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08.03.2018

18:11 Uhr

Aufruhr im Zentrum der Krypto-Welt

Japanische Finanzaufsicht bestraft sieben Bitcoin-Börsen

VonMartin Kölling

Japan gilt als Vorreiter der Krypto-Regulierung. Jetzt geht die Aufsicht scharf gegen sieben Börsen vor. Die Kurse brechen ein.

Der Chef der Krypto-Börse – bei der heutigen Konferenz in japanischer Büßer-Pose – denkt offen über seinen Rücktritt nach. Bloomberg

Coincheck-Präsident Koichiro Wada

Der Chef der Krypto-Börse – bei der heutigen Konferenz in japanischer Büßer-Pose – denkt offen über seinen Rücktritt nach.

TokioIn Japan, einem der Zentren der Krypto-Welt, machen die Regulierer ernst – und die Bitcoin-Enthusiasten horchen auf. Seitdem der Bitcoin am Mittwoch mit 1000 Dollar ein knappes Zehntel seines Wertes verlor, müht er sich an der wichtigen 10.000-Dollar-Marke ab – vergeblich.

Das resolute Vorgehen der FSA, der japanischen Finanzaufsicht, beeindruckt die Krypto-Anleger. Denn die Vorreiterin in der Regulierung von Bitcoin & Co. erhöht nach dem größten virtuellen Währungsraub der Geschichte den Druck auf die heimischen Währungsbörsen – mit Strahlkraft für die gesamte Szene.

Am Donnerstag bestrafte die FSA sieben Börsen, darunter das Opfer des Raubs: Coincheck. Fünf Börsen müssen ihre internen Kontrollen und Handelssysteme verbessern, um unter anderem Einlagen besser zu schützen und Geldwäsche sowie Terrorfinanzierung zu verhindern. Die Geschäfte der japanischen Börsen Bitstation und FSHO werden sogar für einen Monat offline gehen.

Damit wendet die FSA erstmals flächendeckend ihren neuen Regelungswillen gegen die wild wachsenden Börsen an. Nach der Pleite der einst größten Bitcoin-Börse Mt. Gox hat Japan als erster Staat die neuen Handelsplätze reglementiert. Damit wollte die Regierung Rechtssicherheit schaffen und eine Innovationswelle im Fintech-Sektor auslösen. Daher müssen sich Börsen bereits seit 2017 in Japan registrieren.

Was Zentralbanken über Kryptowährungen denken

EZB

Die Europäische Zentralbank hat schon mehrfach vor den Gefahren eines Investments in Digitalwährungen gewarnt. Vizepräsident Vitor Constancio bezeichnete den Bitcoin im September, in Anspielung auf die Blase in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts, als „Tulpe“.

Sein Kollege Benoit Coeure warnte vor dem instabilen Wert des Bitcoin und stellte ihn in Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und Kriminalität. EZB-Präsident Mario Draghi sagte im November, dass die Auswirkungen der digitalen Währungen auf die Wirtschaft des Euro-Raums begrenzt seien und dass sie das Monopol der Zentralbanken für Geld nicht gefährdeten.

Deutsche Bundesbank

In einem Land, in dem viele Bürger immer noch lieber bar bezahlen, hat die Bundesbank das Auftauchen von Bitcoin und anderen virtuellen Währungen besonders genau beobachtet. Ihr Präsident Jens Weidmann zeigte sich deshalb auch skeptisch: „Es ist spekulativ, man kann Geld damit verlieren“. Er sprach sich jedoch ausdrücklich gegen eine Regulierung aus geldpolitischer Sicht aus. Denn die „Hürde für regulatorische Maßnahmen ist ziemlich hoch“.

Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele sagte im September, dass die Verlagerung von Depositen in die Blockchain das Geschäftsmodell der Banken stören würde. Die Bundesbank den Einsatz der Technologie in Zahlungssystemen jedoch untersucht.

Fed

Die Auseinandersetzung der amerikanischen Notenbank mit Kryptowährungen befindet sich noch in ihren Anfängen. Die Begeisterung für eine eigene Antwort auf den Bitcoin hält sich innerhalb der Fed eher in Grenzen. Jerome Powell, Vorstandsmitglied und designierter Fed-Chef, sieht zum Beispiel noch technische Probleme bei einer möglichen Zentralbank-Kryptowährung. Zudem sieht er Datenschutzprobleme.

Randal Quarles, bei der Fed für die Bankenaufsicht zuständig, erklärte, dass die Zentralbank zwar noch keine Regulierungspolitik für den Bitcoin habe, es sich aber „lohne, darüber nachzudenken“. Das Volumen der Kryptowährungen könnte irgendwann für die Geldpolitik „wichtig“ werden, sagte Powell bei einer Anhörung vor dem Senat. Noch seien sie jedoch „einfach nicht groß genug“.

Bank of England

Der Bank-of-England-Gouverneur Mark Caney bezeichnete Kryptowährungen als Teil einer möglichen „Revolution“ der Finanzwelt. Die britische Zentralbank hat 2016 zudem Gelder bereit gestellt, um die Gründung von Finanztechnologie Start-ups zu unterstützen.

Carney sagte zudem, dass auf Blockchain basierende Technologie „vielversprechend“ sei. Sie ermögliche Zentralbanken, ihre Abwehr gegen Cyberattacken zu stärken und die Art und Weise, wie Zahlungen zwischen Institutionen und Verbrauchern abgewickelt werden, zu überarbeiten. Er wies jedoch darauf hin, dass die Bank of England noch weit davon entfernt sei, eine digitale Version des Pfund Sterling zu erstellen.

Banque de France

Francois Villeroy de Galhau, Gouverneur der französischen Notenbank, sagte, dass französische Beamte bei Bitcoin zu „großer Vorsicht“ raten würden. Das Problem sei, dass es keine Institution gebe, die Vertrauen schaffe. In der Geschichte seien alle Beispiele privater Währungen schlecht ausgegangen.

Er erklärte zudem, dass Bitcoin eine „dunkle Seite“ habe und bezog sich dabei auf Datenattacken. Außerdem betonte er, dass Menschen, die Bitcoin nutzten, dies auf „eigenes Risiko“ tun würden.

Bank of Japan

Haruhiko Kuroda, Gouverneur der japanischen Notenbank, sagte im Dezember über den Bitcoin, dass er nicht glaube, dass er „wie eine Währung als ein Zahlungsmittel“ funktioniere. Die Digitalwährung werde „ zum investieren oder spekulieren gehandelt“. Kuroda betrachtete ihn zudem nicht als „Hindernis“" für die Geldpolitik der Bank of Japan.

Er erklärte außerdem, dass es seitens der japanischen Notenbank keine Pläne gebe, eine eigene Digitalwährung herauszugeben. Gleichzeitig sei es jedoch wichtig, das Verständnis über Kryptowährungen zu vertiefen. Ein solcher Schritt würde seiner Ansicht nach bedeuten, „grundlegende Fragen des Zentralbankwesens“ zu überdenken, da es der Öffentlichkeit letztendlich Zugang zu Zentralbankkonten gewähren würde.

People's Bank of China

China hat eines deutlich gemacht: Die Zentralbank hat volle Kontrolle über Kryptowährungen. Dank eines Forscherteams, das 2014 gegründet wurde um digitales Fiatgeld zu entwickeln, ist die People's Bank of China sicher, dass „die Bedingungen erfüllt sind", um die Technologie hinter Kryptowährungen zu nutzen.

Die Bank hat private Anbieter digitaler Währungen jedoch schwer zugesetzt, indem sie den Börsenhandel von Bitcoin und Co. verboten hat. Auch wenn es kein offizielles Startdatum für eine eigene Digitalwährung gibt, sind die chinesischen Behörden aber überzeugt, dass die Digitalisierung die Zahlungseffizienz verbessern und eine genauere Kontrolle der Währungen ermöglichen könnte.

16 Handelsplätze haben es schon geschafft, 16 hingen bisher noch im Genehmigungsverfahren fest. Doch hat die FSA bei ihren Überprüfungen weitgehend auf die Selbstregulierung der Börsen vertraut und auf Vor-Ort-Inspektionen verzichtet. Ihre Laisser-faire-Politik ließ sie erst fallen, nachdem Hacker Anfang des Jahres bei Coincheck Konten der Währung Nem um umgerechnet 430 Millionen Euro erleichterten.

Seither ist die FSA Stammgast in den Handelsplätzen und untersucht genauer, wie professionell die jungen Startups vorgehen. Diese Vorortinspektionen dürften nun die Regel werden, deutete Finanzminister Taro Aso bereits im Februar an. „Es ist extrem wichtig für virtuelle Währungshändler, wirksame interne Kontrollen inklusive dem Management von IT-Systemrisiken, um die Kunden zu schützen,“ erklärte der Minister.

Man müsse weiterhin versuchen, die Kunden durch Inspektionen und andere Maßnahmen zu schützen.

Neben politischem Druck dürften ihre Befunde der FSA zusätzlichen Anreiz geben, in Zukunft die Augen offen zu halten. Denn gerade bei den noch nicht registrierten Börsen wie Coincheck hinkt die Wirklichkeit hinter den Systemen hinterher. Nur bei zwei der sieben Sünder handelt es sich um bereits registrierte Börsen, bei Tech Bureau und GMO Coin.

Doch gerade der Fall GMO Coin unterstreicht, dass die Probleme weit verbreitet sind und selbst vor bekannten, vermeintlich vertrauenswürdigen Namen nicht halt macht. Immerhin ist die Börse Teil des angesehenen Unternehmens GMO Internet. Und diese Holding ist nicht nur an der ersten Sektion der Tokioter Börse geführt, sondern wurde sogar mit einem Platz im JPX-Nikkei-400-Index als besonders aktionärsfreundlich geadelt.

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In diesen Index werden nur Werte aufgenommen, die globale Investmentstandards erfüllen. Viele japanische Pensionsfonds investieren daher zuerst in die Firmen. Folgerichtig brach der Aktienkurs von GMO Internet nach der Ermahnung durch die FSA auch gleich um 4,5 Prozent auf 1953 Yen ein.

Die Holding bemühte sich prompt um Schadensbegrenzung und nahm sich gleich selbst in die Pflicht. Die Firma und GMO Coin nehme sich die Strafe zu Herzen und werde das Risikomanagementsystem verbessern, teilte die Holding in einer Presseerklärung mit. „Wir werden alles unternehmen, um das Vertrauen wiederherzustellen.“

Das der FSA selbst ein illustrer Name ins Netz ging, unterstreicht ein Problem der jungen Branche: das rasante Wachstum der virtuellen Währungen wie der Börsen. Da der Aufbau einer Börse billiger ist als der einer schwer regulierten Bank, tummeln sich viele Startups in dem lukrativen Markt.

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Kommentare (1)

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Herr Helmut Metz

08.03.2018, 18:49 Uhr

Das geht ja auch gar nicht: da kann der Kuroda von der BoJ den Yen auch nicht mehr weiter exzessiv starkverdünnen, wenn die Japaner die Möglichkeit haben, auf nichtstaatliches, konkurrrierendes Privatgeld auszuweichen. Enteignung der Japaner via Inflation wird da ja fast unmöglich... ;-)

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