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02.01.2015

15:59 Uhr

Äußerungen zu Anleihenkäufen

CDU greift Mario Draghi an

Ein schwacher Euro hilft Mario Draghi bei seinem Kampf gegen die Deflation. Diesen Kampf nimmt Draghi sofort mit Jahresstart auf und lässt mit seinen Aussagen den Euro einknicken. Die Kritik aus Deutschland folgt prompt.

Der Glaube an Parität

Wertverfall: Euro bald nur noch einen Dollar wert?

Der Glaube an Parität: Wertverfall: Euro bald nur noch einen Dollar wert?

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FrankfurtDer Vizechef der Unionsfraktion, Michael Fuchs, hat EZB-Chef Mario Draghi vor den Folgen eines weiteren Aufkaufs von europäischen Staatsanleihen gewarnt. Sollte sich die Europäische Zentralbank zu einem solchen Schritt entscheiden, wäre der Druck auf Griechenland und andere Euro- Krisenstaaten verschwunden, weitere Reformen zu machen, sagte Fuchs am Freitag im „Deutschlandfunk“. Stattdessen müsse man darauf achten, dass „der Reformkurs umgesetzt wird, und da wäre ich dankbar, wenn Herr Draghi auch in diese Richtung einige Äußerungen machen würde“, sagte der CDU-Politiker.

Damit reagierte er auf Andeutungen des EZB-Chefs in einem Interview im Handelsblatt, die EZB könne schon bald mit einem Anleihenkaufprogramm an den Start gehen. Fuchs zeigte sich gleichzeitig optimistisch, dass die Gemeinschaftswährung sogar einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone verkraften könnte und stellte sich somit gegen die EZB-Linie, mit Ankäufen die Märkte auch für Papiere kriselnder Länder offen zu halten.

Dass Äußerungen Draghis erhebliche Effekte haben können, zeigte sich nun nicht zum ersten Mal. Mitten in einer Pressekonferenz von Mario Draghi im letzten Mai in Brüssel kletterte der Euro bis auf 1,3993 Dollar. Dann sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, er sei bereit, weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen zu ergreifen, um die Konjunktur zu beleben. Damit schickte er die europäische Gemeinschaftswährung auf eine Talfahrt, die nach Einschätzung von Strategen auch 2015 anhalten wird.

Das Jahr 2014 beendete der Euro mit einem Verlust von zwölf Prozent gegenüber dem Dollar - der größte Kursrutsch seit 2005. Strategen, die mit ihrer Prognose von 1,28 Dollar für den Euro zum Jahresende 2014 zu vorsichtig waren, sehen die Gemeinschaftswährung nun bei 1,18 Dollar Ende 2015. Am Freitag rutschte die Devise auf ein Vierjahrestief bei 1,2035 Dollar ab.

Der Euro im Vergleich zu anderen Währungen 2014

Dollar

-11,47 Prozent

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Boden verloren. Die Wirtschaft der USA brummt und hängt die Konjunktur der Euro-Zone deutlich ab.

Yen

+ 1,26 Prozent

Gegenüber dem Yen hat der Euro zugelegt. Die Bank of Japan flutet den Markt derzeit mit Geld, um die eigene Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Pfund

- 5,77 Prozent

Brasilianischer Real

- 0,09 Prozent

Australischer Dollar

- 3,44 Prozent

Kanadischer Dollar

- 3,33 Prozent

Norwegische Krone

+ 8,94 Prozent

Schwedische Krone

+ 7,18 Prozent

Schweizer Franken

- 1,95 Prozent

Türkische Lira

- 4,2 Prozent

Rubel

+ 49,47 Prozent

Quelle: Bloomberg

Ein schwächerer Euro ist von entscheidender Bedeutung für Draghi, der versucht, die Wirtschaft im Euroraum anzukurbeln und eine Deflation abzuwehren. Der EZB-Präsident startete in dem Gespräch mit dem Handelsblatt mit starken Ankündigungen in das neue Jahr, so sagte er, das Risiko einer Deflation könne nicht ganz ausgeschlossen werden. Damit stärkte er Spekulationen, dass die Geldpolitiker bald mit Maßnahmen wie dem Ankauf von Staatsanleihen beginnen werden, die tendenziell den Euro schwächen.

„In der ersten Jahreshälfte hatte es ein pessimistischer Euro-Ausblick schwer, zum Konsens zu werden. Aber das änderte sich als die EZB die Zinsen nach unten trieb“, sagte Kit Juckes, globaler Stratege bei der Société Générale in London im Telefoninterview mit Bloomberg News. „Immer noch das Beste, was die EZB tun kann, ist, zu versuchen, den Euro zu schwächen“, fügte er an. Juckes sieht den Euro Ende 2015 bei 1,14 Dollar - ein Niveau, das es zuletzt 2003 gab.

Kommentare (35)

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Herr Bernd Mayer

02.01.2015, 11:54 Uhr

Die fortgesetzte Insolvenzverschleppung zahlt doch der europäische und um seine eigenen Ersparnisse betrogene Steuerzahler, sicherlich sehr gern weiter.
Vor allem der Deutsche !

Die Hochfinanz kann sicher der Sicherung dieser fetten Dauer-Rendite, durch politische Mithilfe sicher sein.
Den Griechen freilich, wird dies nicht helfen - darum geht es aber auch nicht !

Und was Politik und zentralbank mit diesem italienischen Euro erst anrichten wird, wenn die in Dollar berechneten Energieksoten (Ölpreis) der europäischen Haushalte und Industrien wieder steigen, werden wir erleben.

Herr Stan Laureel

02.01.2015, 12:05 Uhr

Frau Merkel könnte Draghi aufhalten, aber sie macht es "natürlich" nicht.
Es hat nie einen Plan B für Griechenland gegeben. Egal wer dort jetzt regiert, es wird weiter auf Kuschelkurs gegangen. Auch wenn der Linken dort an die Macht kommen und alle Sparmassnahmen brechen, werden dort Gelder hinfliessen. Bis irgendwann das System völlig zusammen bricht.

Account gelöscht!

02.01.2015, 12:39 Uhr

Seit Mai letzten Jahres heißt es für den Euro: "Ab nach Süden!"

Es könnte sein, daß die internationalen Märkte das bald insofern realisieren, daß die Marktteilnehmer ihre Eurobestände schnell und geräuschlos auflösen und in sicherere Währungen umschichten. Die bevorstehende Wahl in Griechenland dürfte die Motivation dazu noch einmal stärken.

Ich halte es daher für möglich, daß das ganze Euro-Kartenhaus in absehbarer Zeit zusammenfällt. Allen privaten Sparen kann man daher nur raten: "Rette sich, wer kann. Raus aus dem Euro!"

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