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14.02.2013

14:58 Uhr

Aktuelle Statistik

Anleger kaufen weniger Gold – Staaten umso mehr

VonJörg Hackhausen

Die weltweite Nachfrage nach Gold ist 2012 gesunken. Das belegen aktuelle Zahlen. Doch die Statistik hält Überraschungen bereit: Während vor allem Privatleute weniger kaufen, schlagen die Notenbanken kräftig zu.

Hochkarätige Goldbarren der Chinese Gold and Silver Exchange Society in Hongkong. Reuters

Hochkarätige Goldbarren der Chinese Gold and Silver Exchange Society in Hongkong.

Der Boom auf dem Goldmarkt geht weiter. Das lässt eine Meldung des World Gold Council vermuten. In einer Pressemitteilung, die der Lobbyverband der Goldindustrie am Donnerstag  veröffentlicht hat, heißt es: „2012 erreichte die Goldnachfrage Rekordwerte“.

Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Zwar gaben Goldkäufer insgesamt 236,4 Milliarden  Dollar aus – so viel wie nie. Das lag aber daran, dass gleichzeitig auch der Goldpreis im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Die Menge an Gold, die weltweit nachgefragt wurde, ist tatsächlich gesunken, um vier Prozent auf 4405,5 Tonnen. Auch das geht aus den Zahlen des World Gold Council hervor, nur etwas weiter hinten versteckt. Die Nachfrage liegt immer noch auf einem hohen Niveau. Aber das ändert nichts daran, dass für 2012 unter dem Strich ein Minus steht.

Besonders deutlich sank die Nachfrage der Investoren nach Goldmünzen und -barren. Während die Nachfrage nach physischem Gold im Jahr 2011 noch bei 1514,4 Tonnen lag, fiel sie 2012 auf 1255,6 Tonnen. Auch die Nachfrage der Juweliere sowie der Industrie ging zurück.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

Ein Grund für den Rückgang: Der indische Markt, der wichtigsten Goldmarkt der Welt, war zu Beginn des Jahres regelrecht eingebrochen. Das Finanzministerium in Delhi hatte die Einführzölle auf Gold drastisch angehoben, dazu weitere Sondersteuern auf Gold eingeführt. Der Verfall der Rupie machte die Goldimporte noch teurer. Aus Protest riefen Juweliere landesweit einen Streik aus, der über Wochen andauerte. Erst in der zweiten Jahreshälfte normalisierte sich der Handel wieder, die Nachfrage zog an. Besonders im vierten Quartal kauften die Inder wieder mehr Gold – weil sie fürchten müssen, dass Gold für sie demnächst noch teurer wird. Anfang 2013 will die Regierung die Einfuhrzölle erneut erhöhen. Auf das Gesamtjahr gerechnet sank die Nachfrage der indischen Verbraucher um 12 Prozent auf 864,2 Tonnen.

Die Hoffnung, dass China zur wichtigsten Goldnation aufsteigen wird, erfüllte sich bislang nicht. Die Nachfrage veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr kaum – ein Zeichen dafür, dass sich die Chinesen aufgrund der Abschwächung des Wirtschaftsbooms zurückhalten. Die Nachfrage in China sank um 0,5 Prozent auf 776,1 Tonnen. Auf lange Sicht dürfte China aber zum größte Goldmarkt der Welt werden. „Wir erwarten, dass die wachsende Wirtschaft und steigende Einkommen in China dazu führen werden, dass die Goldnachfrage in dem Land weiterhin steigen werden“, sagte Catherine Raw, Managerin des BGF World Mining Fund bei Blackrock.

Kommentare (23)

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14.02.2013, 15:15 Uhr

Der Goldpreis wird vor alle durch den Derivatehandel mit der hundertfachen physisch existierenden Menge gemacht. Im Goldpreis steckt locker 1/3 reine Spekulation.
Noch nie waren die Wegweiser in Richtung Fiatgeldentwertung und/oder Systemkrise/langfristiger Systemreset so klar und eindeutig. Mit Gold ist egal ob es morgen soweit ist oder in 20 Jahren, ich schlafe ruhig. Alles, wirklich alles spricht für einen langfristig steigenden Wert von Gold. Und sogar dann, wenn die Spekulation auf Gold in Panik wegbricht - sie wird zurückkommen und immer da sein - in welchem Geldsystem oder Jahrhundert/Jahrtausend auch immer

Account gelöscht!

14.02.2013, 15:53 Uhr

"Die weltweite Nachfrage nach Gold ist 2012 gesunken"

Aber garantiert nicht beim echten physischen Gold, ganz im Gegenteil!

Account gelöscht!

14.02.2013, 16:07 Uhr

Exakt, man muß sich nur die Zeit und Ruhe nehmen, so ca. 500 Jahre.

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