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05.08.2012

09:20 Uhr

Agrar-Rohstoffe

Südamerikas Fleischkonzerne bleiben gelassen

VonAlexander Busch

Die explodierenden Preise für Agrarrohstoffe haben Fleischproduzenten eiskalt erwischt - mit Ausnahme der großen Konzerne Südamerikas: Sie kommen mit den Höchstpreisen besser klar. Das gefällt auch Analysten.

´Brasil Foods (BR Foods) ist der weltgrößte Hühnerfleischproduzent. dpa

´Brasil Foods (BR Foods) ist der weltgrößte Hühnerfleischproduzent.

São PauloAnfang Juni noch rechneten die Fleischkonzerne weltweit mit einem margenstarken Jahr: Schließlich sollte in den USA die Soja- und Maisernte rekordhoch ausfallen. Die Farmer hatten die historisch größte Fläche im Mittelwesten der USA mit Mais bepflanzt. Die Hühner-, Schweine- und Rindfleischproduzenten freuten sich schon auf Niedrigpreise für ihre wichtigsten Vorprodukte. Doch dann setzte in den USA die stärkste Trockenheit seit fast einem halben Jahrhundert ein. Die Preise für die Agrarrohstoffe explodierten.

Die Lebensmittelindustrie erwischte die Hausse der Agrargüter auf dem falschen Fuß - vor allem in den USA: Sie hatten wegen des erwarteten Überangebots ihre Einkaufspreise auf den Terminmärkten weniger als sonst abgesichert.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

"In den nächsten Monaten werden sie die gestiegenen Preise mit voller Wucht treffen", sagt Analyst Pedro Herrera von HSBC. Vor allem die Hühnermäster in den USA dürften davon betroffen sein. Denn bis September dürften die Preise weiter stark schwanken. Bis dahin sinken die globalen Vorräte rapide, und erst dann wird absehbar sein, wie stark der Ernteausfall in den USA tatsächlich ist.

Für die südamerikanischen Produzenten wirken die Rekordpreise wie eine Bonanza: Wer seine Ernte noch nicht vollständig verkauft hat, freut sich jetzt über die hohen Preise. Für die meist familiären Schweine- und Hühnermäster sind diese aber eine Katastrophe: Sie verkaufen ihre Hühner und Schweine zurzeit unter den Selbstkosten an die großen Verarbeiter - das Risiko tragen sie fast immer allein. Die Regierung will ihnen daher wegen des drohenden Notstands für einige Monate Mindestpreise garantieren.

Die großen südamerikanischen Fleischkonzerne dagegen kommen mit den Höchstpreisen für die agrarischen Rohstoffe besser klar. So haben etwa Brasiliens Hühner- und Schweinefleischverarbeiter ihre Wertschöpfungsketten in den letzten Jahren so stark ausgeweitet, dass die Rohstoffe in ihrer Kostenkalkulation weit weniger ausmachen.

Kommentare (1)

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KarmA

05.08.2012, 09:26 Uhr

So lange es noch tierschlachtungen gibt
Wird es auch Schlachtfelder geben
(Tolstoi)

Na dann guten Appetit und fröhliches Halleluja in Syrien und Afganistan


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