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14.07.2011

00:00 Uhr

Alternativen in der Krise

Fremdwährungen sind Notanker für Investoren

VonLaura de la Motte

Die Schuldenkrise treibt Investoren zur Suche nach einer Alternative zum heimischen Geld. Yen und Franken sind besonders beliebt. Doch Experten warnen: Der Griff zur fremden Währung birgt auch Risiken.

Japanische Yen-Scheine. Quelle: dpa

Japanische Yen-Scheine.

FrankfurtDie Schuldenkrise in Europa hat den Euro zu Wochenbeginn unter Druck gebracht, erst gestern zeigte er leichte Erholungstendenzen. Als die Nachricht über eine mögliche Ansteckung Italiens in den Handelssälen der Finanzhäuser die Runde machte, hatte die Gemeinschaftswährung binnen kürzester Zeit gegenüber den meisten anderen Währungen an Wert verloren. Der Schock war groß, denn er hatte alle überrascht. "Am Markt sorgte man sich um Spanien, Italien hatte niemand auf dem Schirm", sagt ein Devisenhändler einer Großbank.

Zuletzt waren viele Marktteilnehmer übergewichtet in Euro, erklärt der Händler. Die dann plötzlich einsetzende Verkaufswelle wurde durch zwei Effekte zusätzlich verstärkt: Zum einen hatten sich viele Händler vor zu hohen Verlusten durch Stopp-Kurse abgesichert. Als dieses Niveau unterschritten wurde, verkauften sie den Euro. Andere Marktteilnehmer verlassen sich beim Handel auf Computermodelle. Bei diesem sogenannten Algotrading registrieren die Computer besonders starke Kursbewegungen und bauen automatisch Positionen auf, die vom Trend profitieren.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Die größten Gewinner der Unruhen auf dem Devisenmarkt waren einmal mehr der Japanische Yen und der Schweizer Franken. "Das sind die traditionellen Fluchtwährungen", sagt der Händler. In der Folge fiel der Euro gegenüber der eidgenössischen Währung am Dienstag auf ein Rekordtief von 1,15 Franken, erholte sich am Mittwoch leicht auf 1,16 Franken. "Die Schweizer Währung ist derzeit überbewertet. Sollte sich die Krise entspannen, könnte der Euro auf 1,25 Franken steigen, verschärft sie sich, sind wir schnell bei 1,10 Franken", sagt Thomas Steinemann, Chefstratege bei der schweizerischen Bank Vontobel. Allerdings könnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) versuchen, die heimische Währung künstlich zu schwächen. Während der Aufkauf von Euro im vergangenen Jahr wenig erfolgreich war und daher in naher Zukunft unwahrscheinlich ist, könnte die SNB andere, wertbeständigere Anlagen erwerben wie Aktien, Gold oder Immobilien, um die Geldmenge zu erhöhen und so einer Aufwertung entgegenzuwirken, sagt Steinemann.

Eine allgemeine Euro-Schwäche sehen Analysten dagegen nicht. "Sieht man vom Schweizer Franken ab, hält sich die Währung erstaunlich gut", sagt Steinemann. Gegenüber dem US-Dollar und dem britischen Pfund konnte er in den letzten sechs Monaten etwa sechs Prozent zulegen. Auch der Hongkong-Dollar, und die klassischen Rohstoffwährungen südafrikanischer Rand und der kanadische Dollar hatten das Nachsehen. Die kurzzeitigen Verluste vom Wochenanfang grenzte der Euro gestern bereits wieder ein.

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