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02.01.2005

14:45 Uhr

Rohstoffe + Devisen

Ausblick 2005: Euro auf dem Weg zu neuen Höhen - Kurse von 1,50 Dollar möglich

Der Euro wird nach Einschätzung von Experten seine Rekordjagd im nächsten Jahr fortsetzen. Einige Analysten erwarten eine drastische Aufwertung bis auf 1,50 Dollar. "Kurse von 1,45 bis 1,50 Dollar sind durchaus drin", sagt der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer.

dpa-afx FRANKFURT. Der Euro wird nach Einschätzung von Experten seine Rekordjagd im nächsten Jahr fortsetzen. Einige Analysten erwarten eine drastische Aufwertung bis auf 1,50 Dollar. "Kurse von 1,45 bis 1,50 Dollar sind durchaus drin", sagt der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer.

Seit Jahresbeginn hat sich die Gemeinschaftswährung um mehr als acht Cent verteuert. Am 7. Dezember erreichte sie mit 1,3 469 Dollar den höchsten Stand seit ihrer Einführung an den Finanzmärkten im Januar 1999. Den Höhenflug hat der Euro nach einhelliger Auffassung von Beobachtern nicht aus eigener Kraft geschafft. "Der Aufwertung liegt eine ausgeprägte Dollar-Schwäche zugrunde", sagt Volkswirt Stephan Rieke von der ING-BHF-Bank.

Dahinter steckt ein massives Finanzierungsproblem in den USA: Die größte Volkswirtschaft der Welt konsumiert deutlich mehr als sie produziert und muss diese Lücke mit fremden Geld schließen, dass zuletzt aber spärlicher floss. Deutlich wird dieses Loch an der Leistungsbilanz, die sämtliche Handelsaktivitäten mit dem Ausland umfasst. Der Fehlbetrag erreichte im dritten Quartal mit 164,7 Mrd. Dollar ein neues Rekordniveau.

Exporteure Sind DIE Verlierer

An dieser Schieflage dürfte sich nach Expertenmeinung auch 2005 nicht viel ändern. "Die Bush-Regierung geht die Defizitprobleme bestenfalls verbal an", sagt Hellmeyer. "Ihre Taten zeigen aber, dass das Defizit in der Leistungsbilanz nicht ernsthaft bekämpft und das Staatsdefizit weiter ausgeweitet wird."

Verlierer des starken Euro sind die europäischen Exportunternehmen, die ihre Waren überwiegend in den USA und Asien absetzen und sich nicht gegen Wechselkursschwankungen abgesichert haben. Jede Aufwertung verteuert ihre Produkte auf den Absatzmärkten im Dollarraum und schmälert die Gewinne. "Die europäischen Unternehmen haben auf der anderen Seite nachhaltige Vorteile beim Wareneinkauf", sagt Hellmeyer.

So wurde der massive Anstieg der Ölpreise - die in Dollar abgerechnet werden - durch den gleichzeitigen Euro-Anstieg deutlich gemildert. Das minderte den Inflationsdruck im Euroraum und erlaubte der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von 2,00 Prozent zu belassen: Damit blieben die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Konsumenten günstig, was wiederum die Konjunktur stützte.

EZB Hält Pulver Trocken

Auch deshalb hielt die EZB im Herbst ihr Pulver trocken und verzichtete trotz beinahe täglich neuer Rekordstände auf einen Eingriff am Devisenmarkt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet beließ es bei so genannten verbalen Interventionen, in dem er den Kursanstieg zum Dollar wiederholt als "brutal" und die Wechselkursschwankungen als "nicht willkommen" bezeichnete. Damit konnte der oberste Währungshüter des Euroraums aber nur kurzzeitig den schwächelnden Dollar stützen.

Bei kräftigen Wechselkursschwankungen halten Experten im kommenden Jahr ein direktes Eingreifen der Notenbank für möglich. "Wenn es zu heftigen Bewegungen kommen sollte, wird die EZB sicher etwas unternehmen", sagte Analyst Wolfgang Leim von der Dresdner Bank.

Zinsabstand Wird Grösser

Möglicherweise endet die Dollar-Schwäche in der zweiten Jahreshälfte aber auch ohne die Nachhilfe von Notenbanken. "Neben den höheren Wachstumsaussichten der USA spricht vor allem der größer werdende Zinsabstand zum Euroraum für den Dollar", sagte ING-BHF-Volkswirt Rieke. Seit Dezember liegen die Leitzinsen in den USA erstmals mit 2,25 Prozent seit drei Jahre wieder über dem EZB-Niveau (2,00%) und machen damit Dollar-Investitionen attraktiver.

Die Schere dürfte im Jahresverlauf den meisten Prognosen zufolge weiter auseinander gehen und der US-Währung helfen. "Ich rechne deshalb damit, dass sich der Eurokurs im Laufe des Jahres wieder von seinen Höchstkursen entfernen und bei 1,30 Dollar stabilisieren wird", sagte Rieke./rw/jha

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