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24.12.2013

15:54 Uhr

Angebot wird knapp

Geht uns der Kakao aus?

Die Nachfrage nach Schokolade ist nicht nur wegen Weihnachten enorm. In China hat sich der Absatz innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Der Kakaopreis schnellt in ungeahnte Höhen.

Geerntete Kakao-Bohnen auf einer brasilianischen Farm. Die stark wachsende Mittelschicht in China liebt Schokolade. dpa

Geerntete Kakao-Bohnen auf einer brasilianischen Farm. Die stark wachsende Mittelschicht in China liebt Schokolade.

Am Kakaomarkt bahnt sich die längste Angebotslücke seit mehr als fünf Jahrzehnten an. Grund dafür ist nicht zuletzt die steigendende Nachfrage nach Schokolade in asiatischen Ländern.

Der Kakaoverbrauch wird das Angebot in den zwölf Monaten ab dem 1. Oktober dieses Jahres um rund 70.000 Tonnen übersteigen und diese Lücke wird bis Ende 2018 anhalten. Die sechsjährige Phase wäre die längste, seit die Datenaufzeichnung 1960 begann, wie Laurent Pipitone, Statistikchef bei der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) in London mitteilte. Der Kakaopreis wird laut einer Umfrage von Bloomberg News unter 14 Händlern im Median um 15 Prozent steigen, auf 3200 Dollar bis Ende 2014.

Der globale Absatz von Schokoladensüßwaren wird 2014 um 2,1 Prozent auf den Rekordwert von 7,3 Millionen Tonnen steigen – nach einem zweiprozentigen Plus im Jahr 2013. Das schätzt der Marktforscher Euromonitor International. In China hat sich der Absatz in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und lag über den Zuwachsraten in Westeuropa, dem größten Schoko-Konsumenten.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Das knappe Angebot bedeutet für die Hersteller von Schokoprodukten wie Nestlé, Barry Callebaut und Lindt & Sprüngli - alle aus der Schweiz - vor allem eines: höhere Kosten. Nestlé erklärte am 8. August, dass die Gewinnmargen im Süßwarengeschäft in den sechs Monaten bis zum 30. Juni gefallen sind. Das Unternehmen sprach von zunehmender Konkurrenz und Marketingkosten.

„Die Nachfrage nach Schokolade ist enorm”, sagte Ashmead Pringle, Präsident von GreenHaven Commodity Services in Atlanta. „Ein Großteil der Weltbevölkerung rückt in die Mittelklasse auf und wird mehr Geld ausgeben können. Das gilt besonders für Schwellenländer und Asien.”

Kakao hat sich dieses Jahr um 25 Prozent verteuert - an der Rohstoff-Terminbörse ICE Futures U.S. in New York kostet die Tonne 2792 Dollar. Das ist der zweithöchste Preisanstieg unter den 24 Rohstoffen, die der Standard & Poor's GSCI Spot Index abbildet. Zum Vergleich: der MSCI All-Country World Index für Aktien hat dieses Jahr 16 Prozent gewonnen. Trockenheit an der Elfenbeinküste und in Ghana, den größten Kakao-Anbauländern, hat dieses Jahr die Preise in zusätzlich in die Höhe getrieben.

Die Kakaoanbauer in Westafrika, die hinter rund 70 Prozent der Weltproduktion stehen, kämpfen auch mit alternden Bäumen, erklärte Projektmanager Francesco Gibbi vom Common Fund for Commodities der Vereinten Nationen.

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