Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2005

20:13 Uhr

Aufwertung der chinesischen Währung würde Euro entlasten

Renminbi-Spekulationen halten Devisenmärkte auf Trab

VonNorbert Häring

An den internationalen Finanzmärkten blüht die Spekulation, dass China in Kürze seine an den Dollar gekoppelte Währung aufwerten könnte. Das würde nach allgemeiner Erwartung andere asiatische Währungen gegenüber dem Dollar mit nach oben ziehen und dadurch Aufwertungsdruck vom Euro nehmen. Am Donnerstag fiel der Euro-Kurs erstmals seit November wieder nachhaltig unter die Marke von 1,30 Dollar.

HB FRANKFURT. Angeheizt wurde die Aufwertungsspekulation durch das Beratungshaus Medley Global Advisors, das in Finanzkreisen als sehr gut mit der Politik verdrahtet gilt. Eine Aufwertung um etwa fünf Prozent stehe bevor, schrieb Medley einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge an seine Kunden. Dies könne zum Ende des chinesischen Neujahrsfests Mitte Februar jederzeit beschlossen werden.

Am grauen Terminmarkt für den chinesischen Renminbi sprangen Wetten auf eine baldige Aufwertung rasant an. Gestern war eine fünfprozentige Aufwertung innerhalb der nächsten drei Monate zu dreißig Prozent in den Kursen vorweggenommen.

Bereits jetzt sorgt die Spekulation um das chinesische Währungssystem dafür, dass Asien Europa einen stärkeren Teil der Anpassungslast der Dollar-Schwäche abnimmt. Gegenüber dem japanischen Yen, der weiterhin in der Nähe langjähriger Höchststände zum Dollar notiert, hat der Euro seit Ende Dezember gut sechs Prozent nachgegeben. Dasselbe gilt für andere Währungen der Region.

„China wird die Anbindung an den Dollar nicht auf Dauer aufrechterhalten können. Es lohnt sich weiter, auf einen, gegenüber Asien abwertenden Euro zu setzen“, empfiehlt Stephen Jen von der Investmentbank Morgan Stanley.

Der Dollar steht unter Abwertungsdruck, weil viele Anleger der Ansicht sind, dass das Leistungsbilanzdefizit der USA von derzeit rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf Dauer nicht aufrechterhalten werden kann. Eine Abwertung des Dollars macht amerikanische Produzenten wettbewerbsfähiger. Zudem verbilligen sich Dollar-Devisenanlagen, was den Kapitalzufluss in die USA anregt.

Obwohl das Defizit im Außenhandel der USA vor allem im Handel mit Ostasien aufläuft, haben die dortigen Währungen bisher viel weniger aufgewertet als der Euro. So stieg der Euro in den vergangenen drei Jahren um rund sechzig Prozent, der japanische Yen nur um rund fünf Prozent. China hat seine Währung fest an den Dollar gekoppelt. Andere Schwellenländer der Region und Japan haben sich durch Verkäufe der eigenen Währungen gegen Dollar am Devisenmarkt einer stärkeren Aufwertung widersetzt. Es gilt als wahrscheinlich, dass diese eine Aufwertung der eigenen Währungen eher zulassen würden, wenn China aufwertet. Dann müsste der Euro weniger aufwerten, um eine bestimmte Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der USA zu erreichen.

Unter den internationalen Investmentbanken herrscht fast Einmütigkeit, dass China spätestens zur Jahresmitte eine Änderung an seiner Dollar-Bindung vornehmen werde.

Merrill Lynch und Goldman Sachs sagen schon seit geraumer Zeit eine Reform voraus und wurden bisher enttäuscht. Dennoch rechnen sie jederzeit damit, dass es endlich so weit ist. Lehman Brothers und Barclays Capital favorisieren den Juni, Morgan Stanley sagt „irgendwann“ im Jahresverlauf.

Was das Ausmaß der Aufwertung oder der Wechselkursflexibilisierung angeht, warnen die Experten jedoch vor zu hohen Erwartungen. „Der Reformprozess wird aus Sicht der Finanzmärkte qualvoll langsam ablaufen“, schreibt Rob Subbaraman von Lehman Brothers.

Lehman erwartet eine einmalige Aufwertung um fünf Prozent, gekoppelt mit einer Anbindung an einen Währungskorb statt allein an den Dollar, Barclays Capital eine Ausweitung der zulässigen Schwankungsbreite von derzeit 0,3 Prozent in beide Richtungen der festgelegten Parität auf fünf Prozent.

Merrill Lynch und Goldman Sachs waren bei weitem nicht die einzigen Banken, die sich im vergangenen Jahr verschätzten. „Viele Investoren haben sich bereits mit Wetten auf eine Aufwertung die Finger verbrannt und sind daher vorsichtiger geworden. Das macht es jetzt leichter für die chinesische Regierung, Änderungen zu beschließen, ohne damit eine Spekulationswelle auszulösen“, sagte Jim McCormick von Lehman Brothers.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×