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02.01.2005

14:45 Uhr

Rohstoffe + Devisen

Ausblick 2005: Investoren und Unternehmen müssen mit hohem Ölpreis leben

Für das kommende Jahr müssen sich die Investoren an den Finanzmärkten, Unternehmen und Verbraucher nach Einschätzung von Experten auf weiter hohe Ölpreise einstellen.

dpa-afx FRANKFURT. Für das kommende Jahr müssen sich die Investoren an den Finanzmärkten, Unternehmen und Verbraucher nach Einschätzung von Experten auf weiter hohe Ölpreise einstellen. Die Preise für die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI werden allerdings wegen der zu erwartenden leichten Abschwächung der Weltwirtschaft deutlich unter den Rekordständen liegen, hieß es. Für das kommende Jahr erwarten von dpa-AFX befragte Experten für Brent einen Durchschnittspreis zwischen 38 und 40 Dollar je Barrel (159 Liter) und für die US-Sorte WTI von etwa 40 Dollar. Damit bleiben die Preise deutlich über dem Niveau von Anfang 2004, als beide Ölsorten mit etwa 30 Dollar je Barrel gehandelt wurden.

Die Commerzbank erwartet im kommenden Jahr eine Konsolidierungsphase an den Ölmärkten. "Der Markt ist ausreichend versorgt", sagte Rohstoffexpertin Melanie Fischinger. Allerdings werde die Unsicherheit an den Märkten die Preise weiterhin auf einem hohen Niveau halten. Bis Mitte des Jahres erwartet die Expertin einen Preis für einen Barrel der Nordseesorte Brent von etwa 40 Dollar. Bis Ende des Jahres könnte "es möglicherweise einen weiteren leichten Rückgang der Ölpreise geben".

Opec Sorgt FÜR Unruhe

Für Unruhe an den Ölmärkten sorgte allerdings zum Jahresende die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Auf der Sitzung am 10. Dezember hatte das Kartell zum Jahreswechsel eine Kürzung der Fördermenge um täglich eine Million Barrel beschlossen und damit die Talfahrt der Ölpreise vorerst gestoppt. Die offizielle Förderquote der Opec, die den Irak nicht mit einschließt, war seit Monaten um mehr als eine Million Barrel pro Tag übertroffen worden, um die hohen Ölpreise zu dämpfen. Da die Ölpreise inzwischen rund 25 Prozent unter den Rekordniveaus vom Oktober liegen, drängten einige Opec-Staaten auf eine Einhaltung der Fördermenge.

Im kommenden Jahr rechnet die Opec mit einem deutlichen Rückgang der Nachfrage. Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro geht davon aus, dass die weltweite Ölnachfrage im Frühjahr deutlich sinken wird. Nach Ende der Wintersaison werde der Bedarf im zweiten Quartal um etwa eine Million Barrel pro Tag zurückgehen. Auf die Frage nach einer möglichen weiteren Produktionsdrosselung durch das Kartell antwortete der Präsident: "Lassen Sie uns den 30. Januar abwarten."

Ölmärkte Ausreichend Versorgt

Auch die Baden-Württembergische Bank sieht die Ölmärkte im kommenden Jahr "ausreichend versorgt". Ölexperte Eugen Weinberg rechnet für Brent im Jahresdurchschnitt mit 37 bis 38 Dollar. Den Durchschnittspreis für die US-Sorte WTI erwartet Weinberg bei 40 Dollar.

Falls es nicht zu einem "unerwarteten Boom" in den ohnehin schon stark expandierenden Volkswirtschaften in China und Indien kommen sollte, dürfte die Nachfrage nach Rohöl im kommenden Jahr langsamer ansteigen, sagte Weinberg. Vor allem die weitere konjunkturelle Entwicklung in der Volksrepublik China stelle im kommenden Jahr einen Unsicherheitsfaktor auf der Nachfrageseite dar, sagte auch Ölexpertin Fischinger. An den Ölmärkten gebe es nach wie vor die Sorge, dass der Ölverbrauch durch die boomende chinesische Wirtschaft unterschätzt werde.

Unsichere Lage IM Mitteleren Osten Belastet

Neben der Sorge vor einem unerwartet starken Wachstum der Volkswirtschaften in Asien müssen die Marktteilnehmer weiter mit "einer schwierigen geopolitischen Situation im Mittleren Osten" leben, sagte Fischinger. Eine weitere Eskalation der Lage im Irak werde auch nach Einschätzung von Weinberg die Sorgen der Anleger auf der Nachfrageseite in den Schatten stellen. "Die unsichere Lage in der Region rund um den Persischen Golf könnte im kommenden Jahr erneut für Unruhe an den Ölmärkten sorgen und die Preise wieder steigen lassen."

Für das kommende Jahr rechnet auch die BHF-ING Bank nicht mit Lieferengpässen beim Rohöl. Die Märkte dürften weiterhin gut versorgt sein, sagte die Rohstoffexpertin Christine Schweikert. Den leichten Rückgang der Ölpreise im kommenden Jahr begründete Schweikert mit einem etwas schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft. "Die Konjunktur wird nur etwas nachlassen", sagte die Expertin. "Daher wird es auch keine starken Rückgänge bei den Ölpreise geben."

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