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19.11.2013

12:23 Uhr

Agrarrohstoffe

Kaffeepreis im freien Fall

Die Lager bersten, die Preise fallen. Allein in diesem Jahr stürzte der Kaffeepreis um 26 Prozent ab. Es droht die längste Negativserie seit 20 Jahren. Die Bauern leiden, Anleger und Konsumenten reiben sich die Hände.

Kaffeegenuss: Die Preise für Kaffee fallen. dpa

Kaffeegenuss: Die Preise für Kaffee fallen.

Das Beispiel des Kaffeebauer Nils Solorzano Villareal aus Costa Rica zeigt, wie sich die Globalisierung der Märkte für Lebens- und Genussmittel auswirkt. Der 71-Jährige hatte sich zu einer Expansion entschieden, als der Preis für die Bohnen im Jahre 2011 auf ein 14-Jahres-Hoch geklettert war. Ein Fehler. Statt satter Erträge fährt der Plantagenbetreiber einen Verlust ein.

Rekordernten von Brasilien bis Vietnam haben zu einem weltweiten Überangebot geführt, das den Preis in diesem Jahr um 26 Prozent abstürzen ließ. Derzeit befindet sich der Preis auf dem besten Weg zum dritten Jahres-Minus in Folge. Das wäre die längste Negativserie in zwei Jahrzehnten.

Welcher Kaffeetyp sind Sie?

Ländervergleich

6,4 Kilogramm Kaffee hat jeder Deutsche im Jahr 2010 verbraucht. Insgesamt gingen also 526.860 Tonnen Kaffeebohnen beziehungsweise gemahlener Kaffee über deutsche Ladentheken. Damit schaffen es deutsche Kaffeetrinker im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter Brasilien und den USA. Grund genug für die Redaktion von brandeins Wissen, das Magazin "Kaffee in Zahlen" herauszugeben. Demnach gibt es verschiedene Kaffeetypen, wie beispielsweise den...

Puristen

Der Purist legt wenig wert auf die Kaffeemaschine an sich - oft hat er nicht einmal ein elektrisches Gerät sondern brüht per Hand. Er ist etwas älter und trinkt seinen Kaffee gern schwarz. Einmal am Tag Kaffee genügt dem Puristen. Er trinkt ihn meist morgens oder im Lauf des Vormittags. 16 Prozent der Deutschen gehören zu dieser Kategorie.

Pragmatiker

Der Pragmatiker

17 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland gehören zu den Pragmatikern: Ihnen hilft Kaffee vor allem dabei, morgens schnell wach zu werden. Abends trinken sie daher kaum Kaffee. Die Pragmatiker werden als mittelalt und eher weniger zufrieden mit ihrer Lebenssituation beschrieben.

Zucker und Milch

33 Prozent der Pragmatiker trinken ihren Kaffee am liebsten mit Zucker und Milch, nur 27 Prozent bestehen auf schwarzem Kaffee. Bei 24 Prozent kommt der aus dem Espresso-Vollautomaten. Wer so ein modernes Gerät hat, nutzt es zwar entsprechend häufig, spät abends greifen nur noch 28 Prozent der Pragmatiker zur Kaffeetasse.

Die Anspruchsvollen

Die Anspruchsvollen

Für 19 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland ist Kaffee ein Genussmittel und dementsprechend viel erwarten sie von der Qualität. Die Anspruchsvollen greifen zu jeder Uhrzeit zum schwarzen Wachmacher, etwas mehr als ein Drittel trinkt ihn gern weiß und süß. Spätabends greifen immer noch 50 Prozent der Anspruchsvollen zu Kaffee und 14 Prozent haben zuhause vier oder mehr verschiedene Versionen.

Vollautomaten

Die Anspruchsvollen sind auch die Gruppe, in der die meisten Menschen einen Kaffee-Vollautomaten besitzen. 24 Prozent haben ein solches Gerät statt herkömmlicher Kaffee- oder Padmaschinen. 86 Prozent gaben an, ihren Kaffeewunderautomaten regelmäßig zu benutzen.

Schlemmer

Schlemmer

17 Prozent der Kaffeetrinker mögen es weiß und süß, sie bevorzugen die Milchschaumvarianten wie Latte macchiato und Cappuccino gegenüber klassischem Filterkaffee. Diese sogenannten Schlemmer sind in der Regel junge Frauen. Viele von ihnen haben zuhause eine Pad- oder Kapselkaffeemaschine. 46 Prozent von ihnen schlürfen auch spät abends noch gern einen Milchkaffee.

Variationen

Kaffeevariationen mögen übrigens alle Gruppen gerne: Sowohl Cappuccino und Latte macchiato als auch Eiskaffees und süße Milchkaffees sind überall beliebt. Außer bei der Gruppe der Puristen und der Klassiker trinkt mehr als ein Drittel der unterschiedlichen Kaffeetypen gerne süß und mit Milch.

Klassiker

Klassiker

19 Prozent der Konsumenten gehören zu den Klassikern. Das heißt, sie wollen gute, qualitativ hochwertige Kaffeemaschinen und Kaffees. Variationen mit Macadamia-Aroma und Sojamilchschaum sind dagegen nichts für sie. Zu dieser Gruppe gehören viele ältere Menschen, die eher in kleineren Ortschaften als in den Metropolen leben. Kaffee trinken sie zu jeder Tageszeit, bevorzugt Filterkaffee.

Die Genügsamen

Die Genügsamen

Rund 12 Prozent der Kaffeetrinker zählen zur Gruppe der Genügsamen. Sie achten mehr auf den Preis als auf die Qualität, sie trinken aber auch deutlich weniger als die anderen Gruppen. Außer Haus trinken sie eher selten Kaffee. Zu den Genügsamen gehören überwiegend junge Männer.

Solorzano, der seine Farm von drei auf vier Hektar ausweitete, gibt nach eigenen Worten 140 Dollar aus, um einen 60 Kilogramm schweren Sack mit Arabica-Bohnen zu produzieren. Beim Verkauf erhält er dann nur rund 132 Dollar. „Wir haben unsere Investitionen in den vergangenen Jahren ausgebaut, weil wir dachten, die Preise würden hoch bleiben“, sagt der Landwirt. Seine Farm befindet sich rund 130 Kilometer nördlich der Hauptstadt San Jose. „Wir haben noch immer die Hoffnung, dass sich die Preise irgendwann wieder fangen. Wir haben keine Alternativen, weil das Land hier sehr bergig ist.“

Nach Schätzung der US-amerikanischen Regierung wird das weltweite Kaffee-Angebot in 2014 schon die vierte Saison in Folge den Konsum übersteigen. Der Preis für Arabica-Bohnen in New York wird bis zum März um zehn Prozent auf 95 Cent je Pfund fallen, so eine Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter 13 Volkswirten. Das wäre das geringste Niveau seit Juli 2006.

Geldanleger werden angesichts solcher Aussichten hellhörig. Von diesem Trend könnten die Gewinnmargen von Firmen wie etwa Green Mountain Coffee Roasters profitieren. Im Einzelhandel dürften Anbieter wie Starbucks und Kraft Foods die Preise für Kaffee zudem absenken.

„Im Moment gibt es so viel Kaffee, überall, dass es wohl mindestens eineinhalb Jahre dauern wird, bis das Angebot abgebaut ist und die Preise sich erholen“, erklärt Roberto Higgins, Director beim Broker Guide Investimentos Corretora de Valores aus Sao Paulo. „In diesem Markt gibt es keinen Raum für Optimismus.“

Kommentare (8)

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Karma

19.11.2013, 12:45 Uhr

Ok, ein guter Hinweis, dann werde ich doch wieder mehr von diesem herrlichen Getränk trinken.

Immerhin, damit fördere ich auch die Arbeitsplätze in III Ländern und fühle mich dabei echt wohl, wenn ich mich als Entwicklungshelfer der II. Ebene sehe. Und im Gegensatz zu den oft undurchsichtigen Kanälen vom Roten Kreuz weiß ich dann wenigstens, wo mein Geld bleibt.

stetson

19.11.2013, 12:54 Uhr

Fehlt nur noch die Anklage, dass natürlich wieder der Verbraucher Schuld an den niedrigen Preisen ist und er und nicht die Unternehmen die Verantwortung für die Ausbeutung der Bauern trägt.

kuac

19.11.2013, 13:08 Uhr

@karma
Sie irren sich.
"Starbucks profitiert, die Bauern leiden".
Ihr Geld kommt bei den Bauern nicht an. Dafür sorgt der "freie Markt" und die grossen Kaffekonzerne.

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