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04.01.2011

20:17 Uhr

Australien

Flut treibt den Kohlepreis

VonMartin Murphy, Regine Palm, Christoph Schlautmann

Die riesigen Überschwemmungen in Australien bedrohen die Kohlevorkommen. Spekulanten reiben sich schon jetzt die Hände. Selbst ohne die schlechten Nachrichten aus Australien stiegen die Preise wegen der besseren konjunkturellen Aussichten in den vergangenen Monaten stetig.

Im Hafen von Gladstone warten Schiffe auf neue Kohle Reuters

Im Hafen von Gladstone warten Schiffe auf neue Kohle

DÜSSELDORF: Die Lage in Australien klingt dramatisch. Weil verheerende Überschwemmungen in den vergangenen Wochen weite Teile des Landes unter Wasser setzten, haben die meisten Kohleminen ihre Arbeit bis auf Weiteres eingestellt - mit ernsthaften Auswirkungen: In Dalrymple, dem wichtigsten Hafen des Landes, warten inzwischen etwa 50 Schiffe auf neue Ladung.

Ähnlich sieht es in anderen Häfen aus. "Wir haben weniger als eine Millionen Tonnen Kohle auf Lager", sagte die Sprecherin des Hafens in Gladstone der Nachrichtenagentur Reuters. "Unsere Kapazität beträgt sechs Millionen Tonnen."

Spekulanten reiben sich schon jetzt die Hände. Selbst ohne die schlechten Nachrichten aus Australien stiegen die Preise wegen der besseren konjunkturellen Aussichten in den vergangenen Monaten stetig. Allein von März bis Dezember 2010 verteuerte sich Kohle um rund 60 Prozent. Schlimmer noch: Wegen des rasanten Preisanstiegs vermieden es Händler wie Abnehmer, ihre Lager aufzubauen.

Deutschland ist ein großer Importeur

Das könnten an ihrer Stelle nun die Spekulanten nachholen. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, erwartet eine "physische Spekulation" auf weiter steigende Preise. Angesichts der Überflutungen in Australien dürften nun viele ihre Lagerbestände erhöhen. Für Endabnehmer des Brennstoffs Kohle - etwa deutsche Stahlkocher wie Thyssen-Krupp oder Salzgitter - eine bittere Pille. "Wenn die Verknappung aus Australien durchschlägt, wird es mit den Preisen noch schneller nach oben gehen", warnt auch Steffen Unger, der als Händler bei HMS Bergbau tätig ist.

"Hinzu kommt, dass selbst mit dem Ende der Regenfälle das Problem nicht beseitigt ist", sagt Weinberg. Die Schäden an der Infrastruktur seien noch gar nicht absehbar.

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