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28.03.2013

13:32 Uhr

Banken-Run bleibt aus

Anleger trauen sich wieder in den Euro

Der befürchtete Run auf die Geldhäuser in Zypern ist ausgeblieben. Euro-Anleger zeigen sich etwas zuversichtlicher. Allerdings belastet die Sorge, dass Zypern zum Präzedenzfall für andere Staaten wird.

Protestanten in Nikosia. Wie groß wird der Ansturm auf die Banken? Reuters

Protestanten in Nikosia. Wie groß wird der Ansturm auf die Banken?

FrankfurtDer Euro pendelte am Donnerstag zwischen Gewinnen und Verlusten und notierte zuletzt bei einem Stand von 1,2803 Dollar 0,2 Prozent fester. Bei der Öffnung der Banken in Zypern ist der befürchtete Run auf die Geldhäuser bislang ausgeblieben. Neue Vorschriften beschränkten den Zugang zu Geld.

Es besteht das Risiko, dass Zypern als Vorlage für andere Länder dient, darum ist die Aufmerksamkeit für das Land und die Kapitalkontrollen groß“, sagte Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenstrategie bei Commerzbank AG in Frankfurt. „Allmählich werden die Transaktionen wieder in Gang kommen, also dürfte sich der Euro stabilisieren.“

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Der Yen legte gegenüber den meisten wichtigen Währungen zu, nachdem Äußerungen von Bank of Japan-Gouverneur Haruhiko Kuroda Erwartungen auf baldige neue monetäre Maßnahmen gedämpft hatten. Der Yen war gegenüber dem Euro mit zuletzt 120,58 Yen je Euro 0,1 Prozent fester, gegenüber dem Greenback legte die japanische Währung knapp 0,3 Prozent auf 94,21 Yen je Dollar zu.

Der Franken war gegenüber dem Euro mit 1,2198 Franken je Euro geringfügig leichter, gegenüber dem Dollar war die Schweizer Währung mit 95,25 Rappen je Dollar 0,2 Prozent fester.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

28.03.2013, 09:22 Uhr

Na Gottseidank, die Untergangswährung der EU-Pleitegeier läßt den manipulierten Goldpreis wieder steigen.

Mich wundert sowieso, daß die Hälfte der Deutschen dem Euro und der trügerischen Sicherheit ihrer Bankkonten vertrauen.

Kann es denn sein, daß wir 40 Millionen Ahnungslose haben?

Account gelöscht!

28.03.2013, 09:50 Uhr

@statesman

Viel schlimmer: ahnungslos wär ein Kompliment.
40 MIO degenerierte apolitische Konsum-Statusentrueckte.
Wir scheinen in gewissen Lebensfragen eher der Dummheit das Wort zu sprechen. Proteinmangel ? kaum.

Der Germane rannte schon immer gerne hinter Flaggen und Bewegungen hinterher, vertraut gern die ihn das Denken abnehmenden grossen Führern.

Jetzt halt der EU Führung in der "Bruesseler Parlaments-Wolfsschanze". Ob ein böhmischer Gefreiter oder ein künstlich befruchteter Euro, ist doch in der Wirkung egal.

Karma

28.03.2013, 10:11 Uhr

Ja doch die Ahnunungslosigkeit ist echt sehr verbreitet.

Wir leben in eine superschönen und vor allem gerechten Welt. Aber diese profanen "Experten" meine echt es gibt äußere Einflüsse auf ihr Leben.

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