Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2014

14:34 Uhr

Auch Deutsche Bank ist betroffen

US-Klage gegen Großbanken wegen Devisen-Skandal

Ein Vorwurf ist die Manipulation von Referenzkursen. Zwölf Großbanken, auch die Deutsche Bank, müssen sich in den USA bald vermutlich zivilrechtlich verantworten. Mindestens 30 Händler wurden bereits entlassen.

Der Deutschen Bank droht Ungemach: Sie ist eine von zwölf Großbanken, gegen die US-Investoren Klage eingereicht haben. dpa

Der Deutschen Bank droht Ungemach: Sie ist eine von zwölf Großbanken, gegen die US-Investoren Klage eingereicht haben.

New YorkIm Skandal um mutmaßliche Manipulation des Devisenmarktes haben mehrere Investoren in den USA ihre Klagen gegen zwölf Großbanken gebündelt. Im Visier sind unter anderem die Deutsche Bank sowie die Schweizer Geldhäuser Credit Suisse und UBS. Sie sollen sich seit Anfang 2003 abgesprochen haben, um Devisenkurse zum Nachteil ihrer Kunden zu manipulieren. Zu den Klägern gehören die Stadt Philadelphia sowie mehrere Pensions- und Hedgefonds. Sprecher der beklagten Institute lehnten eine Stellungnahme ab oder waren zunächst nicht erreichbar.

Am Devisenmarkt werden täglich etwa 5,3 Billionen Dollar umgesetzt. Einzelne Banker stehen im Verdacht, bei der Festlegung von Referenzkursen getrickst zu haben. Ähnlich wie im Skandal um manipulierte Zinsen drohen den Geldhäusern nach Einschätzung von Experten Milliardenstrafen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Ins Rollen gebracht hatten die Untersuchungen vor etwa einem Jahr die Aufsichtsbehörden in Europa, allen voran in Großbritannien. Weltweit haben Finanzinstitute inzwischen mindestens 30 Händler beurlaubt oder entlassen. Insidern zufolge musste zuletzt auch eine führende Devisenhändlerin der Deutschen Bank in London ihren Schreibtisch räumen.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Das jüngste zivilrechtliche Verfahren wurde am Montagabend bei einem Bezirksgericht im New Yorker Finanzdistrikt Manhattan auf den Weg gebracht. Es fasst mehrere seit November laufende Klagen zusammen. Zu den Beklagten zählen auch zahlreiche Institute aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Im Einzelnen sind es noch die Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Goldman Sachs, HSBC, JPMorgan, Morgan Stanley sowie die Royal Bank of Scotland.

Der Schaden wird in der Klage nicht genau beziffert. Die Fonds sind Kunden der zwölf Großbanken, die im Devisengeschäft zusammen auf einen Marktanteil von 84 Prozent kommen. Händler der betroffenen Banken sollen sich seit Januar 2003 über Internetforen, Messaging-Dienste sowie E-Mails abgesprochen haben, um das sogenannte WM/Reuters Fixing zu manipulieren. Dieses wird täglich um 16.00 Uhr Londoner Zeit errechnet und zählt zu den am meisten genutzten Kursen am Devisenmarkt.


Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.04.2014, 15:03 Uhr

Weshalb hat die BaFin von allem nichts bemerkt?

Wer Probleme mit derartigem Ausmaß nicht erkennt, kann man nicht gebrauchen.

Finanzaufsicht? Wie denn?

Account gelöscht!

02.04.2014, 15:32 Uhr

"....sollten sich diese Vorwuerfe bestaetigen."
Was fuer eine schwachsinnige Fragestellung?
Egal weswegen man dieses Verbrechersynikat verdaechtigt, die Realitaet ist meist noch schlimmer, als jede Verdaechtigung und die DB, mit dem Motto "Betrug aus Leidenschaft" ist ohne jeden Zweifel IMMER dabei, wenn nicht fuehrend!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×