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11.02.2014

14:30 Uhr

Agrarrohstoffe

Dürre bedroht Kaffeeernte

Sul-de-Minas, eine brasilianische Region, die für ein Drittel der weltweiten Kaffeelieferungen verantwortlich ist, erlebt derzeit die trockenste Regenzeit seit Jahrzehnten. Farmer befürchten dramatische Ernteeinbußen.

Ernte bedroht: Kaffeepreise schießen in die Höhe

Video: Ernte bedroht: Kaffeepreise schießen in die Höhe

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Als Fabio Miarelli eine Kaffeebohne auf seiner Farm in der Sul-de-Minas-Region von Brasilien öffnete, fand er gummiartige Körnchen vor - halb so groß wie eine normale Bohne. Der 25-Jährige schätzt, dass das Austrocknen von Kaffee in diesem Jahr rund 30 Prozent seiner Ernte vernichten dürfte. Das Phänomen, bekannt als “Coração Negro” (Schwarzes Herz), wird von geringer Bodenfeuchtigkeit ausgelöst. Berichte über “Coração Negro” kommen von vielen Farmen im Südosten von Brasilien.

Der Preis für Arabica, eine mild schmeckende Bohne in Premium-Kaffees, verzeichnete daraufhin in der vergangenen Woche ihre stärkste Sieben-Tages-Rally in New York seit nahezu 14 Jahren. Miarelli hofft, dass die höheren Preise die geringe Produktion finanziell ausgleichen werden.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

“Wir haben niemals eine so lange Periode ohne Regen zu dieser Jahreszeit gesehen”, sagt Lúcio Dias von der Anbauer- Vereinigung Cooxupé. “Es wird noch etwas Zeit dauern, bis wir mehr über die Konsequenzen wissen.”

Die Farmen in Brasilien litten unter dem trockensten Januar seit dem Jahr 1954 - und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der Regen gebraucht wird, damit die Wurzeln Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können und damit das Wachstum der Bohnen im Inneren der Kaffeekirschen angeschoben wird.

Die Trockenheit macht es für die Bauern zudem unmöglich, Düngemittel einzusetzen. Denn damit Pflanzen diese aufnehmen können, wird ebenfalls Wasser benötigt. In den meisten Fällen haben die Anbauer in diesem Jahr lediglich einmal Düngemittel eingebracht, während es zu dieser Zeit des Jahres bereits drei Runden gewesen sein sollten, sagt Dias.

Die jährliche Trockenzeit läuft von April bis September. Auch wenn der Regen vorher noch zurückkehrt, wird das nicht helfen, um die Bodenfeuchtigkeit wieder auf ein normales Niveau zurückzuführen, erklärt Marco Antônio dos Santos von Somar Meteorologia.

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