortsetzen werden. Auf ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung am 7. März ließ die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen unverändert auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi erklärte in der darauf folgenden Pressekonferenz, dass sich einige Entscheidungsträger für eine Zinssenkung ausgesprochen hatten.

Kommentare (12)

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Mazi

21.03.2013, 20:33 Uhr

M.E. ist nicht eine potentielle Insolvenz Zyperns das Problem, sondern die Umsetzung politischer Macht in der EU.

Betrachtet man die ursprünglich geplante Zwangsabgabe auf Einlagen bei Banken in Zypern, muss man die Frage stellen, was schützt die einen und bestraft die anderen Einlagen? Letztlich verbreiten die politisch agierenden Personen mehr Unsicherheit als Berechenbarkeit. Jeder verantwortliche Manager muss sich die Frage stellen, weshalb er Liquidität im Euro bzw. Euroraum anlegen soll und nicht an einem anderem Ort.

Dieses Argument ist für den Euroraum zumindest aktuell durch die Aktion "Zypern" nicht mehr uneingeschränkt positiv. Der Schaden, der von den derzeit (noch) Verantwortlichen angerichtet wurde, ist aktuell nicht quantifizierbar und stellt jede Bedeutung von "Zypern" in den Schatten.

Es geht schon lange um mehr als Zypern.

Mazi

21.03.2013, 21:52 Uhr

Hier ein Beitrag, den ich eben gelesen habe:

"Der maltesische Finanzminister Edward Scicluna schreibt in einem Artikel der Times of Malta, dass dem zypriotischen Finanzminister beim Treffen der Eurogruppe quasi die „Pistole an den Kopf“ gesetzt wurde. „Es gibt nichts unwürdigeres als der Anblick einer bankrotten Person, die um Hilfe bettelt“, schreibt Scicluna. Nach zehn Stunden seien Körper und Seele des zypriotischen Ministers so erschöpft gewesen, dass er dem Abkommen zustimmte. „Als das geschehen war, forderte Schäuble sofort, alle Überweisungen von und zu den zypriotischen Banken unverzüglich einzustellen“, ergänzt der maltesische Finanzminister."

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/21/malta-eu-setzte-zypern-pistole-an-den-kopf/

Das ist das Bild das deutsche im Ausland hinterlassen.

Mazi

21.03.2013, 22:01 Uhr

Noch besser:
"Das EZB-Direktoriums-Mitglied Jörg Asmussen will keine Zwangs-Abgaben in anderen Euro-Staaten außer Zypern einführen. Wer ist der Mann, der plötzlich bestimmen kann, wer von den Völkern Europas rasiert wird und wer nicht? Die Spur führt tief ins Herz der Banken-Lobby, der Pleite-Bank IKB und zur SPD. Er weiß, was Netzwerken heißt. Und er will ganz nach oben."

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/21/joerg-asmussen-der-mann-nach-dessen-pfeife-europa-tanzen-soll/


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