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06.06.2012

15:40 Uhr

Atempause

Ölpreise sinken unter 100 Dollar

Der Rohölpreis hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgegeben und damit sind Benzin und Heizöl wieder billiger geworden. Autofahrer und Heizölkunden würden noch deutlicher profitieren, wenn der Euro nicht so schwach wäre.

Überschüssiges Gas verbrennt in einer Rohölverarbeitungsanlage. dpa

Überschüssiges Gas verbrennt in einer Rohölverarbeitungsanlage.

HamburgDie Ferienzeit naht, in zwei Wochen beginnen in den ersten Bundesländern die Sommerferien. Und von der Tankstelle kommt eine gute Nachricht: Benzin ist seit dem Preishoch zwischen Februar und April deutlich günstiger geworden. Einen Liter Super E10 kann der Autofahrer im Durchschnitt für 1,57 Euro tanken; er muss ungefähr 14 Cent weniger als zu Ostern bezahlen. Die meistgetankte Sorte Super E5 kostet 1,61 Euro, der Liter Diesel ist für weniger als 1,43 Euro zu haben. Und Heizöl kostet mit 84 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern) kaum mehr als vor einem Jahr - das gab es schon lange nicht mehr.

Eine Trendwende ist das nicht, aber eine Atempause. Der Preis für Rohöl ist seit seinen Höchstständen im März und April um ein Fünftel zurückgegangen und unter 100 Dollar für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent gefallen. Damit ist das Preisniveau vom Beginn des vergangenen Jahres wieder erreicht. „Es gibt mehrere Faktoren, die in die gleiche Richtung wirken“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. So sei zu erklären, dass der Preis für Rohöl ziemlich zügig verfiel.

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Zum einen hat sich auf den Finanzmärkten düstere Stimmung breitgemacht. Nicht nur Rohöl wurde billiger, sondern auch Industrie- und sogar Agrarrohstoffe. Der HWWI-Rohstoffpreisindex ging im Mai gegenüber dem Vormonat um 7,5 Prozent zurück, gemessen in US-Dollar. Auch die Aktienmärkte sind schwach. Die Spekulation, die Schwankungen der Preise nach oben wie nach unten verstärkt, hat sich vom Rohöl erst einmal abgewendet.

Zum anderen sprudeln die Ölquellen. „Saudi-Arabien fördert so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr“, meldet das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI. „Über den Iran wird gegenwärtig gar nicht geredet“, sagt Bukold. Und die Nachfrage nach Öl ist geringer als erwartet; in den USA und Europa gibt es kein Wachstum und auch der chinesische Öldurst nimmt nicht mehr so stark zu wie erwartet. All diese Faktoren haben die Lage auf dem Ölmarkt entspannt.

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Die Autofahrer und Heizölkunden könnten noch deutlicher profitieren, wenn nicht gleichzeitig der Euro so schwach wäre. Öl muss in Dollar bezahlt werden; je mehr Dollar ein deutscher Ölhändler für einen Euro bekommt, desto billiger wird es für den Verbraucher. Vor einem Jahr gab es noch 1,45 Dollar für einen Euro, jetzt sind es nur noch 1,25 Dollar. Das wirkt wie ein Stopper für den Preisrückgang. Der HWWI-Preisindex für Energie ging im Mai in Dollar um 8,3 Prozent zurück, in Euro jedoch nur um 5,8 Prozent.

Im langfristigen Vergleich sind Kraftstoffe und Heizöl immer noch recht teuer. Der ADAC wirft den Ölkonzernen vor, sie würden die Spielräume für Preissenkungen nicht voll ausnutzen; die Unternehmen weisen das zurück und verweisen auf den scharfen Wettbewerb auf dem deutschen Markt. Die meisten Experten sind einig in der Meinung, dass an den Zapfsäulen über kurz oder lang wieder neue Rekordpreise jenseits von 1,70 Euro je Liter zu sehen sein werden. Öl bleibt ein kostbares und gefragtes Gut und der Weltmarkt kann sich auch schnell wieder drehen.

Von

dpa

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